Sichtbeton und Farbcodierung

Gymnasium in Ergolding

Architekt

Behnisch Architekten, München
Architekturbüro Leinhäupl + Neuber, Landshut

Bauherr

Landratsamt Landshut

Projektbeteiligte

Wyly Brown, Jonathan Fahy, Andreas Leupold, Roxanne Reusse, Thomas Weitzel (Mitarbeiter Behnisch Architekten); Wilhelm Brugger, Stefania Di Pisa, Klaus Köstler, Stefan Müller, Paul Rapp (Mitarbeiter Architekturbüro Leinhäupl + Neuber GmbH);
Arbeitsgemeinschaft BBI Bauer Beratende Ingenieure, Landshut
ISP Scholz Beratende Ingenieure, München (Tragwerksplaner); lab landschaftsarchitektur brenner, Landshut (Freiraumplanung); Ingenieurgesellschaft Frey-Donabauer-Wich mbH, Gaimersheim (HLS); SBI Schicho Beratende Ingenieure, Regensburg (Elektroplanung); Brandschutzconsulting, München (Brandschutz); PMI GmbH - Bauphysik, München (Bauphysik); TRANSSOLAREnergietechnik GmbH, München (Energiekonzept); Bau- und Projektmanagement Hartl GmbH, Eggenfelden (Projektsteuerung); PBB Planungsbüro Bauer, Rednitzhembach (Küchenplanung); OCKERTUNDPARTNER, Stuttgart (Gebäudeleitsystem und Farbkonzept); Fa. Cemex, Landshut (Betonhersteller); Fa. Siegl GmbH, Ergolding (Fertigteilwerk); Fa. Doka (Decken- und Großformat Wand Schalung); Fa. Frank Rundstützenschalung)

Jahr

2013

Ort

84030 Ergolding, Am Sportpark 8

Konstruktionsmerkmale

Massivbau

Besonderheiten

Kühlung und Heizung durch Betonkernaktivierung; Betonoberflächen gebürstet, geschliffen und lasiert

Beschreibung

Sie hatten einen fertigen Entwurf, dafür aber kein Grundstück mehr. Vor diesem Problem standen Behnisch Architekten, nachdem sie 2011 das VOF-Verfahren für dieses vierzügige Gymnasium gewonnen hatten. Denn in unmittelbarer Nähe des vorgegebenen, 30.000 Quadratmeter großen Grundstücks befindet sich eine 110 KV-Hochspannungsleitung. Kein guter Ort also, um eine Schule zu bauen. So entschied sich der Kreistag im März desselben Jahres für eine Fläche von 19.000 Quadratmetern zwischen dem Sonderpädagogischen Förderzentrum (SFZ) und der B15. Dadurch konnten und mussten die Architekten neu planen. Das neue Grundstück ist nur noch zwei Drittel so groß wie das ursprüngliche, der Lärm der Bundesstraße durfte den Unterricht nicht stören, die Belange der Tiere des angrenzenden Naturschutzgebiets galt es zu berücksichtigen.
So entstand ein vierstöckiges, im Grundriss abgewinkeltes Gebäude mit Fluren zur Straßenseite und nach Norden ausgerichteten Unterrichtsräumen. Den Mittelpunkt bildet eine große Eingangshalle, die gleichzeitig überdachter Pausenraum und Ort für Schulveranstaltungen wie Konzerte und Theateraufführungen ist. Der große, hohe Raum beeindruckt und gleichzeitig kann der Blick in alle Etagen schweifen. Diese sind durch ein Farbsystem kodiert, so dass die Schüler und Lehrerinnen immer wissen, wo sie sich gerade befinden. Das gelbe Erdgeschoss beherbergt mit Mensa, Ganztagsbetreuung, Verwaltung, Rückzugsbereichen und vielem mehr die halböffentlichen Räume. In den beiden darüberliegenden, orangefarbenen und grünen Geschossen reihen sich die Klassenräume aneinander. Den Abschluss bilden im dritten, hellblau gestalteten Obergeschoss die Fachräume für Chemie, Physik und Biologie. Aus Gründen der Sicherheit ist hier manches nicht mehr so offen, wie man es von den anderen Etagen gewohnt ist.

Beton

Einen wichtigen Beitrag zu dieser gelungenen Schule leistet die Materialwahl. Auf der Fassade finden sich zwei verschiedene Putzsorten, der eine mit einem Millimeter Körnung, der andere mit vier Millimetern und hochreflektierend. Die Architekten zonierten damit die langgestreckte Fassaden und erzeugten eine schön anzuschauende Tiefenwirkung.
Im Innern harmonieren die vier verschiedenen Farben auf den Böden und an den Wänden bestens mit den großen Sichtbetonflächen. Denn das Hellgrau des Betons lässt sie so richtig leuchten. Damit die Kosten für den Schulneubau im Rahmen blieben, haben die Architekten alle Betonoberflächen lediglich als SB2 ausgeschrieben. Das Ergebnis überrascht allerdings und zwar im positiven Sinne, denn die Oberflächen sind für eine Schule nicht zu steril, aber auch nicht zu aufgeregt geworden. Zu diesem ansprechenden Bild trug auch die Entscheidung der Planer bei, möglichst alle horizontalen Schalungsübergänge in den nicht sichtbaren Bereich der Deckenanschlüsse zu legen und die Betonoberflächen bürsten, schleifen und lasieren zu lassen. Und im Bereich der Aula zeigten alle Deckenschaltafeln trotz des abgewinkelten Grundrisses in eine Richtung. Das war bei den kleinen Modellen, die verwendet wurden, auch nötig, damit die Optik möglichst ruhig bleibt.

Insgesamt kamen bei dem Bau 11.500m3 Beton zum Einsatz. Vieles davon ist im Innern als Sichtbeton (SB2, außergewöhnlich gut) ausgeführt, um die Kühlung und Heizung des Gebäudes durch die Bauteilaktivierung der Stahlbetondecken optimal umsetzen zu können. Insgesamt wurde besonderer Wert auf ein ruhiges und bei der Schalung der Wandflächen auf ein vertikal orientiertes Schalungsbild gelegt und möglichst alle horizontalen Schalungsübergänge im nicht-sichtbaren Bereich der Deckenanschlüsse positioniert. Die sichtbaren Betonflächen wurden gebürstet und geschliffen. Neben den farbig gestalteten Wandflächen, die als Leitsystem zur Orientierung durch das Gebäude dienen, sind die Sichtbetonflächen mit einer Lasur überzogen, um den Innenraum hell und freundlich wirken zu lassen. Dennoch bleibt der Beton mit seiner besonderen Ästhetik als solcher deutlich erkennbar.

Der viele Beton, der für die Schule verarbeitet wurde, hat noch einen zweiten Nutzen: Die Decken wurden energetisch aktiviert. In Kombination mit einer Wärmepumpe und einem Gaskessel kann die Schule nun wirtschaftlich und primärenergetisch effizient beheizt und gekühlt werden. Die Energie für die Wärmepumpe wird über ein Erdsondenfeld im Bereich des Pausenhofes gewonnen und deckt 85 Prozent der Heizlast des gesamten Gebäudes ab. Hinzu kommen ein Tageslicht- Lenksystem, aufgrund dessen in den acht Meter tiefen und nach Norden ausgerichteten Klassenräumen meist auf Kunstlicht verzichtet werden kann, und eine Komplettausstattung der Schule mit LED-Leuchten. So unterschreitet das neue Ergoldinger Gymnasium die EnEV 2009 um 37 Prozent. Die damit verbundenen geringen Betriebskosten dürften – zusätzlich zu den gut nutzbaren und ansprechenden Räumen – Bauherr und Nutzer noch lange Freude bereiten.

Zusammensetzung des verwendeten Betons:
Wasser, Zement, Zuschlagsstoffe
von C8/10 für die Sauberkeitsschicht,
C35/45 XC2 WU für die Bodenplatte
C35/45, XC2, WU für die Kelleraußenwände
C35/45, XC1 für Stützen, Innenwände und Kellerinnenwände
C35/45, XC4, XF1 für Außenwände, Innenwände und Unterzüge
C45/55, XC1 für Innenwände und Decken
C25/30 XC2, XF1 für Einzel- und Streifenfundamente
C30/37, XC2, WU für Streifenfundamente im Grundwasser
C30/37, XC2, XF1 für Frostschürzen

Quelle

Beton Marketing Süd GmbH, Text: Simone Hübener

Bildnachweis: David Matthiessen, Stuttgart; Piktogramme und Pläne: Architekten

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