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29.05.2026

Betonwerkstein-Tagung 2026

Einblicke in Forschung und Praxis

Zukunftsweisende Themen und jüngst realisierte Vorzeigeprojekte rund um die Baustoffe Zement, Beton und Betonwerkstein standen im Fokus der diesjährigen Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung, die Anfang Mai in Wiesbaden stattfand. Namhafte Referenten beleuchteten in ihren Fachbeiträgen sowohl technologische Innovationen als auch ökologische Bewertungskriterien und unterstrichen nicht zuletzt anhand spektakulärer Bauwerke die Bedeutung des Betons als kreativen, langlebigen und nachhaltig optimierbaren Baustoff.   

Begrüßt wurden die rund 80 Gäste, die sich im Wiesbadener Info-Zentrum eingefunden hatten, in diesem Jahr von Patrick Klein, dem Geschäftsführer der Dyckerhoff GmbH. Seine kurze Vorstellung des Unternehmens verband er mit einem Blick auf die Sortenstrategie von Dyckerhoff, in der sich eine konsequente Ausrichtung des Portfolios an dem Ziel der Dekarbonisierung widerspiegelt. Über die Entwicklung neuer, CO2-reduzierter Zemente und Betone hinaus beteiligt sich Dyckerhoff zudem an einer Reihe von Forschungsprojekten zur CO2-Abscheidung, wie beispielsweise das Gemeinschaftsprojekt catch4climate, welches die Voraussetzung für einen großflächigen Einsatz von CO2-Capture-Technologien in der Zementindustrie schaffen soll. Im Anschluss an die Begrüßungsworte stellte Martin Möllmann, Direktor der Dyckerhoff GmbH und Leiter des Verkaufsbereichs Weisszement, die Themen und Referenten des ersten Vortragsblocks war und kündigte ein spannendes und breitgefächertes Vortragsproramm an.

Von perfekter Sichtbetonqualität bis zum ressourcenschonenden R-Beton

Mit Dr. Diethelm Bosold aus Ingenheim eröffnete ein speziell in der Praxis der Betonberatung überaus erfahrener Fachmann den Reigen kompetenter Referenten. Unter der Überschrift „Sichtbeton SB4 - Anforderungen und Risiken“ machte er deutlich, dass die Herstellung von Betonwerkstein zwar grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine gleichmäßige Qualität von Sichtbetonflächen bietet, dass es aber gerade beim Architekturbeton nicht zuletzt auch auf die handwerklich perfekte Verarbeitung ankommt. Unter Einbeziehung der einschlägigen Merkblätter betrachtete er ausgewählte Sichtbetonkriterien, die von der Lagerung und dem Transport und die Einfüllöffnung über die Porigkeit und die Hell-/Dunkelverfärbungen bis hin zur Betonkosmetik reichten. Dabei kam er unter anderem zu dem Fazit, dass sich „mit einigen wenigen Maßnahmen ansprechende Betonoberflächen erzielen lassen“. Allerdings spielt dabei auch die richtige Kommunikation eine ganz zentrale Rolle. Daher appellierte er am Ende seines Vortrags an die Zuhörer, stets „miteinander zu reden und sich abzustimmen“.

Das Thema der Gestaltung von Betonoberflächen spielte auch bei dem zweiten Referenten eine große Rolle. Wie der Titel des Vortrags „Innovative Betonwerksteinfassaden aus RC-Beton und deren Wiederverwendbarkeit“ bereits zeigte, beschäftige sich David Kölsch von der Hering Bau GmbH & Co. KG dabei mit einer besonders „nachhaltigen“ Variante des Betonbaus; denn neben CO2-reduzierten Zementen sind rezyklierte Gesteinskörnungen (RC-Beton) ein weiterer Hebel zum nachhaltigen Bauen mit Beton. Wichtige Voraussetzungen für den ressourcenschonenden Einsatz von RC-Beton ist jedoch eine sortenreine Trennung sowie genaue Regelungen zur Nutzung der RC-Materialien. Als erstes Projekt Deutschlands, welches auf einem ganzheitlichen Urban Mining Konzept basiert, gilt der von Hering Bau durchgeführte Neubau des Rathauses im hessischen Korbach. Dabei wurde das Abbruchmaterial des Vorgängerbaus ortsnah recycelt und als Gesteinskörnung im ressourcenschonenden RC-Beton für das Tragwerk und die aus Betonfertigteilen bestehende Fassade, das Aushängeschild des Gebäudes, verwendet. Wie der Referent ausführte, gibt es bereits interessante Nachfolgeprojekte wie das Bosch-Gebäude in Bochum, das Innovation Green House in Bonn oder der Neubau eines Sandwichgebäudes bei Hering Bau in Burbach-Holzhausen.

Ein „Weltrekord“ in Barcelona dank moderner Betontechnologie

Dass sich die Zuhörer am Ende des ersten Vortragsblocks auf ein Highlight freuen konnten - dies machte schon der Titel deutlich: „Mit UHPC zum Weltrekord - Deutsche Ingenieurkunst für das Kreuz der Sagrada Familia“. Wie Heinrich Wasemann von der Sudholt-Wasemann GmbH aus Herzebrock-Clarholz zeigte, handelt es sich dabei im wahrsten Sinne des Wortes um einen „Höhepunkt“ - nämlich das neue Kreuz, das künftig den Jesus-Christus Turm von Antoni Gaudis Meisterwerk in Barcelona krönt. Mit seiner Höhe von 17 Meter sorgt es zudem dafür, dass nach seiner Installation die Sagrada Familia künftig offiziell zum höchsten Kirchengebäude der Welt wird. Seine Ausführungen verdeutlichten anschaulich die mit dem Bau und der Montage des Kreuzes verbundenen Herausforderungen. Schon die Dimensionen mit einer Höhe von 17 Meter, einer Spannweite von 13,5 Meter und einem Gesamtgewicht von 110 Tonnen sind gewaltig. Dazu kommt, dass das Kreuz im Innern komplett stützenfrei und begehbar ist. Wie der Referent zeigte, basiert der Aufbau des Kreuzes auf einer Duplex-Stahlkonstruktion, die mit einer 5 cm starken UHPC-Schicht ausgegossen wurde. Die Leistungen von Sudholt-Wasemann, einem auf die Herstellung hochtechnologischer Fertigteil-Elemente aus UHPC spezialisierten Unternehmen, reichten von der Anfertigung der Grund- und Innenschalung bis hin zum Ausgießen der einzelnen Segmente mit einem auf Basis von Dyckerhoff-Nanodurzement hergestellten UHPC. Den Abschluss der komplexen, vom Referenten in beeindrucken Fotos dokumentierten Arbeitsprozesses bildeten der Transport nach Barcelona, der eine spezielle Logistik erforderte, und die aufwändige Montage des vierteiligen Kreuzes vor Ort. Am Ende ist hier „ein einzigartiges Bauwerk entstanden, welches architektonische Vision mit modernster Ingenieurtechnik verbindet“ - so Heinrich Wasemann.

Von der Verlegepraxis in die Forschungslabors der Zementindustrie

Im zweiten Vortragsteil, den Christian Bechtoldt von der Dyckerhoff GmbH moderierte, ging es zunächst von der High-Tech-Betontechnologie zurück in die tägliche Praxis des Betonwerksteins. Mario Sommer, der Leiter der Architekten- und Objektberatung bei der Sopro Bauchemie GmbH aus Wiesbaden, machte dabei mit seinem Blick auf die „Planung und Ausführung von Terrassen und Treppen im Außenbereich“ deutlich, dass zu dem attraktiven Baustoff Betonwerkstein stets auch die richtige Verarbeitung bzw. Verlegung mit den dafür geeigneten Produkten gehört. Er beschäftigte sich dabei unter anderem mit den Problemen und Ursachen der Rissbildung bei Betonwerksteinbelägen. Einen breiten Raum nahm in seiner Betrachtung das Thema „Wasser“ ein; denn - so Mario Sommer - “gerade bei Außentreppen ist die Wasserführung entscheidend“. Neben der Empfehlung, bei der fachgerechten Verlegung hier grundsätzlich schnell erhärtender Verlegemörtel mit hoher kristalliner Wasserbindung zu verwenden, zeigte er aber auch spezielle konstruktive Lösungen auf, mit denen sich die durch Wassereinwirkung möglichen Schäden zielgerichtet verhindern lassen.

Aus der Praxis ging es dann jedoch wieder zurück in die Forschungs- und Entwicklungslabors der Zementindustrie. „Moderne Bindemittel mit alternativen Rohstoffen - Ein Bericht aus F&E“ - so überschrieb Sabine Mutke, Projektleiterin im Wilhelm-Dyckerhoff-Institut für Baustofftechnologie (WDI) in Wiesbaden, ihren Blick auf die verschiedenen Strategien zur Verbesserung der CO2-Problematik in der Zementindustrie und den aktuellen Forschungsstand hierzu. Dabei unterschied sie in „primäre“ und „sekundäre“ Strategien. Zu den ersteren zählen neben der Optimierung der Klinker- und Zementproduktion und der Senkung des Klinkerfaktors auch die Entwicklung CO2-ärmerer Bindemittel sowie die CO2-Abscheidung. Bei den sekundären Strategien handelt es sich um Maßnahmen wie der Reduktion des Betonvolumens, der Fixierung von CO2 im Beton sowie dem Baustoff-Recycling. Zu all diesem präsentierte die Referentin detailliert die dazugehörigen Beispiele und Projekte, die sich allerdings in zum Teil noch ganz unterschiedlichen Entwicklungsstufen befinden - von ersten erfolgreichen Anwendungen in der Praxis bis hin zu noch laufenden Pilot- und Testphasen.  

Die „Dywidag Kuppel“: Stahlbeton-Baugeschichte sichtbar gemacht

Mit dem Blick auf ein Bauprojekt, das direkt vor dem Veranstaltungsort steht, fand die diesjährige Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung einen überaus passenden Abschluss. Martin Möllmann nahm die Teilnehmer dabei auf die spannende „Zeitreise der Dywidag Kuppel“, die seit Oktober vergangenen Jahres einen neuen Platz vor dem Dyckerhoff Informationszentrum gefunden hat. Doch bis dahin war es - wie der Referent anhand zahlreicher Bilder eindrucksvoll zeigen konnte - ein langer und mitunter nicht ganz einfacher Weg. Begonnen hatte alles bereits in den 20iger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als neue Bauweisen im Bereich des Stahlbetonbaus erforscht und praktisch erprobt werden sollten. Dazu zählten auch Schalenkonstruktionen wie die im Jahre 1931 von der ehemaligen Dyckerhoff & Widmann AG (Dywidag) auf ihrem Biebricher Werksgelände errichtet wurde und die als Muster für eine in Dresden geplante Markthalle dienen sollte. Bemerkenswert ist die „Dicke“ der Betonschale, die an den Rändern lediglich 25 mm und in der Feldmitte sogar nur 15 mm beträgt. Als Bewehrung der Schale diente einzig ein handelsüblicher Maschendraht. Während das geplante Markthallenprojekt in Dresden auf Grund der Weltwirtschaftskrise nie realisiert wurde, begann für die Versuchsschale eine überaus wechselvolle Geschichte. Sie endete erst damit, dass Dyckerhoff im Jahre 2023 Kontakt mit dem Denkmalamt aufnahm und ein Sanierungskonzept erarbeitete. Nach der aufwändigen Sanierung setzte man mittels einem Kran die Kuppel auf neue Betonfertigteilstützen. Zu Optik der perfekt sanierten, weißen Betonschale passend wurde mit dem Transportbeton Dyckerhoff Terraplan ein fein geschliffener, weißer Terrazzoboden eingebaut, der dem Gebäude nicht nur eine für die spätere Nutzung notwendige Funktionalität verleiht, sondern auch für ein edles Erscheinungsbild sorgt. Gleiches gilt für die harmonisch in die Stützen der Kuppel integrierte Beleuchtung. Seit ihrer feierlichen Einweihung im Oktober 2025 verfügt die Stadt Wiesbaden künftig über ein architektonisches Denkmal, das die enge Verbindung von Technik, Gestaltung und Stadtgeschichte sichtbar macht. Zugleich ist es ein wertvoller Beitrag zur Vermittlung von Baukultur und technischer Innovation und damit ein wichtiger Lernort für kommende Generationen von Ingenieurinnen und Ingenieuren.

Stabwechsel im Hause Dyckerhoff

Eingebettet in die diesjährige Dyckerhoff Weiss Betonwerksteintagung vermeldete Dyckerhoff einen Stabwechsel in der Führungsriege des Verkaufsbereichs Weisszement. Martin Möllmann, der als Direktor bislang die Bereiche Weisszement Vertrieb und Produktmarketing verantwortete, tritt zum 1. Juni dieses Jahres nach 36 Jahren im Unternehmen Dyckerhoff in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird mit Christian Bechtoldt einer seiner langjährigen Mitarbeiter, so dass in diesem Bereich die Kontinuität am Markt sichergestellt ist. Christian Bechtoldt bedankte sich bei der Übergabe des Staffelstabs bei Martin Möllmann für die hervorragende Zusammenarbeit in all den Jahren und auch dafür, dass er für ihn im Hinblick auf seine neue Funktion stets ein „Super-Coach“ war.

Quelle: Dyckerhoff GmbH

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