Umfeldgestaltung Pfarrkirche Maria Hilf

Kirchplatz in Saarbrücken-Brebach

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FertigteilePlätzeDauerhaftigkeitArchitekturbeton

Architekt

baubar urbanlaboratorium Diez +Torres Architekten aks bda, Saarbrücken

Bauherr

Landeshauptstadt Saarbrücken vertr. d. Stadtplanungsamt
Fördergeber Ministerium für Umwelt des Saarlandes

Projektbeteiligte

baubar urbanlaboratorium, Carsten Diez + Igor Torres GbR Architekten AKS BDA, Saarbrücken (Planung und Bauleitung); Tobien & Partner Ingenieurgesellschaft mbH, Saarbrücken (Tragwerksplanung); TSG Bauunternehmung GmbH, Völklingen (Tief- und Landschaftsbau); Riehm Stahl- und Einrichtungsbau GmbH, Lebach (Stahl- und Holzbau)

Jahr

2005

Ort

Saarbrücken, Saarbrücker Straße

Konstruktionsmerkmale

Betonfertigteile aus Architekturbeton. Oberflächen gesäuert bzw. gestrahlt. Antigraffitibeschichtung

Preise

Bauherrnpreis der Architektenkammer des Saarlandes, 2006

Beschreibung

Brebach, Teil der Stadt Saarbrücken, durch Schwerindustrie geprägt, von dörflicher Vergangenheit und (vor-) städtischer Gegenwart. Eine richtige Mitte hatte Brebach nie. Der Ort entwickelte sich in enger Verbindung mit der ansässigen Stahlindustrie und diese war Mittelpunkt des Lebens. Mit ihrem Niedergang ging auch der Verlust des Lebensmittelpunktes und die Lockerung sozialer und räumlicher Bindungen einher. Hier gewinnt der öffentliche Raum mehr denn je an Bedeutung und damit seine Funktion als zentrales Element der Stadtkultur. Gerade in Bereichen mit sozialen, ökonomischen und ethnischen Disparitäten, kann der öffentliche Raum als Katalysator wirken und Konflikte entschärfen.

Hier wurde im Rahmen des Projektes „soziale Stadt“ das Umfeld der Kirche umgestaltet und ein neuer öffentlicher Platz geschaffen. Die Fläche eignet sich durch ihre Lage und die Ansammlung unterschiedlicher öffentlicher Funktionen in der Umgebung im besonderen Maße, um die Rolle des zentralen öffentlichen Raums in Brebach eine Rolle zu spielen. Im Norden die Saarbrücker Straße, die Hauptverkehrs- und Geschäftsstraße Brebachs. Hier befindet sich die Pfarrkirche Maria Hilf, 1891 vom Saarbrücker Architekten Hektor erbaut. Diese trennt den zukünftigen Platz von der stark befahrenen Straße und gibt ihm Intimität und Ruhe. An der Ostseite befindet sich das Pfarrhaus, das heute im Tiefparterre die muslimische Gemeinde Brebachs beherbergt. Im Süden liegt der Gemeindesaal mit einem Kindergarten.

Der Entwurf sieht vor, die Gesamtfläche als Einheit zu betrachten und drei, in ihrer Funktion unterschiedliche Bereiche aus ihr herauszuarbeiten:
- der Bereich unmittelbar um die Kirche;
- der Raum zwischen Kircheneingang und Pfarrhaus, der so genannte kleine Kirchplatz, der als Parkplatz genutzt wird;
- der große Kirchplatz zwischen Kirche und Kindergarten/Gemeindesaal, der, ca. 20 - 40 cm erhöht, als Quartiersplatz und Festplatz dient.

Beton

Der Platz wirkt groß, ein wenig leer. Er verspricht viel Bewegungsfreiheit. Er ist klar gefasst, zur Saarbrücker Straße durch die ihn umgebenden Baukörper ein wenig abgeriegelt. Zentrale Achsen fehlen, viele Wege führen über den Platz. Man geht eine Flanke entlang oder nach Lust und Laune über den Platz. Asphaltierte Wege führen den Rand entlang, während die erhöhte, wassergebundene Platzfläche von einem Betonband zusammengehalten wird. Ausladende Betonrampen führen auf die Platzfläche und betonen deutlich die Topografie. Die Betonoberfläche ist fein und subtil, ja samtig.

Der Platz ist sparsam möbliert und bepflanzt. Unregelmäßig auf den Platz gestellt sind überdimensionale Sitz- und Liegeflächen. Die Weite des Platzes rechtfertigt ihre Dimensionen. Den Abschluss zum Nachbargrundstück schafft ein Zaun. Der Eindruck durch die auf Abstand gesetzten Holzbalken ist einerseits massiv und sehr präsent, gleichzeitig, je nach Betrachtungswinkel aufgelöst und für Blicke durchlässig. In den Lücken wird durch unterschiedlich große Balkenstücke das Wort Brebach zusammengesetzt und der Platz so verortet. Das Grün beschränkt sich auf locker um die Sitzbänke gestreute Bäume. Sie werden ergänzt durch Lichtmaste und Abfallkübel. Dank Strom- und Wasseranschlüsse kann der Platz als Versammlungs- und Veranstaltungsort dienen.

Der Platz ist Verkehrsfläche, Ruheplatz und städtische Bühne zugleich. Mit seiner Offenheit und Weite, in seiner scheinbaren Kargheit, seinem bühnenartigen Nutzungsangebot ist es ein tauglicher Versuch, in einer von Hektik geprägten vorstädtischen Umgebung einen beruhigten und guten Ort zur Verfügung zu stellen.

Der Raum vor dem Kirchenportal wurde neu gestaltet und das Parken geordnet, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Durch den neu geschaffenen Plattenbelag aus Betonwerkstein wird der Eingangsbereich und das Kirchenumfeld eindeutig von der restlichen Fläche getrennt, um die Autos mit respektvollen Abstand vor dem Kirchengebäude zu halten. Der Eingang zum kleinen Kirchplatz ist durch eine Linde mit Sitzmöbel akzentuiert. Hier trifft man sich vor und nach dem Kirchgang oder findet während des Wartens auf den Bus eine willkommene Sitzgelegenheit.

Vier Elemente bestimmen den Charakter des Platzes:
- zwei geometrisch in den Platzsockel eingeschnittene Rampen, die architektonisch den Zugang auf die erhöhte Platzfläche markieren;
- einfache, robuste und groß dimensionierte Sitzmöbel, die ausreichend Platz für Kommunikation und Aufenthalt bieten;
- ein Zaun mit Schriftzug “Brebach”, der die Abgrenzung zum Nachbarn schafft und gleichzeitig transparent wirkt;
- Leuchtmaste im Rhythmus der Außenwandlisenen des Kirchenschiffes, die sowohl die Kirchenfassade, wie auch die Platzfläche beleuchten können.

Für den Platzsockel kommen Sichtbeton-Fertigteile mit gesäuerter Oberfläche zum Einsatz. Für die Rampen wurden ebenfalls Sichtbeton-Fertigteile, jedoch mit gestrahlter Oberfläche eingesetzt. Der Plattenbelag um die Kirche besteht aus kugelgestrahltem Beton.

Bildnachweis: Johannes Maria Schlorke, baubar urbanlaboratorium, Saarbrücken

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