Jugendclub „Betonoase“

Betonoase

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LeichtbetonWärmedämmungWändeArchitektur

Architekt

Gruber + Popp Architekten, Berlin
Projektleitung: Achim Schock
Bauleitung: Kolja Werschky, Dieter Seiler
Wettbewerb: Charlotte Knoll

Bauherr

Bezirksamt Lichtenberg, Bildung, Kultur, Soziales und Sport, Abteilung Jugend und Gesundheit

Projektbeteiligte

Tragwerksplanung: schlaich bergermann partner, Mike Schlaich, Berlin
Haustechnik: Ingenieurbüro Löber, Berlin
Prüfingenieur: Dr.-Ing. Harmut Kalleja, Berlin
Außenanlangen: Landschaftsarchitekten Franz Beusch, Potsdam / capatti staubach (Wettbewerb), Berlin
Kunst am Bau: 333 gätjens plavec saric, Berlin
EnEV-Nachweis: Joachim Dettki, Berlin

Jahr

2018

Ort

Berlin

Konstruktionsmerkmale

einschalige Sichtbetonwände, die dämmen und tragen

Besonderheiten

Infraleichtbeton erstmals an einem öffentlichen Gebäude

Beschreibung

Seinen Namen hat er behalten und weit weggezogen ist er auch nicht, dennoch ist ein ganz neuer Ort entstanden: Der Jugendclub mit der ruppig-poetischen Bezeichnung „Betonoase“ steht 100 Meter entfernt von seinem inzwischen abgerissenen Vorgänger inmitten zehn- bis zwanziggeschossiger Wohnhochhäuser in Berlin-Lichtenberg.

Der Entwurf von Gruber + Popp Architekten war erfolgreich aus einem Gutachterverfahren hervorgegangen, das der Bezirk Lichtenberg durchgeführt hatte. Trennen und Verbinden lauteten die Leitgedanken von Doris Gruber und Bernhard Popp. In dem L-förmigen eingeschossigen Gebäude äußert sich das so: Das Gebäude vereint zwei Nutzungen unter einem Dach, eben den Jugendtreff und außerdem ein Familienzentrum. Beide Einheiten sind autark und haben auch separate Eingänge sowie Außenflächen. Die Terrassen aber verbindet ein gemeinsamer Garten, und im Inneren lassen sich die Eingangsbereiche zu einem großen Foyer zusammenschalten. Spiel-, Arbeits- und Aufenthaltsräume sind fließend organisiert. „Der Kerngedanke beinhaltet den stufenweisen Übergang von öffentlichen zu halböffentlichen und dann zu privaten Bereichen“, beschreibt Doris Gruber das Konzept. Die Architekten entwarfen nicht nur Hülle und Struktur, sondern auch die gesamte Innenausstattung. Die nichttragenden Wände bestehen aus Sperrholzplatten und sind mit Fächern, Sitzbänken und Schränken ein Hybrid aus Raumteiler und Möbel. Gussasphalt und weiße Akustikdecken vervollständigen die zurückhaltende Materialpalette. Atmosphärisch treffen sich hier Werkstatt- und Ateliercharakter.

Beton

Was dem Gebäude aber seinen ganz besonderen Anstrich gibt, ist ein spezieller Baustoff. Nicht einfach Sichtbeton, sondern Infraleichtbeton haben die Architekten verwendet, eine Premiere für ein öffentliches Gebäude. Denn noch ist der Werkstoff so jung, dass keine Normen formuliert sind, weshalb eine „Zustimmung im Einzelfall“ notwendig war. Diese wiederum konnten die Planer in enger Zusammenarbeit mit schlaich bergermann und partner erwirken: Mike Schlaich forscht seit zehn Jahren an der TU Berlin zu Infraleichtbeton, der, nimmt man ein Stückchen in die Hand, tatsächlich verblüffend leicht ist.

Durch Forschung in Kombination mit Praxistests wurde ein Material entwickelt, das sowohl dämmt als auch trägt. Das bedeutet, dass die Konstruktion einschalig ausgeführt werden kann. Möglich wird das durch den Ersatz von Schotter und Kies durch Blähton oder Blähgas. Der hohe Luftanteil in den eingeschlossenen Kammern im Bauteil – in diesem Fall 50 Zentimeter stark mit teils integrierten Sitznischen – leitet keine Wärme und sorgt daher für ein ausgeglichenes Klima unabhängig von der Jahreszeit. „Infraleichtbeton hat ein großes Nachhaltigkeitspotenzial. Im Vergleich zu einer mehrschichtigen Wand mit vorgeklebter Wärmedämmung haben wir nur einen einzelnen Werkstoff“, erläutert Mike Schlaich die Vorteile und sieht in der erstmaligen Verwendung an einem öffentlichen Gebäude echten Vorbildcharakter. Auch die 32 Zentimeter starken Vordächer ließen Gruber + Popp auf Empfehlung Schlaichs in Infraleichtbeton ausführen. Bernhard Popp pflichtet dem Ingenieur bei: „Mit Infraleichtbeton können wir in vielfältiger Hinsicht einen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz leisten.“ Ästhetische Einbußen sind nicht zu befürchten: Die Einschlüsse hinterlassen ein dezentes Sprenkelmuster, der Beton ist haptisch warm, beinahe weich. Dadurch, dass er geschüttet statt gepumpt wird, zeichnen sich steinbruchartige Lagen ab.

Quelle

Christina Gräwe für EINSATEAM

Bildnachweis: Alexander Blumhoff, Berlin // Materialdetail: schlaich bergermann partner

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