Sichtbetonfassade und pyramidenförmige Betonkuppeln mit Lochornament

Bundesstrafgericht in Bellinzona

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HochleistungsbetonSichtbeton

Architekt

Bearth & Deplazes Architekten, Chur/Zürich (Valentin Bearth, Andrea Deplazes, Daniel Ladner) und Durisch + Nolli Architetti, Lugano (Pia Durisch, Aldo Nolli)

Bauherr

Eidgenössisches Finanzdepartement EFD, Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, Republik und Kanton Tessin

Projektbeteiligte

Jürg Buchli, Haldenstein, Ingenieurgemeinschaft Edy Toscano AG, Rivera, Conzett Bronzini Gartmann AG, Chur (Bauingenieure); Dorothea Baumann, Zürich, Lanfranchi Ingénierie Informatique et Acoustique, Assens (Saalakustik); Gramazio & Kohler GmbH, Zürich (Spezialisten zur Planung der vorgefertigten Kuppelelemente aus Beton); Erisel SA, Bellinzona (Elektroplanung, Msrl, Security, Brandschutz, Beleuchtung); Amstein + Walthert AG, Zürich (Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär, Bauphysik, Beleuchtung); Rolando Spadea e Marco Bondini Sagl, Lugano (Bauleitung, Kostenplanung); Casada SA, Malvaglia (Baumeister)

Jahr

2013

Ort

Viale Stefano Franscini 7, 6500 Bellinzona, Schweiz, Viale Stefano Franscini

Beschreibung

Durch den Portikus der ehemaligen kantonalen Handelsschule am Viale Stefano Franscini in Bellinzona betreten heute keine Berufsschüler mehr das Gebäude, sondern die Juristen des eidgenössischen Bundesstrafgerichts. Von dem spätklassizistische Bau, 1895 von dem Architekten Emilio Donato entworfen, ist nach der Entscheidung von Bund und Kanton, hier ein Gerichtsgebäude zu realisieren, immerhin der prächtige Kopfbau verblieben und sorgfältig restauriert worden. Das umfangreiche Raumprogramm ist in einem blockgroßen U-förmigen Neubau nahtlos angefügt worden. Gemeinsam versammeln die vier Flügel in ihrer Mitte die von oben belichteten Gerichtssäle. Der Entwurf für das durch einen Wettbewerb entschiedene Projekt stammt von gleich zwei Schweizer Architekturbüros: Die Luganer Architekten Pia Durisch und Aldo Nolli kooperierten mit ihren Churer Kollegen Valentin Bearth, Andrea Deplazes und Daniel Ladner.

In Gebäudehöhe, Farbigkeit und Fensterformaten orientierten sich die Architekten am Altbau, machen aber keinen Hehl aus der Andersartigkeit der drei neuen Flügel. Anstelle von zwei sehr hohen Geschossen sind darin drei normale Bürogeschosse untergebracht. Statt Putz wählten die Architekten hellen Sichtbeton für die Fassade. Auf den ersten Blick beschränkt sich ihre plastische Gliederung auf die durchgängig unten leicht ausgestellten Wandfelder zwischen den Fenstern und den dadurch erzeugten Schattenwurf auf der Linie der Fensterunterkanten. Wer genau hinsieht, erkennt die gewellte Oberflächenstruktur in jeder einzelnen Fensterlaibung, die eindrücklich die handwerkliche Perfektion bei der Ausführung des Sichtbetons dokumentiert.

Der Zugang ins Gerichtsgebäude erfolgt durch den Altbau, wo hinter dem Eingang ein breiter überwölbter Quergang zu den Gerichtssälen überleitet. Im Obergeschoss besetzt eine Cafeteria den im Kopfbau mittigen Raum, der einst als Aula diente und den ein umlaufendes Wandgemälde aus den 1950er Jahren schmückt. Sie wird flankiert von zwei Sitzungssälen. Die wichtigsten Säle jedoch, die, in denen die Gerichtsverhandlungen geführt werden, befinden sich hinter dem Kopfbau im neu eingefassten Innenhof. Ein kleiner Gerichtssaal und der Presseraum nehmen das Besucherfoyer zwischen sich, in dessen Flucht sich der große Gerichtssaal hinter einer breiten Falttür öffnet. Foyer und großer Saal lassen sich für die zumeist öffentlich abgehaltenen Gerichtsverhandlungen zusammenschalten. Seitlich der zentralen Saalgruppe liegen zwei schmale Lichthöfe, die mit ihren langen einläufigen Treppen Orientierung im dichten Raumgefüge schaffen. Gleichzeitig belichten sie die Erschließungsflure der neuen Büroflügel, die sich hierhin loggienartig öffnen.

Beton

Der gesamte Neubau ist als innen und außen glatt geschalter, edler Rohbau aus weißem Ortbeton errichtet. Die nüchterne Sachlichkeit der sorgfältig hergestellten Sichtbetonoberflächen (beziehungsweise des fein geschliffenen, weiß durchsetzten Terrazzos auf den Böden) kontrastiert mit der organischen Plastizität der spektakulären Decken- und Oberlichtkonstruktionen des Besucherfoyers und des großen Gerichtssaales. Über den quadratischen Grundrissen der beiden Räume erheben sich pyramidenförmig maßwerkartig durchbrochene Kuppelschalen aus Hochleistungsbeton, die den Sälen eine geradezu sakrale Wirkung verleihen.

Die von der ARGE Bearth & Deplazes und Durisch + Nolli in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Büro Gramazio & Kohler entworfene Schalenkonstruktion besteht aus oben gekappten Pyramidenstümpfen, deren trapezförmige Seitenflächen aus vorgefertigten dreieckigen Betonpaneelen zusammengesetzt sind. Sie dienen mit ihren runden, in der Tiefe konisch geformten Aussparungen sowohl der Streuung des von oben einfallenden Lichts, als auch der Raumakustik. Für die Herstellung dieser Elemente wurden zunächst mehrteilige Positive aus Uriol, einem harten Kunststoff computergesteuert ausgefräst, zusammengefügt und verspachtelt. Anschließend wurden gummiartige Negativabzüge aus PVC-verstärktem Polyurethan angefertigt, die als Schalungsmatrizen dienten. Komplizierte Bewehrungen aus Elementrahmen und Randbügeln ermöglichten dann ein relativ herkömmliches Betonieren.

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Fotograf: Tonatiuh Ambrosetti, Lausanne © Bundesamt für Bauten und Logistik BBL

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