Anthrazitfarbene Ortbetonfassade

Erweiterung Sprengel Museum in Hannover

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SichtbetonOrtbetonKonstruktionFestigkeitFarbe

Architekt

Meili, Peter Architekten, Zürich

Bauherr

Landeshauptstadt Hannover

Projektbeteiligte

BAL Bauplanungs- und Steuerungs GmbH, Berlin (Bauleitung); Drewes + Speth, Hannover und Werner Sobek, Stuttgart (Tragwerksplanung); Müller-BBM, Berlin (Bauphysik); Licht Kunst Licht, Bonn (Lichtplanung); AMP Fassadentechnik, Neuss (Fassadenplanung Glas); Rathenow BPS, Dresden (Elektro- und Sicherheitstechnik); Inros Lackner, Rostock (Haustechnik); Müller Illien Landschaftsarchitekten, Zürich (Landschaftsarchitektur); Ingenieurbüro für das Bauwesen Rolf-D. Schulz, Brunnthal (Betontechnologe)

Jahr

2015

Ort

Kurt-Schwitters-Platz, Kurt-Schwitters-Platz

Preise

Architekturpreis Beton 2017

Beschreibung

Wie behauener dunkler Stein wirkt die Sichtbetonfassade der Erweiterung des Sprengelmuseums in Hannover. Es grenzt südlich an das Bestandsgebäude, das in zwei Bauabschnitten 1979 und 1989 am nordöstlichen Ufer des Maschsees entstand. Den internationalen Architektenwettbewerb für den Neubau hatten Meili, Peter Architekten 2010 mit einem Entwurf gewonnen, der eine verspiegelte Fassade vorsah. Sie sollte die – bei zeitgenössischen Museumsbauten meist erwünschte – Fensterlosigkeit des Gebäudes überspielen und es quasi aufzulösen. Die Weiterentwicklung des Konzepts hat diese Idee beinahe ins Gegenteil verkehrt: Statt optisch zu verschwinden, behauptet sich der Erweiterungsbau als eigenständiger Baustein selbstbewusst neben dem bestehenden Museum.

Von einem verglasten, deutlich zurückspringenden Sockelgeschoss getragen, belebt ein stark ausgeprägtes, klar geometrische Relief die anthrazitfarbene und weitgehend fensterlose Sichtbetonfassade. Sie umschließt das stark überhöhte Obergeschoss des quaderförmigen Baukörpers, wo sich die Ausstellungsräume befinden. Das Erdgeschoss wird von der Verwaltung genutzt und im Untergeschoss sind Funktionsräume wie Werkstätten, Depots und klimatisierte Lagerflächen untergebracht. Insgesamt gewinnt das Sprengel Museum rund 5.250 Quadratmeter hinzu, davon sind rund 1.400 Quadratmeter Ausstellungsfläche, die sich auf zehn Räume verteilen. Dazu kommen drei schmale, verglaste Loggien, die als Nahtstellen zwischen innen und außen – zwischen dunkler Sichtbetonfassade und weiß gestalteten Ausstellungsräumen – vermitteln

Bestand und Erweiterungsbau verbindet ein neues Foyer, das direkt an den Altbau anschließt. Der Eingang befindet sich im Obergeschoss und wird über eine Außentreppe erschlossen. Von dort führt eine großzügige Rampen- und Treppenspirale zu sämtlichen Ausstellungsebenen im Alt- und Neubau. Die Besucherführung folgt einer klassischen Enfilade, deren Rhythmus zum einen durch die unterschiedlichen Raumgrößen und -höhen, zum anderen durch die leichte Drehung der Räume zueinander bestimmt wird. Sie würden dadurch „im Raster leise tanzen“, wie es die Architekten beschreiben. Oberlichter versorgen alle Räume mit Tageslicht; darunter angebrachte Lichtdecken blenden das Sonnenlicht gezielt aus. Zusammen mit der künstlichen Beleuchtung stellen sie ein überall gleichmäßiges Lichtniveau her. Eine Klimaanlage hält Temperatur und Luftfeuchte konstant.

Beton

Die Außenwände des Erweiterungsbaus sind als zweischalige, kerngedämmte Konstruktionen ausgeführt. Gegenüber einschaligen Wänden hatten sie den Vorteil, dass Innenausbau und Relieffassade parallel zueinander erstellt werden konnten. Für die Innenschale verwendete man einen Beton der Festigkeitsklasse C30/37 ohne Anforderungen an die Sichtbetonoberflächen.

Damit sich Temperaturdifferenzen der Außen- und der Innenschale ohne Zwang auswirken können, wurde die Außenschale auf Elastomergleitlagern verschieblich gelagert und die Stirnseiten als einschalige Konstruktion ausgebildet. So benötigte die Außenschale nur eine Dilatationsfuge an den Längsseiten, in denen die Längskräfte „befreit“ werden, alle übrigen inneren Kräfte jedoch übertragen werden können. Die Eigenlast wird jeweils punktuell an den Trennwänden der Ausstellungsräume in die Primärkonstruktion abgeleitet. Das gesamte Ausstellungsgeschoss bildet so ein räumliches faltwerkartiges statisches System, das die Lasten über die drei Kerne und Stützen abträgt. Die Wahl dieses Systems erlaubte die Umsetzung des freien Raumgefüges mit seinen zum Teil großen Deckenspannweiten und hohen Nutzlasten mit vertretbaren Bauteilabmessungen effizient zu konstruieren.

Den Beton für die Fassade „behandelte man als Werkstein, der durch gestalterische Eingriffe und handwerkliche Bearbeitung veredelt wurde“ erläutern die Architekten. Die anthrazitfarbene Hülle wurde in 63 Betonierabschnitten von bis zu 18 Metern Länge und 3,50 Metern Höhe in Ortbeton mit einer Schalung aus Holz hergestellt. Das Relief entstand durch Vor- und Rücksprünge in der Außenschale; die Wanddicken betragen 25, 36 und 47 Zentimeter. In den Bereichen mit der größten Wandstärke wurden die Flächen geschliffen und poliert, sonst wurde der Sichtbeton roh belassen beziehungsweise lediglich hydrophobiert. -chi

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Herling / Gwose / Werner – Sprengel Museum

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