Vereinbarkeit des Gegensätzlichen

Wohn- und Bürohaus aus Wärmedämmbeton in Nenzing

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LeichtbetonSichtbetonWärmespeicher

Architekt

DI eth ZT Daniela Tomaselli, Nenzing

Bauherr

privat

Projektbeteiligte

Christian Gantner, Bludenz (Tragwerksplanung); Tomaselli Gabriel BauGmbH, Nenzing (Bauunternehmen / Betonbau); Transbeton GmbH, Nüziders (Liapor Leichtbeton); Summer Installationen GmbH, Frastanz (Heizung, Lüftung, Sanitär); Elektro Pfaff, Bludesch (Elektroarbeiten)

Jahr

2014

Ort

Nenzing, Vorarlberg

Beschreibung

Warm und kühl, zurückgenommen und ausladend, Arbeitsplatz und Lebensmittelpunkt, traditionell und innovativ, Reduktion und Vielschichtigkeit. Widersprüche auf den ersten Blick, die sich in einem Wohn- und Bürohaus in Nenzing vereinen.

Der Wunsch bestand primär darin, einen Baustoff einzusetzen, der die gestellten architektonischen Anforderungen erfüllt und eine moderne und plastische Architektur ermöglicht: Ein Haus, gegossen aus einer einzigen Schicht Beton, frei formbar, massiv und homogen.

Konzepttechnisch basieren der Entwurf und die Planung auf Reduktion - im Detail und auch in der Wahl der Materialien Beton und Holz. Als ausgleichender Effekt steht dazu die Vielschichtigkeit in der Raumvielfalt. Die Herausforderung, Beton innen und außen auf Sicht als durchgängig verwendetes Baumaterial zu verwenden, erforderte bei den Baumeisterarbeiten höchste Präzisionsarbeit bei Schalungs- und Einlegearbeiten. Daraus resultierte vor den Bauarbeiten eine ausgiebige zweijährige Planungsphase.

Die Formensprache des Gebäudes ist zurückhaltend, mit einer introvertierten Ausstrahlung zur Straßenseite hin. Der Bau setzt sich aus einem großzügig dimensionierten, dreigeschossigen Volumen sowie einem zweigeschossigen Körper zusammen. Das Wohnhaus erstreckt sich von Ost nach West, wobei es ein halbes Geschoss über dem Grund nach Norden hin auskragt und ein schwebend wirkender Langkörper entsteht. Der andockende Trakt ist nach Süden ausgerichtet. Die so entstehende L-Form erinnert an traditionelle Hof-Formen, die sich im Winkel zu einer ausladenden Terrasse und Gartenlandschaft öffnet. Durch diese Formgebung sowie durch ein klassisches Steil- bzw. Satteldach bettet sich das Bauwerk unaufgeregt in die dörfliche Struktur ein.

Das wärmetechnische Konzept des Objekts basiert auf erneuerbaren Energien, die über ein Nahwärmenetz (thermisches Microgrid mit saisonalem Speicher) eingespeist werden. Zudem bietet Beton klimatische Vorteile, da die Speichermasse im Sommer kühlend bzw. im Winter Wärme abgebend wirkt.

Raumgestaltungstechnisch hebt die monolithische Bauweise und die reduzierte Verwendung von Materialien die Architektur des Raumes hervor. Großzügig gewählte Fenster, eine stimmige Beleuchtung sowie unterschiedliche Raumqualitäten in Höhe und Größe verleihen dem Gebäudekomplex ein warmes Raumklima. Der durchgängige Eichenfußboden im gesamten Haus mit Ausnahme der fugenlosen Kalk- und Lehmböden in den Nutzräumen und Bädern unterstützen das fließende Raumkontinuum.

Neben den Büroräumlichkeiten im Erdgeschoss, beherbergt der Seitenflügel Bibliothek und Wohnbereich in dessen Obergeschoss. Dieser geht im Split-Level Modus in das Wohnhaus über und setzt sich im EG aus einer Sitzecke am Stahlkamin und dem großzügigen Essbereich mit Zugang zur Terrasse zusammen. Auf der 70 cm höher angeordneten EG-Ebene befindet sich die offene Küche und in deren Verlängerung ein Vorraum sowie die Garderobe mit Eingangsbereich. Die Option die beiden Trakte zu trennen besteht, was die flexible Anpassung des Hauses an das Leben seiner Bewohner möglich macht.

Das erste Stockwerk im Wohnhaus öffnet sich im Spielraum, der die vier Kinderzimmer sowie das Bad erschließt, zur Dachuntersicht und steht alleinig den Kindern zu Verfügung.

Im Dachgeschoss befindet sich das Elternschlafzimmer nebst Ankleideraum, Bad und Sauna. Es wird durch eine geradlinig verlaufende Treppe erreicht und besticht durch seine Sicht auf das Bergpanorama sowie durch die Wandschrägen des Steildaches.

In der Gesamtheit besticht das Konzept durch seine Geradlinigkeit und Funktionalität, die dennoch eine fließende Bewegung im Raum und individuelles Innendesign zulässt.

Beton

Materialtechnisch sind die Außenwände in Leichtbeton mit einfacher Schalung, ohne weitere Kerndämmung konstruiert und weisen eine Stärke von 50 cm auf. Neben der optischen Wirkung des reduzierten, schnörkellosen Sichtbetons erfüllt das Material zugleich eine tragende und wärmedämmende Funktion. In Österreich ist diese multifunktionale Verwendung und innovative Einsetzung von Beton noch ein relatives Novum.

Die Innenwände und Geschossdecken sind in Stahlbeton gänzlich auf Sicht ausgeführt, beim Dach wurden vorgefertigte Betonfertigteile verwendet.

Quelle

Text: Daniela Tomaselli, Larissa Huber

Bildnachweis: Reinold Amann und Christina Baumgartner, Nenzing

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