Natur und Architektur im Einklang

Neues Freibad in Waldkirch-Kollnau

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Dauerhaftigkeit Dach Nachhaltigkeit und Ressourcen Oberfläche Sichtbeton Weiße Wanne Betonstein

Architekt

Kauffmann Theilig & Partner, Ostfildern

Bauherr

Stadt Waldkirch

Projektbeteiligte

KTP Generalplaner GmbH (Planung); KTP mit Franz Stinner | s-oe Architekten, Stockach (Bauleitung); Breinlinger Ingenieure Hoch- und Tiefbau GmbH, Tuttlingen (Tragwerk); frei raum concept Sinz-Beerstecher + Böpple freie Landschaftsarchitekten bdla, Stuttgart (Freianlagen); W&W Bauphysik, Leutenbach (Bauphysik); IGP - Ingenieurgesellschaft für Technische Ausrüstung mbH, Pforzheim (HLSE, Bädertechnik); ASAL+PFAFF GbR, Merzhausen (Vermessung); Ritter-Bau GmbH, Schutterwald (Rohbau); ETB Elztal-Betonwerke, Elzach (Betonwerk); KAISER-konkret GmbH, Salgen-Bronne (Betonfertigteile); Birkenmeier Stein + Design , Breisach- Niederrimsingen (Betonstein)

Jahr

2016

Ort

79183 Waldkirch, Schwimmbad-Allee 1

Konstruktionsmerkmale

Massivbau

Besonderheiten

Verwendeter Beton: SB 2, C 35/45 (, XC4, XF1, XA1, WF) und C 25/30

Beschreibung

Das im Jahr 2016 fertig gestellte Freibad begeistert durch seine anspruchsvolle Architektur, moderne Ausstattung und eine Vielzahl von Attraktionen. Die maritime Freizeitanlage wurde einfühlsam in die Landschaft entlang der Elz modelliert – in einem Materialmix aus Sichtbeton, Holz und Edelstahl, bei dem großzügige Grünflächen natürliche Akzente setzen. 

Die beiden Bäder in der Kernstadt und im Stadtteil Kollnau waren in die Jahre gekommen und stark sanierungsbedürftig. Vereinzelt vorgenommene Verschönerungs- und Reparaturarbeiten beeinträchtigen den Gesamteindruck der Bäder eher als ihn zu verbessern. Nach einem langen Entscheidungsprozess entschied der Gemeinderat von Waldkirch, in ein Gesamtbad am Standort Kollnau zu investieren. 

Mit ihrem Entwurf ist KTP die Verwandlung eines ehemals eher gewöhnlichen Schwimmbads in eine moderne und natürliche Freizeitlandschaft gelungen: Hier dominiert kein Gebäude die natürliche Umgebung, alles bildet eine stimmige Einheit mit fließenden Übergängen von Innen- und Außenbereichen sowie Liegeflächen. Die puristischen hellgrauen Sichtbetonflächen am neuen Eingangsgebäude und im Innenbereich sowie der sandfarbene Betonstein von Badeplatte und Wegeführung harmonieren vortrefflich zur Möblierung in dunkler Holzoptik in den Umkleiden, im Loungegebäude sowie den weiteren Holzböden etwa an den Liegeplätzen.

Beton

Die besonderen Vorteile von Beton liegen in der Materialästhetik und Homogenität, auch seine Widerstandsfähigkeit, Langlebigkeit und plastische Formbarkeit sprechen für das Material. Darüber hinaus lassen sich mit Beton organische Strukturen und Formen sowie schlanke und geschwungene Konstruktionen mit gleichmäßigen Oberflächen herstellen. Gebäude wirken dadurch eleganter und wie aus einem Guss. Genauso mutet das neue hügelartige Zugangsgebäude des Freibads an: Das aus Sichtbeton hergestellte Dach bzw. die Dachkante umrahmt den gesamten Gebäudekomplex anmutig wie ein Band und folgt dem Hügelverlauf. Zu den Seiten hin ufert es großzügig bis auf Bodenhöhe aus und vollführt dabei eine sanfte Wellenbewegung. Die Konstruktion des Dachs nimmt die Themen „Wasser und Schwimmen“ damit unterschwellig auf. Der hintere Bereich des Gebäudes wird von einer weitläufigen und begehbaren Grünfläche umschlossen und verschmilzt mit der Landschaft.

Um makellose Sichtbetonoberfläche des Dachbereiches zu erhalten, wurden die Stöße der Schaltafeln stellenweise mit Silikon geschlossen, teilweise musste nachgeglättet werden. Eine Herausforderung war die Oberseite der Dachdecke herzustellen, die zu allen innenliegenden Entwässerungspunkten abfallen sollte. Dieses beabsichtigte Gefälle musste über viele einzelne Rechteck-, Trapez- und Dreiecksflächen modelliert werden, was die Planung, Bewehrungsverlegung und das Betonieren sehr komplizierte. Wegen des teilweise sehr großen Bewehrungsanteils und der durch die Gebäudegeometrie verursachten ungünstigen und mehrlagigen Bewehrungsstöße wurde die Korngröße für manche Betonierbereiche auf 0/16 und an ganz kritischen Stellen auf 0/8 reduziert. Eine Besonderheit war außerdem, dass die Wände zwischen dem Fundament bis Attika in großen Bereichen vorab hergestellt und die Decken nachträglich dazwischen betoniert wurden.

Neben dem Sichtbeton der Festigkeitsklasse C 35/45 für die Sichtbetonflächen wurde in anderen Bereichen Beton der Klasse C25/30 verbaut. Die Dachdecke, Fundamentplatte und Unterkellerung als Weiße Wanne wurden aus WU-Beton hergestellt. Die seitlichen Wangen der Sprungtürme bestehen aus Fertigteilen, die über eine Stahlbewehrung monolithisch mit dem tragenden inneren Kern verbunden sind. Auch die Sitzelemente auf dem Freibadgelände sowie der mit Zuschlagstoffen anthrazit eingefärbte Treppenblock zum 1m-Sprungbrett sind aus Betonfertigteilen, deren wetterunabhängige Vorproduktion Baukosten und -zeiten etwas verringert hatte.

Die Badeplatte verbindet alle Beckenanlagen und -umgänge fließend und barrierefrei, feine Bänder aus Natursteinpflaster unterstreichen den hochwertigen Charakter. Sitzstufen und Absätze aus Beton fassen den Übergang der Badeplatte zu den Grünflächen ein. Die Besonderheit ist hier das formschöne Zusammenspiel der kleinteiligen Betonpflaster- und Plattenflächen mit den großzügigen, frei geschwungenen Ortbetonflächen. Die Herstellung dieser geschwungenen Flächen mit Besenstrichoberfläche erwies sich schwieriger als gedacht. Dafür wurde eine flexible Kunststoffschalung eingesetzt. 

Das Gebäude mit der Lounge entwickelt sich aus der Verlängerung des neuen Zugangsgebäudes. Es hat eine Fassade aus stehenden Lamellen, die den Blick auf das Freibad nach Nordwesten sowie auf die angrenzenden Sportflächen zulassen. Eine davor angeordnete hölzerne Tribüne ersetzt den bisherigen massiven Tribünenaufbau aus Beton. Über dem Zugangsgebäude bildet eine Überdachung aus Holz den markanten Abschluss der Badeflächen nach Süden und Westen hin. Diese leistet zudem den notwendigen Schallschutz zum anschließenden Wohngebiet und bietet im hinteren Bereich Lagerflächen und Vereinsräume. Vorgelagert ist eine hochwertige Holzterrasse.

Ein begrünter Damm als landschaftliche Erhöhung und Abgrenzung zum Fußweg entlang des Flusses fasst die unterschiedlich bearbeiteten Freiflächen des Bades ein und verbindet alle Teilbereiche in einer landschaftlichen Geste. In den Damm integriert sind ovale Holzdecks als ergänzende Liegeflächen, Aussichtsplattformen und die umfassende Zaunanlage. Zusätzlich gibt es im Vorbereich des Damms im Süden in der Nähe des Kinderbereichs ein ‚Spielschiff‘. Die Sportfläche ist als Sandplatz mit verstellbarem Netz in der Tasche zwischen Hauptzugang und Damm im Norden angeordnet in Ergänzung zum bestehenden, angrenzenden Sportbereich im Nordwesten. Der Baumbestand wurde weitgehend erhalten und ergänzt. Gräserteppiche durchziehen das gesamte Freibad bis auf die begrünten Dachflächen hinauf.

Die haus- und badetechnischen Einbauten sowie die Räume für die technischen Anlagen wurden komplett erneuert, ebenso die Versorgungsleitungen und Entsorgungskanäle. Die Grundbeheizung der Badebecken erfolgt durch eine Solar-Absorberanlage, in Schlechtwetterperioden werden die Becken über Wärmetauscher und das Heizungssystem zusätzlich beheizt. Die Umwälzkreisläufe der Schwimmer- und der Nichtschwimmerbecken sind jeweils getrennt, was eine unterschiedliche Temperierung ermöglicht. Die Umwälzmenge der Becken lässt sich bedarfsabhängig steuern, ein separater Rückspülbehälter dient als Wärmetauscher. Die Innenräume werden natürlich durchlüftet, nur die innenliegenden Nassräume und Umkleiden erhalten eine dezentrale Abluftanlage.  

Bildnachweis: InformationsZentrumBeton/Stephan Falk

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