Potentiale des Betons ausgelotet

Marco Polo Tower in Hamburg

Architekt

Behnisch Architekten, Stuttgart

Bauherr

Projektgesellschaft Marco Polo Tower GmbH & Co. KG
(DC Residential GmbH & Co. KG & HOCHTIEF Projektentwicklung GmbH)

Projektbeteiligte

Katja Knaus (Projektleitung); 360grad+, Hamburg (Objektüberwachung); Weber Poll, Hamburg (Tragwerk); HSGP Heinze Stockfisch Grabis + Partner GmbH, Hamburg (HLS); ITA Ingenieurgesellschaft für Technische Akustik mbH, Weimar–Legefeld (Bauphysik); Horstmann + Berger, Hamburg (Bauphsysik intern); Licht01 Lighting Design, Hamburg (Lichttechnik); Prof. Michael Lange Ingenieurgesellschaft mbH, Hamburg (Fassade); Lindner Gruppe, Arnstorf (Fassade); BSS, Berlin (Rohbau); GBL - Gödde Beton, Wadersloh-Liesborn (Beton-Fertigteile Brüstungen Ebene 1-15); Villa Rocca, Freiburg (Betongfertigteile Ebene 16)

Jahr

2010

Ort

Hamburg, Hübenerstraße (Hafencity)

Konstruktionsmerkmale

Stahlbetonskelettkonstruktion

Besonderheiten

Terrassen mit Betonbrüstungen; Nutzung der thermischen Speicherfähigkeit von Beton; Untergeschosse in WU-Beton

Preise

Architekturpreis Beton 2011

Beschreibung

Direkt an der Elbe, an prominenter Stelle in der HafenCity, liegt neben dem neuen Unilever-Haus der Marco Polo Tower.  Der Turm markiert das Ende des Weges aus der Innenstadt zu Hamburgs neuen Attraktionen, dem Kreuzfahrtterminal und der Promenade am Strandkai . Durch seine exponierte Lage zwischen der Elbphilharmonie und dem Science Center gehört er zu den herausragenden architektonischen Landmarken der HafenCity.  An schönen Tagen flanieren auf den vorgelagerten Marco Polo Terrassen Besucher und Bewohner des Stadtteils.

Die Marco Polo Terrassen leiten als Bodenskulptur die stadträumliche Inszenierung ein. Von hier führt der öffentliche Stadtraum zum neuen Ensemble des Unilever-Hauses und des Marco Polo Turms. Der Wohnturm liegt im Nordwesten der Anlage und öffnet sich mit seinem Eingangsbereich und Atrium zum öffentlichen Stadtraum. Die Freianlagen der beiden Gebäude gehen fließend ineinander über und bilden eine Einheit mit der Außenraumgestaltung der HafenCity.

Mit dem Marco Polo Tower ist das erste Wohngebäude auf dem Strandkai entstanden.
Seine 17 oberirdischen, leicht zueinander verdrehten Geschosse erlauben von allen 58 Wohneinheiten spektakuläre Ausblicke über die Elbe, auf die Hamburger Stadtlandschaft und die HafenCity. Umlaufende, großzügige Terrassen und Balkone erweitern den Wohnraum in weichem Linienspiel und geben dem Turm ein unverwechselbares Erscheinungsbild.
In seiner Form und Ausgestaltung ist der etwa 55 Meter hohe Wohnturm eine eigenständige und markante Gebäudeskulptur, die die Silhouette Hamburgs zur Elbe hin bereichert.

Das freie Linienspiel der Terrassen und Galerien  leitet den Besucher in das repräsentative mehrgeschossige Atrium. Ein Concierge wird die Besitzer der Wohnungen hier zukünftig persönlich begrüßen. Die gewählten Materialien, ein Wechselspiel zwischen warm anmutenden Hölzern und eleganten Schleiflack- und Lederarbeiten, laden zum Verweilen ein. Eingestellte Lamellenstrukturen aus Esche unterstreichen diese Wirkung und verknüpfen überdies die einzelnen Ebenen des Entrées zu einer Einheit. Die Grundfläche des Atriums wird durch einen eigens für diesen Raum entwickelten Tresen gegliedert und bespielt.

Neben dem Eingangsbereich des Wohnturms werden Gewerbeflächen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss zur Belebung des öffentlichen Raumes beitragen.
Ab dem zweiten Obergeschoss beginnt der Wohnbereich des Gebäudes, der sich über 15 Geschosse erstreckt. Der spannungsreiche Kontrast zwischen dem geometrisch geordneten Wohnraum und  den freien, weichen Linien der umlaufenden Brüstungsbänder bietet auch aus dem Innenraum heraus ein besonderes Raumerlebnis.
Die großzügigen, frei geschwungenen  Terrassenräume schaffen in den Obergeschossen die Qualitäten einer Erdgeschosswohnung mit viel Freibereich.  Sie erweitern den Wohnraum und werden von brüstungshohen geschlossenen Bändern im Wechsel mit transparenten Glasbrüstungen gefasst, die die spielerische Form des Turmes zusätzlich stärken. Die Wohnform der Villa mit Garten wird interpretiert: klassisch rechtwinklige Wohneinheiten werden von umlaufenden Freiflächen in Form von Balkonen und Terrassen umspielt.

Die Wohnungsgrößen liegen zwischen etwa 60  und 340 Quadratmetern. Benachbarte Einheiten können zusammengelegt werden, sodass eine sehr hohe Flexibilität im Ausbau entsteht. Die sich ständig verändernde Außenform des Gebäudes bietet die Grundlage dafür, dass auch im Inneren keine Etage und keine der Wohnungen einer anderen gleicht. Die Bandbreite der möglichen Wohnungstypen reicht von Zweizimmerwohnungen bis zum großzügigen Penthouse mit Maisonettecharakter.
Grundriss, Aufteilung und Ausgestaltung der Wohnungen werden gemäß den Vorstellungen ihrer Eigentümer individuell ausgebildet. Statische Wände und notwendige Einbauten sind im Inneren auf ein Minimum reduziert,  sodass der Eigentümer selbst bestimmen kann, wo er schlafen, kochen, essen, baden oder entspannen möchte.

Beton

Das Tragwerk des Gebäudes ist eine Stahlbetonskelettkonstruktion (Ortbeton). Alle Decken werden als schlanke Flachdecken mit Dicken von 26cm in den oberirdischen Geschossen und 30 bzw. 35cm in den unterirdischen Geschossen unter Anordnung von Dübelleisten über den Stützen hergestellt. Aufgrund der Form des Gebäudes stehen die Stützen in den Geschossen in der Regel nicht übereinander. Deshalb werden die Lasten einzelner Stützenstränge über Wandscheiben umgeleitet. Die Zentrierung der entstehenden Außermittigkeiten erfolgt über die Deckenscheiben und den aussteifenden Kern.
Um die Verformung der schlanken Decken aufgrund der sehr weiten Auskragungen zu verringern, werden die vorhandenen Brüstungen als tragend berücksichtigt. Im Erdgeschoss und dem 1.Untergeschoss werden vereinzelte Stützen aus dem aufgehenden Gebäude abgefangen. Der Lastabtrag erfolgt über Abfangbalken in den Decken über dem EG und 1.UG.
Ausgesteift wird das Gebäude durch den Treppenhaus- und Aufzugskern, sowie über Teilabschnitte der Wohnungstrennwände, welche sich in den Untergeschosskasten einspannen. Die Treppen zur Erschließung des Gebäudes werden als Fertigteilläufe mit Anschlussbewehrung in die Ortbetonpodeste hergestellt. Um eine höhere Flexibilität bezüglich der Wohnungsaufteilung zu gewährleisten, werden in Teilbereichen optionale Öffnungen in den Wohnungstrennwänden vorgesehen. Im Gebäude werden vorwiegend Leichtwände verwendet. Ausgenommen hiervon sind die geschlossenen Fassadenflächen, die als nichtragende Fertigteilwände mit einer Kopfhalterung durch Schubdorne ausgebildet werden.

Die Sohle und die Außenwände der Untergeschosse werden als „Weiße Wanne“ nach WU-Richtlinie hergestellt. Das Gebäude wird mittels einer Pfahlgründung (Rammpfähle / Teilverdränger) gemäß den Angaben der Baugrundbeurteilung tiefgegründet. Für den Abtrag der Horizontallasten aus einseitigem Erddruck auf der Nord- und Westseite werden zusätzliche GEWI-Zugpfähle angeordnet.
Die offenen Fassadenflächen werden als nichttragende Pfosten-/Riegelkonstruktion ausgebildet.

Mit dem Marco Polo Tower wird hochwertiges Wohnen mit einem ganzheitlichen, nachhaltigen Gebäudekonzept verbunden. Die zurückgesetzten Fassaden werden durch die überhängenden geschwungenen Terrassen auf natürliche Weise verschattet, sodass auf einen konventionellen außen liegenden Sonnenschutz verzichtet werden kann.

Die Wärmeerzeugung erfolgt über das Fernwärmenetz nach den technischen Anschlussbedingungen der Fa. Vattenfall in der Heizungszentrale. Der Anschluss erfolgt indirekt über einen Plattenwärmetauscher mit einer Wärmeleistung von 500 kW. Die Warmwasserbereitung der Wohnungen und des Fitnessbereiches wird über Solarkollektoren, die auf dem Dach des 16.Obergeschosses angeordnet sind, mit Heizwasser versorgt. Sollte die erzeugte Leistung im Winter oder in der Übergangszeit über die Solarkollektoren nicht ausreichen, wird über einen direkten Anschluss von der Fernwärmetrasse auf die erforderliche Vorlauftemperatur über Regelventile nachgespeist.

Die Kälteerzeugung erfolgt über eine solarbetriebene Absorptionskältemaschine. Vakuumkollektoren auf dem Dach wandeln solare Gewinne mittels eines Wärmetauschers in Kälte, sodass darüber hinaus eine umweltverträgliche Kühlung der Wohneinheiten möglich ist. Die gewonnene Wärme wird über einen Pufferspeicher an den Austreiber der Absorptionskältemaschine abgegeben.

Damit eine Schwadenbildung und die damit verbundene Benetzung von feinen Wassertropfen auf den Kollektorflächen und der Umgebung vermieden wird, erfolgt die Wärmeabfuhr über einen geschlossenen Hybrid-Kühlturm.

Neben der großzügigen Verglasung ist ein hoher Anteil der Fassade geschlossen. Die Wandscheiben verringern nicht nur die Wärmeverluste im Winter, sondern sind als thermische Speichermasse auch wichtig für die Behaglichkeit im Innenraum.

Quelle


Bildnachweis: Roland Halbe via Behnisch Architekten, Stuttgart

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