Profilierte Fassadenelemente aus selbstverdichtendem Beton

Büro- und Geschäftshaus Uno in Liestal

Architekt

Christ & Gantenbein, Basel

Bauherr

Basellandschaftliche Kantonalbank, Liestal

Projektbeteiligte

Sulzer + Buzzi, Bolten (Bauleiter); Schnetzer Puskas Ingenieure, Basel (Tragwerksplaner); Scholer + Blatter, Liestal (Heizung); Bechtel Ingenieure, Liestal (Lüftung); Sanplan, Liestal (Sanitärplanung); Procoba, Reinach (Elektroplanung); Ehrsam & Partner, Basel (Bauphysik); Sutter Ingenieur- und Planungsbüro, Liestal (Tiefbau); Martin Lienhard, Langenbruck (Akustik)

Jahr

2011

Ort

4410 Liestal, Bahnhofplatz 11

Beschreibung

Reisenden, die mit der Bahn in Richtung Basel die kleine Stadt Liestal passieren, wird der anthrazitfarbene Baukörper ins Auge fallen, dessen streng gerasterte Betonfassade sich nach unten hin verjüngt. Das Uno genannte Büro- und Geschäftshaus ist der erste Baustein bei der städtebaulichen Neugestaltung des Bahnhofsareals. Fünf Geschosse hoch, besetzt er eine dreieckige Parzelle zwischen dem Liestaler Bahnhof und dem Hauptsitz der Basellandschaftlichen Kantonalbank, die auch Bauherr des Neubaus ist. Geplant wurde der Neubau von den Baseler Architekten Christ und Gantenbein.

Die verzogene, sich nach unten verjüngende Gebäudekubatur ergab sich aus der Form und der Topografie des Grundstückes. Dieses fällt auf der dem Bahnhof abgewandten Ostseite zum Soodweg hin um eine Geschosshöhe ab. Im Gegensatz zu den abgeschrägten Wandflächen des fast vollständig geschlossenen Gebäudesockels sind die oberen vier Geschosse rundum von einem streng geometrischen Fassadenraster mit nahezu raumhohen Fenstern umschlossen. Letztere sind in einem gleichmäßigen Abstand zueinander angeordnet und mit konisch zulaufenden Laibungen versehen, die der Gebäudehülle plastische Tiefe verleihen.

Der Fassadengliederung liegt ein Ausbauraster von 2,65 m Breite zugrunde, das eine flexible Aufteilung der Grundrisse in Einzel-, Kombi- und Großraumbüros erlaubt. Insgesamt beträgt die Bruttogeschossfläche des Gebäudes 9.659 m². Sie verteilt sich auf fünf oberirdische Geschosse, ein halb unterirdisches und zwei Kellergeschosse. In diesen ist eine Tiefgarage angeordnet, im Geschoss darüber die Technikzentrale und Lagerräume. Das Erdgeschoss bietet Platz für mehrere Gewerbeeinheiten. Sie öffnen sich mit einer gebäudebreiten, leicht zurückspringenden Schaufensterfront zum Bahnhofplatz nach Westen hin. Auf dieser Seite liegt auch der Hauptzugang mit zentraler Eingangshalle. Von hier gelangen die Gebäudenutzer in die oberen Büroetagen. Im Grundriss etwa mittig liegen zwei zentrale Versorgungskerne, in denen Sanitär- und Nebenräume sowie die Treppen und Aufzüge untergebracht sind. Die Gebäudetiefen betragen zwischen sieben und zehn Meter.

Das Büro- und Geschäftshaus wurde nach den Vorgaben des Schweizer Minergie-Standards mit einem optimierten Wärmeschutz errichtet. Das Energielabel entspricht ungefähr dem des deutschen Niedrigenergiehauses. Beheizt wird das Gebäude über die kantonale Fernwärmeversorgung, die einen Brennstoffmix aus Holzschnitzeln, Deponiegas und Erdgas/Erdöl verwendet. Die Wärmeverteilung erfolgt über Heizkörper an den niedrigen Brüstungen entlang der Fassade; einzig die Eingangshalle ist mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Heizungs- und Elektroleitungen verlaufen in Hohlraumböden, die Kanäle der Lüftungsanlage sind unter den Geschossdecken installiert.

Beton

Konstruktiv ist das Gebäude ein Skelettbau. Der vertikale Lastabtrag erfolgt über die zwei Ortbetonkerne, die außerdem der Aussteifung dienen, sowie über 16 vorgefertigte Stützen aus Schleuderbeton. In den Untergeschossen besitzen sie einen ovalen Querschnitt von 60 x 40 cm, im Erdgeschoss sind sie quadratisch und messen 45 x 45 cm, in den Obergeschossen 32 x 32 cm. Der Achsabstand zum Deckenrand variiert, an seiner längsten Stelle beträgt er 2,86 m. Auf der Nord- und Westseite leiten die Stützen die Lasten direkt in die Wände des ersten Untergeschosses; süd­- und ostseitig erfolgt der Lastabtrag zunächst über zum Teil geneigte Abfangscheiben auf dieser Ebene, dann in die Stützen der beiden untersten Parkgeschosse. Die Geschossdecken bestehen aus 32 cm starkem Ortbeton. Entlang ihrer Ränder wurden sie durch eine umlaufende Beton­aufkantung verstärkt.

Sichtbetonfertigteile umschließen das Gebäude rundum. Sie bestehen aus selbstverdichtendem und mit 4% Schwarzpigment-Flüssigfarbe eingefärbtem Beton. Hergestellt wurden sie in liegenden Holzschalungen in zwei Varianten: profilierte Rahmenelemente mit Fenstern in einer Stärke von 20 cm und 8 cm dicke, plane Elemente ohne Fenster für die Verkleidung des Gebäudesockels. Bei deren Montage wurden zur Vereinfachung übereinanderliegende Fassadenelemente zu jeweils einem großen Fertigteil zusammengefasst und mit Scheinfugen versehen. Das größte von ihnen misst 2,90 x 9,70 m. Alle vertikal montierten Fassadenelemente sind mit einer 8 cm starken Dämmung aus Polystyrol ausgestattet, die direkt in die Schalung ein­gelegt wurde. Die Befestigung der geschosshohen, etwa 2,70 x 3,40 m großen Rahmenelemente erfolgte in den Obergeschossen mit Ankern und Druckschrauben an den Deckenstirnen bzw. Betonbrüstungen. Nach der Montage wurden die Innenseiten mit einer zusätzlichen Dämmung aus 8 cm Mineralwolle versehen, diese mit einer Dampfsperrfolie abgedichtet und mit 2 x 12,5 mm Gipskartonplatten verkleidet. Der Hohlraum zwischen Deckenstirnen und Fassadenelementen wurde mit Mineralwoll­granulat ausgefüllt.

Im überhohen Erdgeschoss hängen die Betonfertigteile an einer verzinkten Stahlunterkonstruktion aus z.T. geknickt ausgebildeten HEA 180 Breitflanschstützen. Gum­mieinlagen zwischen ihnen und den Befestigungsmitteln dienen der Korrosionsvermeidung. Auch hier wurde zusätzlich von innen her gedämmt, allerding mit 20 cm Mineralwolle. Diese wurde mit Dampfsperrfolie abgedichtet und mit 2 x 15 mm Gipskartonplatten verkleidet. Im ersten Untergeschoss liegen die Elemente unten auf an der Betonaußenwand befestigten Konsolen auf. Die Außenwände sind hier mit einer 16 cm dicken Schicht aus expandiertem Polystyrol gedämmt.

Um den Betonoberflächen eine Struktur zu verleihen, die der eines leichten Sandstrahlens ähnelt, wurden sie abgesäuert, anschließend hydrophobiert und im Sockelbereich mit einem unsichtbaren Graffitischutz versehen.

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Basellandschaftliche Kantonalbank, Liestal

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