Geschlitzter Sichtbeton

Slit House in Koka/J

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FugenSchlitzwändeWohnen

Architekt

Eastern design office, Kyoto/J

Bauherr

Niwaka, Kyoto/J

Projektbeteiligte

Hojo Structure Research Institute, Kyoto/J (Statik); Fukasaka, Kyoto/J (Bauunternehmen)

Jahr

2005

Ort

Kōka, Präfektur Shiga, Japan

Beschreibung

In Koka, einer alten japanischen Stadt in der Präfektur Shiga, fällt ein Gebäude ganz besonders ins Auge. Gemeint ist das Slit House der Architekten Anna Nahamura und Tajyo Jinno vom Büro Eastern design office. Es besteht aus einer einzigen langen Wand, die sich um den Grundriss legt und weder von einem sichtbaren Dach nach oben begrenzt, noch von Fenstern unterbrochen wird. Nur schmale Schlitze teilen die Wand in einzelne Segmente.

Das eingeschossige Wohnhaus liegt in einer eng bebauten Häuserreihe auf einem 350 m² großen Grundstück, das mit der Hausgrundfläche von 210 m² nahezu komplett ausgefüllt wird. An den Schmalseiten ist es von einer Straße und von einem Fluss begrenzt, seitlich berührt es fast die Nachbargebäude. Rundum misst die Fassade 105 m. Mit ihrem Entwurf haben die Architekten versucht, eine Alternative zum traditionellen Fenster zu finden und sich von der glaslastigen zeitgenössischen Architektur zu verabschieden. Vielmehr interessierte sie der Umgang von Licht im Zusammenhang mit Flächen. Und so durchschnitten sie die Wandfläche mit teilweise gerade, teilweise schräg verlaufenden Schlitzen. Diese lenken das Licht gezielt in die Innenräume und sorgen damit für die gewünschte Intimität. Im Laufe des Tages verändert sich der Lichteinfall: Gegen 11.00 Uhr am Vormittag fällt die Sonne in den 50 m langen Flur auf der Südseite des Hauses und lässt ein geometrisches Muster auf Wänden und Böden entstehen. Zusätzliches Licht erhält das Gebäude über ebenfalls schlitzförmige Öffnungen im Dach.

Der Gang ist durch eine Betonwand vom ansonsten offenen Grundriss getrennt, in dem sich die Wohn- und Schlafräume befinden. Diese sind weiß gestaltet und mit traditionellen japanischen Holzmöbeln eingerichtet. Über einen Innenhof wird der Wohnraum zusätzlich belichtet; auf dessen anderer Seite liegt ein Atelier. Die Nasszellen sind innenliegend angeordnet, ihre Wände bestehen aus Holz. Erschlossen wird das Gebäude über je einen Eingang an den Schmalseiten, die sich an dieser Stelle stark nach innen wölben. Im Außenraum entstehen dadurch Nischen, die äußerst karg und mit Böden aus Beton gestaltet sind.

Beton

Um das richtige Maß für den Lichteinfall im Inneren des Hauses zu finden, führten die Architekten zahlreiche Voruntersuchungen zum Verhältnis von Wandfläche zu Wandschlitz durch. Schließlich entschieden sie sich für einen Abstand von 14 cm zwischen den einzelnen 4,00 m hohen und 22 cm starken Wandscheiben. In die Schlitze sind rahmenlose Verglasungen gesetzt. Dazu wurden Fugen in Glasdicke in den Beton geschalt, in die anschließend die Scheiben gestellt wurden. Für den notwendigen Sonnenschutz sorgen Jalousien, die unsichtbar im Zwischenbereich von Wand und Decke angebracht sind. Als oberer Abschluss kam eine 50 cm dicke Flachdecke zum Einsatz, die als aussteifendes Element wirkt. Sie schließt direkt an die Wandscheiben an und ist von außen kaum wahrnehmbar.

Der Aufwand der Schalung ist im Verhältnis zur optisch reduzierten Erscheinung des Wohnhauses als aufwendig einzustufen, schließlich fallen bei 60 Öffnungen 240 Ecken an – und die sollten möglichst scharfkantig sein. Dies erforderte eine extrem sorgfältige Ausführung. Denn sobald die Schalbretter nicht exakt aufeinanderstoßen, kann Beton entweichen. Die Folge sind ungenaue Kanten, die zum Ausbrechen neigen. Beim Slit House ist dies nicht der Fall. Verwendet wurde eine sehr glatten Schalung, das Ergebnis ist eine nahezu spiegelnde Betonoberfläche. Die hohe Qualität des Sichtbetons wurde durch die Verwendung eines fließfähigen Betons erreicht. Für die Farbe ist der feine Schotterkies aus dem nahegelegenen Flussbett verantwortlich, der als Gesteinskörnung beigemischt wurde.

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Koichi Torimura, Kyoto/J

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