Glashalle zwischen Betonflügeln

HafenCity Universität Hamburg

Architekt

CODE UNIQUE Architekten BDA, Dresden
Martin Boden-Peroche, Volker Giezek

Bauherr

Freie Hansestadt Hamburg, BWF Behörde für Wissenschaft und Forschung

Projektbeteiligte

Projektleitung: CODE UNIQUE, Martin Laasch
Bauleitung: DGI Bauwerk, Berlin/Hamburg, Magnus Wandelt
Tragwerksplanung: Ing.-Büro Dr. Binnewies, Hamburg
Brandschutz: Brandschutz-Consult, Leipzig
Außenanlagen: BB+GG, Barcelona
Akustik: Akustik Bureau Dresden, Dresden
Bauphysik: Kaplus, Eckernförde
Haustechnik: Ing.-Ges. Ridder + Meyn mbH, Hamburg

Jahr

2014

Ort

Hamburg, HafenCity, Überseeallee 16

Konstruktionsmerkmale

Stahlbetonkonstruktion, schlanke Decken, große Stützweiten

Besonderheiten

Ort für Studenten und Öffentlichkeit
Betonkernaktivierung zur Raumklimatisierung

Beschreibung

Die Lage der HafenCity Universität in Hamburgs neuem In-Kiez ist prominent, seitdem die direkt angrenzende Speicherstadt und das Kontorhausviertel am 5. Juli 2015 zum Weltkulturerbe erklärt wurden, noch ein wenig mehr. Das Universitätsgebäude hat im April 2014 mit rund 2.000 Studenten der Architektur, Stadtplanung, Geomatik und des Bauingenieurwesens am Zusammenlauf von Magdeburger- und Baakenhafen den Betrieb aufgenommen. Es ist der erste (und bisher einzige) Baustein eines städtebaulichen Konzepts für das gesamte Grundstück und in der HafenCity, Europas größte innerstädtische Baustelle, ein weiterer auffälliger Beitrag dieses an spektakulärer Architektur nicht ganz armen Stadtteils.

Die Universität ist noch jung; Sie wurde 2006 mit dem Ziel gegründet, Studenten baurelevanter Fächer von vormals fünf Standorten an einem zusammenzubringen. Im selben Jahr wurde ein zweistufiger Realisierungswettbewerb ausgeschrieben. Die Universität forscht zu Themen wie Nachhaltigkeit und Energieeffizienz und wünschte sich einen Bau mit „ökologischer Modellhaftigkeit“: Der Anspruch der Ausschreibung an entsprechende Konzepte und Erfahrungsnachweise war hoch. Zu hoch; ein erster Platz wurde nicht vergeben.

Das neue Mehrfachinstitut sollte aber noch weitere Kriterien erfüllen: Es ist nicht allein Studierenden vorbehalten, sondern richtet sich mit Veranstaltungen wie Ausstellungen und Vorträgen sowie einem gastronomischen Angebot und den entsprechenden Flächen gezielt auch an die Öffentlichkeit. Den Gedanken der öffentlichen Universität haben die Architekten des Dresdner Büros CODE UNIQUE in ihrem Entwurf aufgegriffen und waren damit in dem Wettbewerb mit dem zweiten Platz erfolgreich. Sie richteten das zweiflügelige Gebäude parallel zur Straße und als leicht geknickten Strang zur Wasserkante aus. Zwischen die beiden langgestreckten Riegel stellten sie eine beinahe haushohe Glashalle als verbindendes Element.

Die Halle verknüpft nicht nur den südlichen und nördlichen Gebäudeteil, sondern ist auch in Ost-West-Richtung als öffentliche Passage durchquerbar. Entsprechend verteilten die Architekten die öffentlichen Nutzungen wie eine Mensa/Caféteria und Ausstellungsflächen im Erdgeschoss. Terrassenflächen bilden den Übergang zum Kai, die Bibliothek über drei Etagen richtet sich zur Stadt. Eine markante, schwarze Treppe führt in ein weiteres Foyer im 1. Obergeschoss. Es dient als Verteiler zur Aula, zu Hörsälen und Bereichen für sogenanntes freies Arbeiten und erweitert bei Bedarf durch Schiebewände die Aula. In den Geschossen zwei und drei teilen sich dann die Funktionen zwischen den beiden Flügeln klar auf: Im Norden liegen Labore, im Süden Seminarräume, die offen oder auch voneinander abgetrennt nutzbar sind. Im vierten und im fünften des um ein Geschoss höheren Nordriegels liegen Büros. Insgesamt ist das Raumkonzept auf den engen Austausch zwischen den Fachdisziplinen ausgelegt.

Durch den Wechsel von hellen Putz- beziehungsweise Brüstungsflächen und dunklen Glasanteilen kommt ein schwarzweiß gestreiftes Gesamtbild zustande. Insgesamt sei sich der Entwurf von der Wettbewerbs- zur Realisierungsphase ziemlich treu geblieben, sagen die Architekten. Allerdings zurrten die Bauherren während des Bauprozesses die Kostenschraube fester – das vorgesehene Recyclingglas für die Fassade und Photovoltaikmodule als Brüstungen entlang der wasserseitig verlaufenden Balkonstege wurden gestrichen. Die Dreifachverglasung als Teil des Energiekonzepts hingegen blieb.

Beton

Im Inneren spielt das Gebäude mit einer Hauptnutzfläche von 14.000 Quadratmetern seine Stärke aus: Die meisten Wandflächen bestehen aus glattem Sichtbeton; nur wenige Stützen verstellen den Blick durch die großzügigen Räume, die von Stahlbeton-Hohlkörperdecken überspannt sind.

Durch Betonkernaktivierung, einem eingegossenen Rohrsystem, durch das kaltes oder warmes Wasser zirkuliert, tragen die Decken im Sommer wie im Winter zur Raumtemperierung bei. Um diesen Effekt zu steigern, wurde weitgehend auf eine Verkleidung der Decken und Wände verzichtet  Damit verbinden sich ökologische Aspekte mit der wirtschaftlichen Gesamtbilanz des Gebäudes, zu der der Betonrohbau einen Beitrag leistet, nicht darum. Für die Architekten verbindet sich mit dem Einsatz von Beton auch als Oberflächenmaterial zudem weitaus mehr als Überlegungen der Energie- oder Kostenffizienz.„Wir mögen Beton, weil er ein wahrhaftiges Material ist“, “, sagt einer der Bürogründer von CODE UNIQUE, Volker Giezek. „Beton weist eine experimentelle Optik auf, unterstützt den laborhaften Charakter und ist ein strapazierfähiges Material.“

Quelle

Text: Christina Gräwe für EINSATEAM

Bildnachweis: Robert Gommlich, Dresden

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