Sanierung von Betonschalen aus Ferrozement

Rettungsturm 1 der Strandwache in Binz

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Sichtbeton Spritzbeton Bewehrung

Architekt

Ulrich Müther, Bauingenieur, mit Dietrich Otto, Architekt (Original 1981/1982); Heike Nessler, Putbus (Instandsetzung)

Bauherr

Wüstenrot Stiftung

Projektbeteiligte

Thomas Knappheide (Projektsteuerung der Instandsetzung); adb / Büro für Architektur, Denkmalpflege und Bauforschung / Ewerien und Obermann, Berlin (Machbarkeitssudie)

Jahr

2018

Ort

18609 Binz / Rügen, Strandpromenade

Beschreibung

Kleine Werke des großen Schalenbaumeisters: In den 1980er-Jahren errichtete Ulrich Müther in Zusammenarbeit mit dem Architekten Dietrich Otto zwei Rettungstürme in Binz. Von den beiden Experimentalbauten in prominenter Lage an der Ostseeküste ist nur noch einer erhalten, der andere wurde in den 1990er-Jahren abgerissen. Inzwischen wurde der denkmalgeschützte Bau zum Standesamt umgenutzt.

Der Rettungsturm ist aus zwei dünnen Betonschalen zusammengesetzt und beherbergt im Inneren einen 25 Quadratmeter großen Raum, der sich dank der allseitigen Verglasung nach allen vier Seiten orientiert. Der ständige Abrieb durch Sand und Wind, der sich aufgrund der Lage des Bauwerks nicht vermeiden ließ, setzte der Bausubstanz erheblich zu. Zudem beanspruchten Temperaturschwankungen und hohe Luftfeuchtigkeit die Betonschalen sowie die hölzerne Fensterkonstruktion des Rettungsturms stark. Der Bau musste daher bisher fast jedes Jahr grundlegend saniert werden. Mit der aktuellen Instandsetzung durch die Wüstenrot Stiftung soll die Nutzung des ehemaligen Rettungsturms als Standesamt auch für die Zukunft sichergestellt werden.

Zugunsten eines besseren Raumklimas wurde auf die Inneneinrichtung aus Holz, die aufgrund der Feuchte-Problematik in den vergangen Jahren mehrfach ausgetauscht worden war, verzichtet. Ebenso wurden die ovalen Fensterelemente ersetzt. Die Planer ließen Türen und Fenster entsprechend der bauzeitlichen Originalaufteilung herstellen und montieren. Der Bodenbelag wurde nach Vorbild eines typischen DDR-PVC Bodens ausgeführt.

Auch im Außenbereich des Rettungsturms stellten die Planer die bauzeitliche Anmutung wieder her: So wurde ein nachträglich eingebrachter Terrassenbelag entfernt, die filigrane Stahltreppe sensibel wiederhergestellt und der Bodenbelag im Bereich des Treppeneintritts mit originalen DDR-Platten versehen.

Beton

Die beiden Buckelschalen sind fast überall nur 3 cm stark, an einigen Stellen messen sie bis zu 5 cm. Damit ist der Beton dieses noch vorhandenen Rettungsturmes in Binz deutlich dünner als der des weitgehend baugleichen Vorgängermodells, das eine Schalenstärke von 7 - 12 cm aufwies und in den 1990er-Jahren abgerissen wurde.

Beim Bau der Türme wurde zur Abformung der beiden Schalenhälften die gleiche Gussform verwendet, allerdings experimentierte Müther mit dem Material. Anstelle des normalen Stahlbetons wurde hier abweichend ein sogenannter Ferrozement als Spritzbeton verwendet. Mit diesem vor allem im Schiffsbau eingesetzten Zementmörtel, der auf nur wenige Lagen eines sehr engmaschigen und dünnen Drahtgeflechts aufgebracht wurde, konnte die Bewehrung des Rettungsturmes insgesamt reduziert und die Schalendicke und somit auch das Gewicht erheblich verringert werden.

Da der Rettungsturm ohne Dämmung der Betonschale ausgeführt wurde, kondensierte allerdings von Beginn an im Inneren die Feuchtigkeit, was unter anderem Schimmel zur Folge hatte. Ziel der Instandsetzungsmaßnahmen der Wüstenrot Stiftung war es, erstmals ein Klima herzustellen, das den fortwährenden Schadenszyklus durchbricht.

Nach der Instandsetzung wird die Betonschale durch eine Elektro-Flächenheizung temperiert. Bei Temperaturen ab fünf Grad Celsius und kälter erwärmt sie die Hülle, sodass der Taupunkt nach außen wandert. Die Oberfläche wurde zudem mit einem hauchdünnen Dämmputz versehen und entsprechend des bauzeitlichen Befunds weiß gestrichen. Neben den Maßnahmen an der Betonschale erfolgte der Einbau einer Lüftungsanlage, mit der die klimatischen Bedingungen im Inneren zusätzlich reguliert werden können. Das Zentralgerät befindet es sich in einem Bestandsgebäude in der Nähe. Die Zuluft gelangt durch einen erdverlegten Lüftungskanal durch den Fuß des Rettungsturms in den Innenbereich, die Abluft wird durch eine Dachöffnung abgeführt. -chi

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Thomas Knappheide, Wiesbaden; Müther-Archiv, Wismar; Kurverwaltung Binz

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