Frei geformtes Raumtragwerk

Haus für Musik und Musiktheater in Graz/A

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BautechnikEinbauSchalung

Architekt

UN Studio Ben van Berkel, Amsterdam

Bauherr

Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), Graz

Projektbeteiligte

Arup, London (Tragwerksplaner); Arge Statik Mumuth (Konstruktionsentwurf Stahlbau); GKD - Gebr. Kufferath, Düren (Edelstahlgewebe); Peter Mandl, Graz (Ausführungsstatik Foyer); Tomberger Dr Ziviltechniker, Pro Acoustic Engineering (Bauphysik)

Jahr

2008

Ort

Graz, Österreich, Lichtenfelsgasse 14

Beschreibung

Gegenüber dem traditionsreichen Palais Meran liegt das neue Haus für Musik und Musiktheater der Kunstuniversität in Graz - das MUMUTH. Das Architekturbüro UN Studio, das bereits 1998 den internationalen Wettbewerb gewonnen hatte, entwickelte ein Gebäude mit Glasfassade, die von einem Edelstahlgewebe verhüllt ist. Auf rund 5.500 m² Bruttogeschossfläche beinhaltet der 71 m lange, 22 m breite und 17 m hohe Bau einen schachtelförmigen Aufführungssaal mit Platz für 450 Zuschauer, Proberäume, einen Bürotrakt, Garderoben, Magazine und Werkstätten sowie ein atemberaubendes Foyer. 19 Millionen kostete der mit neuesten technischen Anlagen ausgestattete Neubau.

Kern des Hauses ist der große Saal im 1. Obergeschoss. Er kann als Probe-und Theaterraum oder als Konzertsaal für unterschiedliche Musikgenres genutzt werden. Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten erforderten eine flexible Gestaltung: Der Boden besteht aus 108 elektromechanisch betriebenen Podesten, die variabel zwischen 0 und 3 m angehoben werden können. Über einen begehbaren Gitterrost über dem Saal lassen sich die Scheinwerfer und Kulissen in kürzester Zeit verschieben. Und auch die Akustik kann an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden, indem der Saal auf die unterschiedlichen Nachhallzeiten justiert werden kann.

Zentrales Element im Foyerbereich und Haupttragelement des Gebäudes ist der sogenannte Twist - eine lineare Spiralkonstruktion in Verbundbauweise, die vom Erdgeschoss bis ins 3. Obergeschoss reicht. Ihrer Form angepasst, verdrehen sich Wandflächen zu Geschossdecken und umgekehrt. Das klassische Tragverhalten von Stütze, Decke und Wand wird gänzlich aufgelöst. Die frei auskragende Schraubfläche stützt die Geschossdecken in der Mitte und bewirkt zusätzlich, dass weitere Stützen entfallen können - zum Vorteil des Raumgefüges. Ohne störende Tragelemente kann der großzügige Foyerbereich für Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt werden.

In den Spirale integriert und ihrem Schwung folgend, befindet sich die Treppe als Verbindung zwischen den Geschossen. Sie nur auf ihre funktionale Aufgabe zu reduzieren würde ein falsches Bild von ihrer skulpturalen räumlichen Wirkung geben. Mit einem Teppich in leuchtendem Rot belegt, gleicht sie einer Showtreppe, die dem Foyer das gewisse Extra verleiht. Ansonsten überwiegt das zurückhaltende Grau des Betons und der ebenfalls graue Terrazzoboden. Durch das Metallgewebe der Außenhaut scheint das Licht diffus in den Raum.

Beton

Die komplexe Ausführung des Musiktheaters erforderte eine intensive Zusammenarbeit von Ingenieuren und Architekten. UN Studio entwarf das Gebäude mit der Vorstellung, alle Flächen in Sichtbeton auszuführen, auch im Twistbereich. Dies konnte nur in Verbundbauweise anstelle einer konventionellen Stahlbetonbauweise realisiert werden. Die aufwändige Herstellung erforderte eine speziell entwickelte Schalungstechnik und enorme Präzision in der Ausführung.

Der Verbundquerschnitt besteht aus einem innen liegenden Stahlgerippe aus Hohlprofilen und einer oberen und unteren etwa 15 cm dicken Betonschicht. Die Betonschale und die Stahlkonstruktion sind über Kopfbolzendübel kraftschlüssig miteinander verbunden. Füllkörper zwischen den Betonschalen verringern das Gewicht.

Die Herstellung erfolgte in mehreren Schritten: Zunächst wurde die Stahlkonstruktion im Werk zusammengebaut und wegen des Transport anschließend wieder zerschnitten. Auf der Baustelle verschweißte man die auseinander gesägten Bauteile wieder mit Baustellenschweißnähten entsprechend den Vorschriften. Die Bewehrung für die Betonschalen wurde auf der Stahlkonstruktion befestigt, der Beton anschließend in die aufgestellte Schalung eingebracht. Aufgrund der geringen Toleranzen und der anspruchsvollen Geometrie kam selbstverdichtender Beton zur Verwendung.

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Christian Richters, Münster (1-3); Peter Mandl, Graz (4,5)

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