Sakralbau in strahlend weißem Sichtbeton

Neuapostolische Kirche in Neuhausen

Architekt

Stefan Pfäffle, Neuapostolische Kirche Süddeutschland, Stuttgart

Bauherr

Neuapostolische Kirche Süddeutschland K.d.ö.R., vertreten durch Abteilung Bau/Unterhalt, Stuttgart

Projektbeteiligte

Bühler Planen und Bauen, Reutlingen (Bauleitung); Jedamzik + Partner, Stuttgart (Landschaftsarchitekten); Tragwerkeplus, Reutlingen (Tragwerksplanung); Rainer Kallenberger, Eberstadt (Elektro); Wagner VDI, Reutlingen (HLS); Kurt Entenmann, Korb (Kunst); G-Plan M. Guberac, Bühl/Baden (Fassadenplanung); Zement von HeidelbergCement AG, Werk Schelklingen (Zement); HeidelbergCement AG - Werk Harmignies/Belgien, (Weißzement); Heidelberger Beton, Stuttgart (Beton);Gottlob Brodbeck, Metzingen (Beton und Stahlbeton Ausführung)

Jahr

2011

Ort

Neuhausen auf den Fildern, Bernhäuser Straße 18

Beschreibung

Ein Bibelzitat stand am Anfang der Planung für die neuapostolische Kirche im schwäbischen Neuhausen auf den Fildern: „Und er machte an das Haus Fenster mit festen Stäben davor“ bezieht sich auf den Bau des ersten Tempels, den König Salomo in Jerusalem errichten ließ, passt aber auch wunderbar auf den neuen Sakralbau, der nach einem Entwurf des Stuttgarter Architekten Stefan Pfäffle im Auftrag der Kirchengemeinde entstand. Er schuf einen geometrisch klaren Baukörper unterschiedlicher Höhe aus weißem Sichtbeton, dessen schlanke Stützen nicht nur wichtige Bauelemente der Sakralarchitektur sind, sondern auch die oben genannten Stäbe verkörpern.

In einer Übergangszone zwischen Industriegebiet und loser Wohnbebauung gelegen, übernimmt der strahlend helle Kirchenneubau die Funktion eines Mittlers im heterogenen Umfeld. Während er sich in Volumen und Höhe an den Nachbargebäuden orientiert, sticht er in seiner Gestaltung deutlich heraus. Dazu trägt unter anderem die Anordnung der Kirche an der vorderen, südlichen Grundstücksgrenze bei, die dafür sorgt, dass sie schon von Weitem zu sehen ist. Auf dieser Seite liegt auch die Erschließung. Die Besucher betreten das Gelände durch eine rahmenartige Öffnung in einer der Kirche vorgelagerten Begrenzungswand aus Beton. Diese verläuft über die gesamte Grundstücksbreite und grenzt das Gebäude vom Straßenraum ab. Gleichzeitig lässt sie einen geschützten Hof entstehen, der als Kommunikationszone, aber auch aus Rückzugsort von Hektik und Alltag genutzt werden kann. Von dort gelangen die Besucher unter einem weit auskragenden, von hohen Stützen getragenen Dach durch zwei schmale Eingangstüren mit hauchdünnen Vordächern in das eingeschossige, sehr lichte Foyer. Es dient als Verteiler, von dem aus über einen seitlichen Flur der ebenfalls eingeschossige Gebäudeteil mit Sakristei, Funktions-, Neben- und Gruppenräumen erschlossen wird. Letztere sind mittels mobiler Trennwände untereinander zuschaltbar und erhalten viel Tageslicht durch raumhohe Fenster in der Ostfassade.

Vom Foyer aus geht es geradeaus in den 145 Personen fassenden, zweigeschossigen Kirchenraum. Im Erdgeschoss komplett von fensterlosen Betonwänden umhüllt, löst er sich ab einer Höhe von etwa vier Metern in eine Glasfassade auf. Feine Lamellen im Scheibenzwischenraum der Verglasung filtern das aus allen Himmelsrichtungen einfallende Licht und erzeugen eine sakrale Atmosphäre, zu der die schlichte Möblierung aus lasierter Eiche gepaart mit den weißen Oberflächen von Wänden und Boden beitragen. Den Mittelpunkt des Kirchenraumes stellt der Altar dar, an den seitlich in einer Wandnische eine zweimanualige Orgel mit sechs Registern angrenzt.

Sämtliche Wandoberflächen besitzen ein sehr helles und homogenes Erscheinungsbild. An den Außenflächen ist dafür ein Weißzement verantwortlich, an den Innenwänden ein geglätteter weißer Gipsputz der Qualitätsstufe Q3. Die ebenfalls weißen Böden bestehen aus Betonwerkstein. Wände und Böden dienen darüber hinaus als Heizflächen, die mit Erdwärme aus 120 Meter Tiefe versorgt werden. Die massive Konstruktion bietet zudem ausreichend Speichermasse für ein ausgewogenes Raumklima. Ein gutes Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen trägt zur angestrebten Wirtschaftlichkeit im Unterhalt bei.

Beton

Das Kirchengebäude ist eine massive Konstruktion aus Stahlbeton mit zweischaligem Fassadenaufbau. Dieser besteht aus 25 cm dicken, tragenden Außenwänden aus Ortbeton und einer innen liegenden Dämmung aus 12 cm Schaumglas, die verputzt und anschließend weiß gestrichen wurde. Alle Kanten sind scharfkantig ausgeführt. Die Decke über dem Kirchensaal ist als Fertigteildecke aus Spannbeton-Hohlplatten gefertigt. Der Konstruktion liegt ein strenges Raster von 140 x 140 cm zugrunde, auf das sämtliche Bauteile, Öffnungen und Fugen ausgerichtet sind. Die im Querschnitt 25 x 25 cm messenden Stützen tragen nicht nur das Vordach, sondern beinhalten auch die Versorgungsleitungen für Strom, Blitzschutz und Entwässerung.

Für den Beton der Festigkeitsklasse C 30/37 mit der Konsistenz F3 (weicher Beton) wurde Weißzement der Sorte CEM I verwendet, ein reiner Portlandzement der Festigkeitsklasse 52,5 N. Die Gesteinskörnungen setzen sich aus weißem Brechsand 0/2 (Korngröße min/max in mm), Kalksteinsplitt 2/8 und Sandsteinsplitt 8/16 sowie Titandioxid zusammen, das 3% vom Zementgewicht ausmacht. Das Pigment Titandioxid TiO₂ wird künstlich aus Titanerzen hergestellt und dient dem Aufhellen von Farben. Es ist ungiftig, wetter- und hitzebeständig, besitzt ein gutes Deckvermögen und verhindert Vergilbungen oder Gelbfärbungen selbst im Außenbereich. Titandioxid lässt sich mit allen gängigen Bindemitteln und anderen Pigmenten vermischen. Durch die Kombination von Weißzement mit weißen Sanden und Gesteinskörnungen lassen sich sehr helle Betonoberflächen erzielen. Die Verarbeitung im Werk und auf der Baustelle erfordern jedoch große Sorgfalt und sauberes Arbeiten.

Laut Ausschreibung wurde Beton der Sichtbetonklasse SB 3 gefordert, also mit besonderen Anforderungen an die geschalten Fläche. Durch die saubere Ausführung wurde seine Qualität jedoch noch übertroffen. Um diese gleichmäßige Betonqualität herzustellen, mussten die Gesteinskörnungen für das Objekt vorgehalten werden sowie Sand und Zement aus einer Liefereinheit bestehen. Rostflecken wurden durch den Einsatz verzinkter Stahl und Stahlschrauben verhindert, die Schaltafeln nach penibler Säuberung nur zweimal verwendet. Die Betonierarbeiten erfolgten am selben Tag, an dem die Schalung gestellt wurde, damit sich kein Staub oder Tau auf der Schalhaut festsetzen konnte. Als Grundraster für die Schalung wurde 1.325 mm Breite und 4.225 mm Höhe festgelegt, verwendet wurde eine glatte Schalung. Die Ausführung der Betonierabschnitte erfolgte streng nach einem vorgegebenen Schalungsplan, in dem Schalungsstöße und Ankerstellen vorgegeben waren und nicht verändert werden durften.

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: HeidelbergCement AG/Steffen Fuchs

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