
01.06.2026
Infraleichtbeton in der Praxis
Für Supermarkt in Berlin-Friedrichshain
Der Mitte 2023 eröffnete Supermarkt ist Deutschlands erster Gewerbebau aus Liapor-Infraleichtbeton. Bildnachweis: Christoph Große
Der REWE-Supermarkt in Berlin-Friedrichshain ist Deutschlands erster Gewerbebau aus Liapor-Infraleichtbeton. Der Baustoff übernimmt zugleich tragende und dämmende Funktionen und ermöglicht die monolithische Bauweise ohne zusätzliche Wärmedämmung. Seit der Eröffnung 2023 bewährt sich das wegweisende Gebäude im laufenden Betrieb und wurde Ende 2024 auch mit dem „Fachmarkt Star“ ausgezeichnet.
Bis zu neun Meter hoch und zwischen 40 und 50 Zentimeter breit – das sind die beeindruckenden Dimensionen der Außenwände aus Liapor-Infraleichtbeton, die die Gebäudehülle des REWE-Supermarkts in Berlin-Friedrichshain bilden. Er ist damit deutschlandweit der erste Gewerbebau aus Liapor-Infraleichtbeton, der sich mittlerweile im Alltag bewährt und Ende 2024 auch im Rahmen des 15. Frankfurter Fachmarktimmobilien-Kongresses mit dem „Fachmarkt Star 2024“ ausgezeichnet wurde. Der Preis zählt zu den wichtigsten Auszeichnungen für Fachmarkt- und Handelsimmobilien im deutschsprachigen Raum. Prämiert werden damit Projekte, die durch innovative Konzepte, nachhaltige Bauweisen, architektonische Qualität und eine gelungene Integration in ihr Umfeld überzeugen und damit neue Maßstäbe für zukunftsfähige Handelsstandorte setzen.
Gebäudehülle aus Infraleichtbeton
Das Projekt überzeugte die Jury nicht nur durch seine Architektur, sondern vor allem durch die Wahl der Gebäudehülle aus Liapor-Infraleichtbeton. Für die REWE Markt GmbH in Teltow als Bauherrin fiel die Entscheidung für den Baustoff aus klaren Gründen: „Der verwendete Liapor-Infraleichtbeton ermöglichte nicht nur das monolithische und somit puristische Bauen ohne komplizierte Anschlüsse und Details“, berichtet Dirk Heimann, Leiter Bauwesen REWE Ost. „Vielmehr punktet er auch durch seine bauphysikalischen und ökologischen Eigenschaften.“ So übernimmt der Baustoff hier sowohl die tragende und die wärmedämmende Funktion in einer einschichtigen Gebäudehülle. Dafür bietet er die notwendige Festigkeit und Stabilität, aber auch eine entsprechend geringe Wärmeleitfähigkeit. Damit war keine zusätzliche Wärmedämmung erforderlich, und alle Oberflächen konnten innen wie außen in Sichtbetonqualität ausgeführt werden. Das Ergebnis ist eine homogene, einheitliche Gebäudehülle, die wie aus einem Guss wirkt und die klare Architektur des zehn Meter hohen, 60 Meter langen und 50 Meter breiten Gebäudes wirkungsvoll unterstreicht. Der Baustoff gewährleistet außerdem Schallschutz und sorgt für ein angenehmes Raumklima. Daneben zeichnet sich der Liapor-Infraleichtbeton durch besondere Beständigkeit und Dauerhaftigkeit aus und ist nach dem Ende seiner Lebensdauer sortenrein recycelbar und wiederverwertbar. Weiterer Pluspunkt: Infraleichtbeton hat einen geringeren CO2-Fußabdruck als herkömmlicher Beton, da für seine Herstellung weniger und klinkerarmer Zement benötigt wird.
Naturwerkstoff Liapor-Blähton
Das Eigenschaftsprofil des Infraleichtbetons wird durch die zugesetzten Liapor-Blähtonkugeln bestimmt. Sie bestehen aus naturreinem, rund 180 Millionen Jahre altem Lias-Ton, der zu leichten, porösen Kugeln mit geschlossener Oberfläche gebrannt wird.
Sie sind form- und strukturstabil und sorgen für ein geringes Gewicht, eine hohe Wärmedämmung und Frostbeständigkeit. Zudem sind sie nicht brennbar, chemisch widerstandsfähig und regulieren die Luftfeuchtigkeit. Die Rezeptur des Betons wird dabei immer individuell an das Bauvorhaben angepasst.
ZiE-Gutachten als Grundlage
Im Fall des Berliner REWE-Supermarkts kamen insgesamt rund 700 Kubikmeter Infraleichtbeton der Güteklasse ILC700/ILC800 zum Einsatz. Als Baustoffhersteller und -lieferant fungierte die Heidelberg Materials AG, Transportbetonwerk Königs Wusterhausen, die Bauausführung übernahm die Grötz Bauunternehmung GmbH in Niederdorf. Vor der Betonage vor Ort war allerdings noch Vorarbeit zu leisten. Denn eine allgemeine baurechtliche Zulassung für den Baustoff, die laut dem Deutschen Ausschuss für Stahlbeton e.V. (DAfStb) bis Ende 2026 vorliegen wird, gab es damals noch nicht. Daher musste für das Projekt die Zustimmung im Einzelfall (ZiE) eingeholt werden. Diese Aufgabe übernahm Prof. Mike Schlaich von schlaich bergermann partner, der den Baustoff bereits seit mehr als 15 Jahren an der Technischen Universität Berlin (TU) erforscht und hier gemeinsam mit den Architekten Baumgardt Franke das bauliche Konzept entwickelte. Für das ZiE-Gutachten, an dem auch die Technische Universität Dresden sowie die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung mitwirkten, wurden erstmals auch Brandwandversuche durchgeführt, die der Baustoff problemlos meisterte.
Preisgekröntes Pilotprojekt
Damit war der Weg frei zum etappenweisen Gießen der großformatigen Betonierabschnitte, und nach mehreren Wochen waren Ende 2022 die Rohbauarbeiten abgeschlossen. Anschließend erfolgten der Bau des Dachs und die Installation der Haustechnik, die einen CO2-neutralen Betrieb des Gebäudes ermöglicht. Im Mai 2023 wurde nach insgesamt vier Jahren Planung und Bau der Supermarkt mit einer Bruttogeschossfläche von rund 9.000 Quadratmetern feierlich eröffnet. „Das Neubauprojekt mit diesem speziellen Baustoff und in diesen Dimensionen war für alle Beteiligten Neuland, ließ sich gemeinsam jedoch erfolgreich realisieren“, so das Fazit von Dirk Heimann. „Insbesondere die Wände aus Liapor-Infraleichtbeton sowohl baustofflich, bemessungstechnisch und dabei noch praktikabel umsetzbar zu konzipieren, ist eine der herausragenden Leistungen bei der Realisation des Standorts.“ Damit ist der REWE-Supermarkt ein wegweisender Meilenstein, der hohe ökonomische und ökologische Anforderungen erfüllt und zeigt, wie Liapor-Infraleichtbeton erfolgreich neue Wege für zeitgemäßes und zukunftsfähiges Bauen eröffnet.
Quelle: Liapor GmbH & Co. KG

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