Skulpturaler Betonbau nach Skizzen von Le Corbusier

Kirche Saint Pierre in Firminy-Vert/F

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GeschichteInstandsetzungSelbstverdichtender Beton

Architekt

Le Corbusier; José Oubrerie (USA)

Bauherr

Saint-Êtienne Métropole

Projektbeteiligte

Chazelle SA, Saint-Êtienne; Aurelio Fernandez (Stahlbeton); André Accetta, Nîmes (Tragwerksplanung Rumpf); BET Rabeisen, Saint-Êtienne (Tragwerksplanung Hochbau); Aline Duverger, Yves Perret, Romain Chazalon, Saint-Êtienne (Projektleitung)

Jahr

2006

Ort

Firminy-Vert, F

Beschreibung

Die von Le Corbusier Anfang der sechziger Jahre entworfene Kirche Saint-Pierre in Firminy-Vert wurde erst mehr als vierzig Jahre nach seinem Tod fertiggestellt und ist mit ihrem aufregenden Werdegang ein besonderer Fall der Architekturgeschichte. Erst 1970, fünf Jahre nach Le Corbusiers Tod, wurde der Grundstein gelegt. Nach einigem Hin und Her erfolgte 1978 ein Baustopp, zurück blieb eine zum Himmel offene Ruine. Erst im März 2003 wurde eine juristisch und finanziell tragbare Lösung gefunden, die Bauarbeiten wieder aufgenommen und das Gebäude im Jahr 2006 fertiggestellt.
Ob in der Kirche regelmäßig Gottesdienste stattfinden werden, ist ungewiss. Fest steht hingegen, dass der zweigeschossige Sockel, ursprünglich als Pfarrwohnung und als Ort für Gemeindeaktivitäten gedacht, eine Außenstelle des Musée d'art moderne von Saint-Etienne beherbergen wird.

Die Fertigstellung wurde vom Architekten José Oubrerie geleitet. Dieser war bereits in der Planungsphase als Mitarbeiter Corbusiers an dem Projekt beteiligt, setzte nach dessen Tod das Werk fort und erstellte bis zum Baubeginn mehrere Planreihen. Oubrerie blieb auch bei der Wiederaufnahme 2003 beauftragter Architekt und wurde von Aline Duverger und Yves Perret als Ausführungsarchitekten unterstützt.

Der auf quadratischem Grundriss errichtete Kegelbau scheint nicht nur mit seiner Geschichte, sondern auch mit seiner Form aus der Zeit gefallen. Aus der Ferne eine gedrungene Betonpyramide mit abgerundeten Kanten und schräg gekappter Spitze offenbart sie aus der Nähe ihre Details: Der großzügig verglaste, quadratische Unterbau, der mit seiner Leichtigkeit die Massivität des unregelmäßigen Pyramidenkörpers aufwiegt; skulpturale Fassadenelemente wie die den ganzen Bau als Gürtel umlaufende Regenrinne, sowie die vier aus dem Dach hervorstoßenden „Lichtkanonen“ - geometrische Körper, die die fensterlosen Fassaden durchbrechen.
Einige dieser Elemente offenbaren ihren Zweck erst im Innern: Sie bringen Licht in den riesigen Kirchenraum, der tagsüber ohne künstliche Beleuchtung auskommt. Der Raum reizt die Kontraste zwischen hell und dunkel, grau und bunt, klar und diffus raffiniert aus und beeindruckt durch seine Strenge: spartanische Holzbänke, unverputzte Wände, die Böden matt geschliffen, Altar und Kanzel aus weißem Beton.

Der Zugang befindet sich auf der Ostseite, von der man den Sockel mit dem Museum betritt. Hier verweist kaum noch etwas auf die ursprünglich geplanten kargen Gemeinderäume. Man findet aufgedoppelte, kerngedämmte Betonwände, vielerlei Leuchtkörper, verschieden gestaltete Geländerprofile und in leuchtenden Farben gestrichene Akustikdecken.

Museumssockel und Kirchenkuppel sind heute diametral verschiedene Gebäudeteile. Dass sie konzeptuell nicht ganz auseinanderfallen, ist auf ein von José Oubrerie für den Sockel entwickeltes Erschließungskonzept zurückzuführen: Die Besucher laufen in einer Art Spirale längs der Fassade um die kästchenförmigen Museumsräume. So entsteht eine lebendige Wegeführung, auf der man sich spiralförmig bis hoch zur Kuppel bewegt. Nach mehreren Kehrtwendungen erreicht man über die von Sichtbetonwänden flankierte Treppe ein Zwischenpodest und steht dann in der nur schwach beleuchteten Kuppel des Kirchenraums. „Cette belle petite Eglise“ – „eine schöne kleine Kirche“ hat Le Corbusier Saint-Pierre genannt und dabei nicht ausgesprochen, dass er mit einfachen Mitteln die größte Wucht erzielen wollte.

Beton

Der Betonstumpf der Bauruine war überraschend gut erhalten und voll tragfähig, so dass der mächtige Betonhut aus selbstverdichtendem Beton unmittelbar darauf aufgesetzt werden konnte. Wegen der geneigten Flächen waren die gängigen Methoden der Betonverdichtung unmöglich. Umlaufend mussten sechzig Zentimeter Beton vom bestehenden Dachansatz abgemeißelt werden um die Anschlusswehrung freizulegen, der übrige Rohbau wurde lediglich saniert und an heutige bauphysikalische und haustechnische Standards angepasst. Beispielsweise wurden die Außenwände des Sockels durch innenseitige Aufdoppelung nachträglich kerngedämmt.

Bildnachweis: Richard Weil, F

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