Vulkanstein trifft Beton

Arquipélago – Zentrum für zeitgenössische Kunst in Ribeira Grande

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FarbeOberfläche

Architekt

Menos é Mais, Porto und João Mendes Ribeiro Arquitectos, Coimbra

Bauherr

Regional Directorate of Culture (DRaC) der autonomen Regionalregierung der Azoren, Angra do Heroísmo, Terceira

Projektbeteiligte

Sopsec, Gaia (Tragwerksplanung, Akustik, TGA), Raul Serafim & Associados, Porto (Elektro und Brandschutz); Ana Barroco und Rui Figueiredo (Landschaftsarchitekten)

Jahr

2014

Ort

9600-516 Ribeira Grande, São Miguel, Azoren, Portugal, Rua Adolfo Coutinho de Medeiros

Beschreibung

Vielen Orten hat der industrielle Strukturwandel Kultureinrichtungen beschert, die in nicht mehr genutzten Fabriken untergekommen sind. Davon profitiert auch die kleine Gemeinde Ribera Grande auf São Miguel, der Hauptinsel des zu Portugal gehörenden Azoren-Archipels im Atlantik. Hier haben die Architekten Menos é Mais aus Porto und João Mendes Ribeiro aus Coimbra eine ehemalige Tabak- und Spirituosenfabrik in ein Kunst- und Kulturzentrum umgewandelt, nachdem sie den 2007 ausgelobten Wettbewerb gewonnen hatten.

Statt die teils ruinösen, graffitibesprühten Bestandsbauten abzureißen, integrierten die Architekten sie in ihr Gesamtkonzept. Die alten Gemäuer aus Vulkangestein blieben erhalten und wurden umfassend saniert. Ergänzend kamen zwei sehr komplexe Betonbaukörper hinzu, die denen der eine eingeschossig ausgebildet ist, der andere zweigeschossig. Auf über 9.000 Quadratmetern bietet das Arquipélago – Zentrum für zeitgenössische Kunst nun Ausstellungsflächen und einen Mehrzwecksaal, eine Bibliothek, Werkstätten und Ateliers, außerdem Büros, eine Cafeteria und einen Shop sowie Lagerflächen. Der zweigeschossige Neubau im Westen ist unterkellert und nimmt das Auditorium sowie die Werkstätten auf, der ihm östlich gegenüberliegende den Eingang samt Foyer, die Büros und Technikräume. Im größten Altbau befinden sich die bis zu 4,50 Meter hohen Ausstellungssäle, in den kleineren Industriebauten mit ihren prägnanten Satteldächern insgesamt 24 Arbeitsräume.

Die neuen Betonbauten sind so platziert, dass sich mit dem Gebäudebestand zwei verbundene Innenhöfe ergeben, wo sich laut Architekten „die Grenzen zwischen öffentlich und privat, Kunst und Leben verwischen – wo sich Kunst nahbar und selbstverständlich anfühlt.“ Während der zweigeschossige Bestands-Ausstellungsbau außen und innen in Weiß gehalten und mit hellen Holzböden und -treppen ausgestattet ist, zeigen sich die Neubauten komplett in Schwarz. Ihre überwiegend geschlossen ausgebildeten Fassaden bestehen aus dunkel eingefärbtem Sichtbeton, ihe Höhe und die geneigte Dachform sind dem Bestand angepasst; Tageslicht fällt lediglich durch ebenerdige Glasbänder herein. Der Eingang befindet sich in dem der Straße zugewandten Neubau: Er ist als schmaler Schlitz in die schräge Wand des hier zurückspringenden Erdgeschosses eingeschnitten.

Beton

Die Neubauten wurden aus Ortbeton mit horizontal angeordneten Schaltafeln hergestellt, deren Abmessungen und Ankerlöcher an den Fassaden ablesbar sind. Für den annähernd schwarzen Farbton sind Gesteinskörnungen aus ortstypischem Basalt und Eisenoxidpigmente verantwortlich. Die Pigmente wurden dem Sichtbeton im Werk als Flüssigfarbe zugegeben und im Mischfahrzeug auf die Baustelle transportiert. Der farbintensivierende Basaltanteil sorgt außerdem für einen besonders druckfesten, verschleiß- und witterungsbeständigen Beton.

Nach dem Betonieren wurde die oberste Schicht des Zementleims an den sichtbaren Außenflächen ausgewaschen, um eine strukturierte, ungleichmäßige Oberfläche zu erzielen, die den industriellen, monolithischen Charakter der Gebäude hervorhebt. Auch Farbänderungen, die sich unter Bewitterung ergeben werden, sind durchaus erwünscht. Mit der Zeit soll sich der Beton optisch dem Vulkangestein der Bestandsbauten annähern. Als Kontrast zu den vielen dunklen Flächen setzten die Architekten ein paar goldene Farbakzente, die u.a. in Form eines Geländers oder einer tiefen Fensterlaibung für Auflockerung sorgen.

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: José Campos, Porto

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