Monumentaler Mühlenturm

Kornhaus Zürich

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SichtbetonSchalungBautechnikBohrpfähle

Architekt

Harder Haas Partner, Eglisau (V. Harder, R. Haas, M. Reichle, M. Ritzmann)

Bauherr

Swissmill, Zürich

Projektbeteiligte

Implenia Bau, Dietlikon (Bauingenieure/Baumeister); Lier Energietechnik, Wallisellen (Gebäudetechnik); Bitschnau Gleit- und Schalungstechnik, Nenzing (Gleitschalung); Kaufmann Kranservice GmbH, Oberhasli (Kräne)

Jahr

2015

Ort

Zürich, Sihlquai 306

Beschreibung

Mitten in Zürich-West hat der Getreidemühlenbetrieb Swissmill einen bestehenden Kornspeicher auf beträchtliche 118 Meter aufgestockt und ihn damit zum zweithöchsten Bauwerk der Stadt gemacht. Auf dem Gelände zwischen Sihlquai und Limmat werden nun jährlich 220.000 Tonnen Getreide gereinigt, getrocknet, gelagert, gemischt, gemahlen, dann verpackt, verladen und schließlich per Bahn oder LKW verschickt. Für die Gestaltung des Silo-Turms zeichnet das Architekturbüro Harder Haas aus Eglisau verantwortlich.

Um die gewaltigen Kräfte der Aufstockung abzufangen, wurden Pfahlfundamente tief ins Erdreich getrieben und neue Außenwände vor den alten Speicher gesetzt. Von ihm ist lediglich noch die Höhe erkennbar, die sich als Zäsur in der jetzigen Betonfassade abzeichnet. Diese ist klassisch in Sockel, Schaft und Krone gegliedert. Den unteren Teil, der das alte, 40 Meter hohe Silogebäude umhüllt, sind rote Lisenen vorgesetzt. Sie definieren die Traufhöhe gemäß Planungs- und Baugesetz des Kantons Zürich und beziehen sich in ihrer Farbe auf die benachbarten Ziegelbauten des ehemaligen Industriequartiers. Zudem bilden sie die Lage ab, wo die Innenwände zur Unterteilung des Speichers in einzelne Kammern auf die Außenwand treffen. Die vertikalen Rillen, die den fensterlosen Schaft des Turms strukturieren, folgen ebenfalls den Zellenwänden im Inneren. Zwischen ihnen sind an der Südfassade Photovoltaikmodule installiert, die nicht nur Strom erzeugen, sondern als gestalterisches Element das Erscheinungsbild des Silos maßgeblich prägen. Ganz oben bildet ein großes Sitzungszimmer mit Blick über Zürich die Krone des Gebäudes.

Die Grundrisse sind dem Zweck entsprechend einfach ausgebildet: Sie basieren auf einem quadratischen Raster von 3,60 Meter, das der Bestandsbau vorgab. Im aufgestockten Bereich befinden sich 48 Kammern, die von unten bis oben durchlaufen und abgerundete Ecken aufweisen. Vier von ihnen nehmen Treppe, Aufzug und einen Teil der Silotechnik auf, der Rest dient der Getreidelagerung.

Da schon im Vorfeld klar war, wie sehr das Kornhaus die Stadtsilhouette verändern würde, hatte man in einer Volksabstimmung die Zürcher befragt, ob sie sich für oder gegen den Bau entscheiden. Mit Ausnahme der direkten Anwohner hatte sich die Mehrheit klar für den Turmbau ausgesprochen. Er soll nun ein Zeichen dafür sein, dass Gewerbe, das vor allem der Stadtbevölkerung zugute kommt, auch in einer solchen Platz finden kann.

Beton

Die Aufstockung des Silos erfolgte bei laufendem Betrieb in fünf Etappen. Zunächst wurden Anbauten abgebrochen, die Bohrpfähle gesetzt und das neue Fundament erstellt. Im unteren Bereich wuchs der Bau zunächst auf der Sihlquai-Seite bis 40 m Höhe, dann folgte die Limmat-Seite. Mit einer konventionellen Schalung wurden die Wände bis in eine Höhe von 3,60 m einhäuptig gegen die bestehende Wand betoniert, sodass eine 60 cm dicke Außenwand entstand. Der erste Abschnitt der dann verwendeten Gleitschalung setzte auf der Sihlquai-Seite bei 3,60 m an und endete auf der Höhe des bestehenden Silos. Im zweiten Bauabschnitt wiederholte sich die Prozedur auf der Limmat-Seite; die dritte Bauphase umfasste den Abbruch der Silozellen auf der Westseite des bestehenden Getreidesilos.

Die Gleitschalung wanderte alle vier bis sieben Minuten um 2,5 cm nach oben, sodass der Turm innerhalb von 24 Stunden um etwa 4,70 m anwuchs. Wie bei der Gleitschaltechnik üblich, musste rund um die Uhr gearbeitet werden. Der Beton wurde in Schichten von 20 cm in die Schalungsplatten aus Edelstahl eingebracht. Nachdem diese nach oben weitergewandert waren, wurde die Oberfläche von der Nachbearbeitungsbühne aus geglättet.

Die über den ersten beiden Gleitabschnitten liegende glatte Wand mit einer Höhe von 10,00 m wurde wiederum konventionell geschalt. Parallel dazu entstand 7,00 m über dem alten Silodach eine neue, 50 cm dicke Abfangdecke. Alle Lasten aus der darüber liegenden Aufstockung werden über diese vorgespannte Decke in die neuen Außenwände und damit in den Baugrund abgeleitet. Die circa 3,00 m hohen Wandansätze oberhalb dieser Decke dienten der Montage der Gleitschalung für die letzten beiden Bauabschnitte. In rund 20 Tagen wurde die ostseitige Hälfte des Turmes bis zur Endhöhe von 118 m betoniert, danach folgte die Westseite. Insgesamt wurden 18.000 Kubikmeter Beton und 2.700 Tonnen Stahl verbaut. Bei genauem Hinsehen lassen sich die beiden Bauabschnitte heute noch erkennen, da der mit Flugasche eingefärbte Beton auf der einen Seite eine Nuance dunkler ausgefallen ist. -chi

Bildnachweis: Harder Haas Partner Architekten

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