Perfekte Kombination

Pavillon aus Beton erweitert 1930er Jahre Haus

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ArchitekturEin- und ZweifamilienhäuserOberflächeSichtbetonSchalung

Architekt

Bonauer Bölling Partnerschaft von Architekten mbB, Berlin, LPH 1-7

Bauherr

privat

Projektbeteiligte

Tragwerksplaner: Hörnicke Hock Tieroff Ingenieure (HHT), Berlin
Bauphysik: CSD Ingenieure GmbH, Berlin
Bauunternehmen: Nico Matschulat Bauleistungen, Berlin Falkensee
Innenausbau: Der Raum, Berlin
Beton: Stahlbeton C25/30, Ortbeton in Sichtqualität SB4, hydrophobiert
Betonlieferant: Heidelberger Beton GmbH, Lieferwerk Staaken
Schalung: Meva Schalungssysteme, Haiterbach
Terrazzo: Daniel Offenhausen, Terrazzo - und Betonwerksteinhersteller, Berlin
Betonvergütung: SB5 UG & Co. KG, Felix Richter, Berlin
Bauvolumen: BGF 380 m2, Bestand 270 m2, Neubau 90 m2
Fertigstellung: 2019

Jahr

2020

Ort

Berlin, Wannsee

Konstruktionsmerkmale

Eine 80 Zentimeter breite Fuge trennt die beiden Gebäude konstruktiv und gestalterisch voneinander. So bleibt Platz für eine separate Gründung und Entwässerung. Ein groß dimensionierter Unterzug schafft einen breiten Durchgang, der über breite Stufen vom Altbau in den neuen Wohntrakt führt. Dieser eigenständige Baukörper aus Stahlbeton steht auf einer massiven Bodenplatte, die ihrerseits aufgrund statischer Erfordernisse nach Bodenaustausch auf Streifenfundamenten aufliegt.

Besonderheiten

Insgesamt erfolgte die Verarbeitung gemäß den Vorgaben für die Bemusterung von Betonflächen mit besonders hoher gestalterischer Bedeutung. Diese Vorgaben für SB 4 beziehen sich etwa auf die Qualität und zulässige Toleranz bei Abweichung bezüglich Arbeits- und Schalungsfugen, auf Textur und Gleichmäßigkeit des Farbtons sowie Ebenheit.

Beschreibung

Ein nahezu stützenloser Stahlbetonbau mit Terrazzoboden, Wand- und Deckenflächen aus Sichtbeton ergänzt einen traditionellen Altbau. Zum Garten hin lässt sich der neue, stützenfreie Pavillon aus Beton weit öffnen. So entsteht ein fließender Übergang zwischen Innen und Außen.

Die Lage im Berliner Stadtteil Wannsee könnte besser nicht sein. Das 1000 Quadratmeter große eingewachsene Grundstück mit altem Baumbestand lädt zum Verweilen im Grünen ein. Für modernes Wohnen nach heutigen Vorstellungen bot das Einfamilienhaus aus den 1930er Jahren allerdings zu wenig Raum und Großzügigkeit. Mit reizvollen Details versprüht es historischen Charme, lässt aber die Vorzüge und Qualitäten moderner Architektur vermissen. Die Lösung brachte ein abgerückter Bau aus Beton, –  weniger Anbau als eigenständiger Baukörper –  der dem Altbau ein Pendant mit raumgreifenden Durchblicken, weiten Öffnungen und zeitgemäßer Gestaltung zur Seite stellt. Das Zusammenspiel der beiden virtuos aufeinander abgestimmten Bauten, die zweierlei Wohnvorstellungen respektieren, kam den Bauherren sehr entgegen. Es gab den Wunsch Alt und Neu funktional zu trennen und doch eine Einheit zu schaffen. So wurde das bestehende Wohnhaus behutsam saniert und im Innern neu organisiert. Neben der Erschließung dient es mit Sanitärräumen und der Bibliothek eher als Rückzugsort. In den oberen Stockwerken befindet sich der Schlafbereich, unterm neuen ausgebauten Dach auch ein kleines Studio. Das rückseitig zum Garten liegende, ehemalige Esszimmer wurde ganzseitig geöffnet. Hier schließt sich über eine Brücke mit breiter Stufung der neue Pavillon mit direktem Zugang zum Garten an. Diese Wohnhalle mit offenem Wohn- und Küchenbereich ist neuer Lebensmittelpunkt der Familie.

Beton

Für die Betonwände, Decke und Boden ließ der Rohbauer Transportbeton C25/30 von Heidelberger Beton anliefern, alle Betonbauteile, einschließlich der Decke wurden vor Ort betoniert. Ein durch seine Körnung farblich auf die Gestaltung der Innenräume abgestimmter Walz-Terrazzo bedeckt den Heizestrich am Boden. Die seitlichen Fassaden und die Attika bekleideten die Architekten als VHF mit einer teils horizontalen und vertikalen, vorgegrauten Lärchenschalung. Im Inneren sollten die Wände, Decke und Fußboden jedoch die authentische Anmutung sichtbar belassener Betonoberflächen zeigen.

Mitarbeiter der Architektenpartnerschaft von Bonauer Bölling hatten zwar bereits Erfahrung mit der Planung und Ausführung von hoher Betonqualität, jedoch war doch Haus Wannsee für die Architektenpartnerschaft das erste Sichtbetonprojekt. Die bei diesem Haus gewünschte Wohnraumqualität von Beton beinhaltete für Architekt Bonauer eine homogene, samtige Oberfläche ohne Lunker. Gleichwohl war ihm bewusst, dass Ortbetonbauten Unikate sind, deren Flächen eine individuelle, innere Zeichnung zeigen, die Bestandteil der Authentizität des vor Ort verarbeiteten Werkstoffs sind. Um das optimale Ergebnis zu erzielen wurden die beiden sichtbar belassenen Seitenwände und die Decke des Stahlbetonbaus entsprechend Schalungsmusterplan in der höchsten Sichtbetonklasse SB 4 ausgeschrieben und ausgeführt. Bei diesem Bau wird deutlich, wie unabdingbar und sinnvoll das Arbeiten im Sichtbetonteam ist.

Um das gewünschte, homogene Erscheinungsbild zu erreichen, wählte der Rohbauer eine Trägerschalung, in die eine Schalungshaut aus neuen, 2.50  x 1.00 Meter großen Siebdruckplatten integriert wurde. Das dezente Schalbild erforderte eine nicht sichtbare rückseitig befestigte, geölte Schalhaut, die vorab auch noch eigens künstlich gealtert worden war. Hierzu wird zunächst pastöser Zementleim auf die neuen Schalbretter aufgetragen, damit dieser mit den Holzinhaltstoffen reagiert und sie weitgehend neutralisieren kann. Nach Trocknung lässt sich die Paste abkehren. Man möchte mit dieser Behandlung verhindern, dass Holzinhaltstoffe mit der Betonrandzone reagieren, womöglich das Abbinden verzögern und beim Entschalen Ausbrüche und/oder unschönen Kanten verursachen. Auch Verfärbungen am Beton sollen mit dieser Methode verhindert werden. Schalungsstöße ließen die Architekten mit Moosgummi abdichten.

Gemäß der Werkplanung der Architekten wurden abschließend Ankerkonen aus Beton in den Ankerlöchern im Schalbild angebracht, von einem Unternehmen, das dem Beton mit einer aufgesprühten Hydrophobierung auch sein abschließendes Oberflächenfinish gab. Eine samtig pudrige Oberfläche ohne Abrieb ist das überzeugende Ergebnis.

Bildnachweis: Fotos: Michael Bölling, Markus Bonauer. Alle Bildrechte bei Bonauer Bölling Partnerschaft von Architekten mbB

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