Introvertierte Lernlandschaft

Hochschule für Finanzen und Wirtschaft in Aguascalientes

Architekt

Ignacio Urquiza, Bernardo Quinzaños / Centro de Colaboración Arquitectónica, Mexiko (in Zusammenarbeit mit Rodrigo Valenzuela Jerez und Camilo Moreno)

Bauherr

Escuela Bancaria y Comercial

Projektbeteiligte

Ricardo Camacho (Tragwerksplanung); AKF Group, Mexiko (Technikplanung); Inlight (Beleuchtungsplanung); Genfor Landscaping, Mexico (Landschaftsarchitektur), Taller Leticia Serrano, Mexico (Innenarchitektur); Terral, Mexiko (Generalunternehmen)

Jahr

2018

Ort

Aguascalientes, Avenida Guadalupe Gonzalez No. 1111

Beschreibung

Auf der grünen Wiese am westlichen Stadtrand sitzt die Hochschule für Finanzen und Wirtschaft in Aguascalientes. Namensgebend für den Ort sind die Thermalquellen, die hier, rund 500 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt, zahlreich zu finden sind. Im urbanen Ballungsraum der Kommune leben etwa eine Million Menschen. Zahlreiche internationale Unternehmen haben sich mit ihren Betriebsstätten dort niedergelassen – auch aus diesem Grund finden sich in Aguascalientes überdurchschnittlich viele Bildungseinrichtungen.

Die neue Niederlassung der privaten Hochschule für Finanzen und Wirtschaft – oder Escuela Bancaria y Comercial (EBC) – planten Ignacio Urquiza und Bernardo Quinzaños vom Centro de Colaboración Arquitectónica zusammen mit Rodrigo Valenzuela Jerez und Camilo Moreno. Da zum Zeitpunkt des Entwurfs unklar war, welche Nutzungen sich rund um die Schule anlagern werden, entschied man sich für eine introvertierte Strategie.

Konzentration und Austausch
Im Erdgeschoss ist die zweigeschossige Anlage auf rechteckigem Grundriss, die zwei Höfe umfasst, weitgehend geschlossen oder schottet sich durch eine bepflanzte und ummauerte Pufferzone von der Umgebung ab. Der tunnelartige Haupteingang im Südwesten sitzt in einer fensterlosen Fassade, die im Obergeschoss durch Stützen strukturiert wird. Auf diesen lagern vorfabrizierte Betonelemente mit einem geschlossenen Fassadenabschnitt, sodass der Eindruck von Kolonnaden entsteht. Ein weiterer Zugang auf der Rückseite des Gebäudes erlaubt den Eintritt vom geschützten Parkplatz aus.

Konträr dazu zeigt die Hochschule ein abwechslungsreiches Innenleben, mit offenen und halboffenen Aufenthaltsräumen und Erschließungswegen, einer Dachterrasse und einem dschungelähnlich gestalteten Hof. Im Zentrum der Anlage sitzt das zweiseitig verglaste Learning Center. Zur südwestlichen Eingangsseite orientieren sich Sondernutzungen, wie etwa ein großer Hörsaal und Gruppenräume. Die Klassenräume sind – wohl auch aufgrund des Klimas – an der Nordwest- und Nordostseite angelagert. Nur dort finden sich Fenster, die direkt in der zu Stützen aufgelösten Tragstruktur angeordnet sind. Zum Innenhof sind die Unterrichtsräume durch Wände aus Glasbausteinen abgetrennt.

Für das Planungsteam von besonderer Bedeutung waren die Begegnungsräume, die Austausch und informelles Lernen ermöglichen. Die Differenzierung in offene und halboffene Zonen ist auf der Südostseite stärker ausgeprägt. Die Aufenthaltsbereiche erstrecken sich hier über beide Geschosse, die obere Etage ist stellenweise lediglich überdacht und ermöglicht Ausblicke in die Umgebung.

Beton

Schön fleckig
Die einschalige Betonkonstruktion wurde teilweise massiv ausgeführt, in den meisten anderen Bereichen handelt es sich um einen Stahlbetonskelettbau bzw. um eine zu Stützenreihen aufgelöste Tragstruktur. Der Sichtbeton wirkt innen wie außen sehr roh; neben Farbdifferenzen beim verwendeten Beton sind die Oberflächen von wolkigen Texturen, braunen Flecken und Schlieren gezeichnet, zudem ist das Material stellenweise abgeplatzt.

Prägend für die Innenräume sind die Kassettendecken. Diese sind in zwei Richtungen lastabtragend und sorgen für einen geringeren Betonverbrauch. Dass die Decke auch aus gestalterischen Gründen gewählt wurde, zeigt eine digitale Collage der Architekten, die als Inspiration für den Entwurf diente. Diese nimmt das von Karl Friedrich Schinkel für das Schloss Osianda auf der Krim entworfene, aber nicht ausgeführte Große Atrium als Ausgangspunkt und kombiniert es mit einem begrünten Innenhof.

Statt mit Aussparungskörpern wurde die Kassettendecke in Handarbeit mit Holz und Schaltafeln erstellt. Die Unregelmäßigkeiten, die sich dadurch ergeben, fallen nicht sonderlich ins Gewicht, da die Sichtbetonflächen durchgängig rau und lebendig erscheinen – und auch dadurch die räumlichen Qualitäten unterstreichen. -chi

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Onnis Luque (Fotografien)

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