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Himmel auf Erden

Kirche der Seligen Maria Restituta in Brünn

Architektur

Atelier Štěpán, Brünn-Řečkovice (Marek Jan Štěpán mit Vanda Štěpánová, František Brychta, Jan Vodička, Martin Kopecký)

Bauherr

Römisch-Katholische Kirche der Gemeinde Brünn-Lesná

Projektbeteiligte

Petr Kvíčala (Fassadenplanung); JB Stavební, Brünn (Bauunternehmen); TBG Betonmix (Betonwerk); Betotech (Betontechnologie); Saint-Gobain Glass, Stolberg (ringförmiges Oberlicht); Peri, Weißenhorn (Schalungen und Gerüste)

Jahr

2020

Ort

Brno-Lesná, Nezvalova 895/13

Beschreibung

Die sozialistische Vergangenheit des Stadtviertels Lesná im Norden von Brünn ist unübersehbar: An die 200 Meter lange und neun Geschosse hohe Wohnriegel sowie regelmäßig verteilte Punkthäuser prägen hier das Stadtbild. Aufgrund der schieren Größe der 1970 fertiggestellten Siedlungseinheit, der Dimensionen der Baukörper sowie der Plattenbauweise erscheint das Quartier als Erweiterung der sozialistischen Moderne. Vom höheren Anspruch künden die inzwischen teilweise heruntergekommenen gemeinschaftlichen Einrichtungen und die Kunstwerke, die gleichzeitig mit den Wohnhäusern entstanden sind.

Der minimale Fußabdruck der Plattenbaustrukturen sorgt dafür, dass in den Zwischenräumen viel Platz für Grünflächen, Bäume und Parkplätze bleibt. Im Zentrum des Stadtviertels liegt zudem ein Wäldchen, durch das die sogenannte Teufelsschlucht und ein begleitender Wanderpfad verläuft. An dessen Ende befindet sich seit Kurzem ein Bauwerk mit neuer Strahlkraft: die Kirche der Seligen Maria Restituta.

Mystischer Ort in der Plattenbausiedlung
Der ungewöhnliche Sakralbau wurde von der örtlichen Römisch-Katholischen Gemeinde errichtet. Der Entwurf stammt vom ortsansässigen Büro Atelier Štěpán, das sich seit rund dreißig Jahren mit der möglichen Gestaltung des Bauwerks beschäftigt: Bereits beim Bau der Großwohnsiedlung in den 1960er-Jahren war an dieser Stelle eine Kirche geplant.

In ihrer Höhe kann die Kirche nicht mit den umgebenden Wohnriegeln mithalten – daher war ein besonderer Ausdruck gefragt. Der Architekt wählte für den Sakralraum die Form des Kreises, ergänzt um einen Turm mit dreieckigem Grundriss. Ein bereits bestehendes rechteckiges Gebäude, in dem das Pfarrzentrum untergebracht ist, komplettiert das Ensemble.

Überirdische Bezüge
Der Kreis gilt als ein Symbol des Göttlichen und unterstreicht die sakrale Wirkung des Innenraums. Geradezu mystisch wirkt das vielfarbige Licht, das in den Kuppelbau einfällt: Das ringförmige Oberlicht mit den farbigen Scheiben ist so platziert, dass es von unten nicht sichtbar ist. „Das Licht fällt in den Kirchenraum, aber die Quelle bleibt unsichtbar. In einem bewussten und unbewussten Sinn repräsentiert das Licht das Vorhandensein einer Welt jenseits unseres Erfahrungshorizonts und die Existenz Gottes“, sagt Bürogründer Marek Jan Štěpán.

Der Kuppelraum wird geprägt von geschwungenen Formen und den spannungsvollen Oberflächenstrukturen der Kuppel und der Brüstungen. Ein dreieckiger Schlitz im Altarbereich führt zu einem kleinen, durch Zenitlicht inszenierten Raum auf kreisförmigem Grundriss, in dem der Tabernakel untergebracht ist. Der sakralen Wirkung etwas entgegen stehen einzig die rechteckigen Fenster auf Augenhöhe, die ganz pragmatisch für eine natürliche Belichtung des Innenraums sorgen.

Beton

Ein naheliegendes Material
Wie die umgebenden Wohnriegel der Großsiedlung ist der Kirchenbau in Beton erstellt. Von außen lässt sich das lediglich erahnen – eine weiß gestrichene Putzfassade mit einem Relief aus Linien und Symbolen liegt über Rohbau und Dämmung. Beim Glockenturm hingegen ist der Beton sichtbar belassen. Kleinformatige Schaltafeln und ein regelmäßiges Ankerlochbild bestimmen die Oberfläche. An der rechtwinkeligen Ecke des Turms ist ein Kreuz ausgespart, auf der gegenüberliegenden Fläche, die im Grundriss der Hypotenuse entspricht, ist ein griechischer Schriftzug in den Beton geprägt. Die Außenwände des Sakralbaus wurden mithilfe von Rundschalungselementen, der Turm mithilfe einer Kletterschalung betoniert.

Der Fingerabdruck Gottes
Im Inneren des Kirchenraums ist Beton – neben Putzflächen und Natursteinböden – ein wesentliches Element. Die Sichtbetonwände wurden allerdings nachbearbeitet, um ein ruhiges Bild zu erreichen. Die Auskragungen der Emporen sind in Schalen gehüllt, die das Innere weich und organisch erscheinen lassen. Sie wurden in Holz konstruiert und mit Besenstrich verputzt. Der obere, nach innen gewölbte Teil des Kirchenraums wurde mit einer Schalhaut aus Brettern erstellt. Als Schalungsträger dienten in diesem Bereich schablonenartig zugeschnittene Holzelemente. Über den Sakralraum spannt die flache, asymmetrische Kuppel mit einer kleinteiligen Bretterschalungsstruktur, die in ihrer Beschaffenheit an Mauerwerk erinnert. Die raue Oberfläche, so das Büro Atelier Štěpán, wirke aufgrund seiner Größe und charakteristischen Signatur wie der „Fingerabdruck Gottes“. 

Wahl der Betonarten
Für die Sichtbetonflächen der Wände wählte das Planungsteam einen leicht zu verarbeitenden Beton auf der Basis eines Portlandhüttenzements (CEM II/B-S 32,5 R) mit Kalkstein. Bei der Kuppel musste ein Beton mit einer höheren Festigkeitsklasse eingesetzt werden, da nach statischen Berechnungen ein Elastizitätsmodul von 34 GPa erforderlich war. Den entsprechenden Beton der Druckfestigkeitsklasse Beton C35/45 ließ man mit einem Portlandzement (CEM I 42,5 R) herstellen, die Expositionsklasse beträgt XF1, das Größtkorn misst 16 Millimeter. Mit einer Setzmaßklasse S4 zeigte die Mischung eine sehr weiche Konsistenz. -chi

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: BoysPlayNice, www.boysplaynice.com (Fotos); Atelier Štěpán, Brünn-Řečkovice (Pläne)

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