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Sanfte Intervention

Erweiterung der Giacometti-Schule in Chur/CH

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BetondeckenFarbeOberflächeSchalungZementestrich

Architektur

Adrian Christen, Chur & Balzers, Chur/CH

Projektbeteiligte

Keimfarben GmbH & CO.KG, Diedorf (Betonlasur); Lampert Mathis-mlb Bauleitung, Planung, Beratung, Chur/CH (Bauleitung); Hochbauamt der Stadt Chur, Chur/CH (Oberbauleitung)

Jahr

2006

Ort

Chur/CH, Tittwiesenstraße

Konstruktionsmerkmale

Massivbau

Besonderheiten

ziegelroter matt lasierter Sichtbetonbau, absichtlich unregelmäßige Holzschalstruktur, abgerundete Ecken

Beschreibung

Die Erweiterung einer Schule am Stadtrand von Chur überzeugt durch ihren Verzicht auf architektonische Dissonanzen und vordergründige Profilierung zugunsten einer respektvollen Haltung gegenüber dem Bestand. Der ziegelrot lasierte Sichtbetonbau interpretiert in neuer und gekonnter Weise die Merkmale der bestehenden Architektur.

Fast 30 Jahre lang war die Sekundarschule Giacometti, die in den 70er Jahren von Carl Franz Spinas geplant wurde, ohne größere bauliche Veränderungen genutzt worden. Im Herbst 2004 beschlossen die Stadt Chur und ihre Stimmbürger im Zuge einer Oberstufenreform die Erweiterung der Schulgebäude mit Klassenzimmern, Werkräumen und einer Schulküche. Es wurde ein offener Architektenwettbewerb ausgelobt, den die Schweizer Architekten Claudia Drilling und Adrian Christen für sich entschieden.
Ausgangspunkt war eine einheitliche Schulanlage: Zwei unterschiedlich hohe Gebäudewinkel umschließen einen rechteckigen Pausenhof von drei Seiten, nach Süden hin ist die Anlage offen. In dem einen Bau sind Unterrichtsräume, in dem anderen Trakt Turnhalle und Aula untergebracht.
Mit ihrem Siegerentwurf gelang den Architekten eine Ergänzung des Bestands, der diesen weder beschädigt noch in Frage stellt, und die zudem ohne größere Störungen des Schulalltags zu realisieren war.

Diesem Konzept entsprechend erweitert der dreigeschossige Erweiterungsbau die gestufte Kubatur der Gesamtanlage um ein zusätzliches Element. Es wirkt architektonisch als Gelenk zwischen den bestehenden Gebäudeteilen und verbindet wie ein Scharnier Schul- und Turnhallentrakt durch einen Gang im Untergeschoss. Zudem konnten die eingewachsenen Grünräume der Außenanlage im Osten, Süden und Westen und die weite Öffnung des zentralen Pausenhofes nach Süden hin erhalten bleiben. Die Abstufung des Neubaus um ein halbes Geschoss folgt der Topografie und schafft einen Zugang zum östlichen Gebäudetrakt vom Pausenhof her, was die betrieblichen Abläufe innerhalb des Gebäudes erheblich vereinfacht und die Wegeführung optimiert.
Das Projekt besticht durch die respektvolle Transformation des vertrauten, aber etwas verstaubten 70er Jahre Charmes in die heutige Zeit. Ohne sich anzubiedern oder zu kopieren bezieht sich der Neubau in seinen Proportionen, Formen und der Farbigkeit auf die bestehenden Gebäude. Der Entwurf basiert auf Berührungspunkten, um auf dieser Basis eigenständig, intelligent und zeitgemäß weiter zu bauen. Merkmale des Altbaus, wie die im 45° Winkel abgeschrägten Kanten und die grob verputzte Fassade werden aufgegriffen und neu interpretiert. Die versetzten Brüstungen, tiefen Laibungen und die unregelmäßige Oberflächenstruktur schaffen Plastizität und erden die fließende, fast aerodynamische Gebäudeform.

Beton

Um einen Bezug zur groben Putzstruktur des Bestands zu schaffen, entwickelten die Architekten für den Neubau eine Oberfläche, die ähnlich handwerklich wie der Altbau wirken sollte, technisch jedoch den heutigen Standards entsprechen und von den Kosten her vertretbar sein musste. „Wir entschieden uns für eine geschalte Betonoberfläche, wie sie für die 70er Jahre typisch war“, beschreibt Adrian Christen die Idee. „Dafür ließen wir in große Schalbretter mit der CNC-Maschine eine absichtlich unregelmäßige Holzschalstruktur einfräsen. „Bretter“ und „Stöße“ sind dabei so gesetzt, dass sie dem Fassadenraster entsprechend abschließen.“ Jedes Geschoss wurde mit den verbundenen Schalungstafeln am Stück gegossen, auch für die abgerundeten Ecken wurden keine Fertigteile eingesetzt, sondern eigens dafür angefertigte Schalungen.
Die rohe Betonfassade wurde im gleichen ziegelroten Farbton lasiert, mit dem auch der Zementputz des bestehenden Schulbaus beschichtet worden war. Die Architekten entschieden sich gegen durchgefärbten Beton und für eine mineralisch matte Lasur mit einer Einkomponentenfarbe auf Silikatbasis (Keim Concretal Beton Lasur). Durch das exakte Nachmischen der Lasur gemäß dem Farbton des Bestands konnten Farbabweichungen vermieden werden. Zudem schützt die Lasur die Betonoberfläche gegen Witterungseinflüsse und damit auch gegen das Eindringen von aggressiven Schadstoffen. Die Farbe ist homogen, gleicht kleinere Unregelmäßigkeiten der Betonoberfläche aus und erhält dennoch den charakteristischen Sichtbetoncharakter.
Die Gesamtanlage hat durch die Erweiterung kein neues Gesicht bekommen. Von außen wirken die Gebäudeteile auf den ersten Blick wie aus einem Guss, ihr Innenleben hingegen bildet eine klar definierte, spannende Polarität. Im Gegensatz zu den eher beengt und düster wirkenden Innenräumen des Altbaus ist der Erweiterungsbau räumlich großzügig und lichtdurchflutet. In den vier Geschossen sind jeweils drei zweiseitig belichtete Klassenzimmer untergebracht, die über große Vorräume erschlossen werden. Durch alle Ebenen zieht sich ein einheitliches Farbkonzept: Zwischen den Böden aus beige eingefärbtem und geöltem Fließestrich und den Decken aus naturbelassenen, doppelformatigen Faserzementplatten verlaufen weiß beschichtete Wände und Türen als durchgehendes Band.
Unaufgeregt, selbstverständlich und dennoch zeitbewusst fügt der sich der Erweiterungsbau in das bestehende Gefüge ein. Mit sparsamen architektonischen Gesten optimiert der Eingriff den Schulbetrieb – nicht nur durch das zusätzliche Raumangebot, auch durch neue Erschließungs- und Verbindungswege und eine insgesamt freundlichere und lichtere Atmosphäre.

Quelle

Bilder und Textmaterial mit freundlicher Genehmigung von opuc C | 4.2008

Bildnachweis: Ralph Feiner, Malans / Keimfarben

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Betondecken Farbe Oberfläche Schalung Zementestrich

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