Huldigung der Handwerkskunst

Produktionsstätte für Keramik bei Jingdezhen

Architekt

AZL architects, Nanjing

Bauherr

Bingding Wood Kiln

Jahr

2019

Ort

Gemeinde Quiancheng, Kreis Fuliang, Jingdezhen, Jiangxi

Beschreibung

Umgeben von Wald sitzt in der südostchinesischen Provinz Jiangxi ein Bauwerk, das in mehrfacher Hinsicht sakral anmutet. Dabei ist seine Funktion nicht religiös – es lässt sich aber als Kathedrale traditioneller chinesischer Porzellankunst interpretieren. Im Zentrum des Bauwerks steht statt eines Altars ein aus Ziegeln geformter, mit Holz befeuerter Brennofen, der in dieser Art in China kaum mehr existiert.

Die Stadt Jingdezhen, in deren Umkreis das von AZL Architects entworfene Gebäude zu finden ist, gilt als Porzellan-Hauptstadt des Landes. Die traditionelle Herstellung mit Holz als Brennmaterial ist jedoch auch dort sehr selten geworden. Einer der wenigen Meister, der den Bau eines entsprechenden Ofens noch beherrscht, war eng in die Entwicklung der Produktionsstätte für Keramik (offizieller Name: 丙丁柴窑 / Bingding Wood Kiln) eingebunden.

Sakrale Formen, mystisches Licht
Das Volumen teilt sich in ein hohes Mittelschiff und zwei daran angedockte niedrigere Seitenschiffe mit zwei Geschossen. An der Zugangsseite bildet der Bau einen Portikus aus. Regelmäßige, zum Teil arkadenartige Öffnungen erinnern an Bogenfenster in romanischen Sakralbauten. In einem verglasten unteren Bereich lässt sich der Bau an vielen Stellen nach außen öffnen, darüber dient eine gitterartige, mit leicht verdrehten Ziegeln gefüllte Struktur als Sicht- und Sonnenschutz. Im Unterschied dazu sind die drei Rundbogenöffnungen auf der Stirnseite des Portikus in der oberen Hälfte mit reliefartig nach innen versetzten Betonflächen geschlossen, die jeweils einen schmalen Belichtungsschlitz aufweisen.

Stützen und Träger im Innenraum vereinigen sich zu Wandscheiben mit bogenförmigen Öffnungen, die an Tonnengewölbe denken lassen. Der Grundriss ist achsensymmetrisch ausgebildet und teilt sich in mehrere Zonen: Das Mittelschiff besetzt der archaisch wirkende Brennofen, davor ist Raum für die Vorbereitung und Nachbehandlung der Keramik. Im hinteren Bereich befindet sich der Ruheraum für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Die Seitenschiffe dienen als Lager und zusätzliche Arbeitsflächen. Hinter dem Eingang, in den Seitenschiffen sowie seitlich des Brennofens führen Treppen nach oben – entweder auf Aussichtbalkone oder in den Raum oberhalb des Portikus. Diese Bereiche können zur Besichtigung der Produktionsstätte beziehungsweise für den Verkauf genutzt werden. 

Beton

Lebendig texturierte Oberflächen ohne Ankerlöcher
Im Mittelpunkt des Entwurfs steht der aus Ziegeln konstruierte Brennofen – der Bau aus Sichtbeton soll diesen schützen und in Szene setzen. Da die Wände außen und innen ohne Durchankerung – also jeweils einhäuptig – geschalt wurden, fehlen Ankerlöcher als typisches Merkmal von Ortbetonbauteilen. Die einschalige Konstruktion zeigt vor allem außen ein Schalungsbild, das fast zufällig erscheint. Auch die lebendige, stellenweise raue und fleckige Textur des Sichtbetons lässt ihn wie ein natürliches Material wirken. Zudem sind die Wasserspeier so gesetzt, dass das Regenwasser über die Wände nach unten rinnt und dadurch seine vergänglichen Spuren auf den Beton zeichnet.

Bei der Betonage der Bögen im Inneren wurden die Schaltafeln meist in einem regelmäßigen Raster angeordnet. Mit dem Motiv des Schlitzes, das die Konstruktion von Wänden, Decken und Bögen im gesamten Bau prägt, wird der Produktionsstätte ein rätselhaftes Element hinzugefügt, das den Bau symbolisch auflädt. Dazu trägt auch das Spiel mit natürlichem und künstlichem Licht bei. Ersteres dringt durch die Schlitze und die Gitterelemente ins Innere; letzteres strömt aus den Einschnitten der Betonbögen. -chi

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: YAO Li / AZL architects, Nanjing

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