Fernab der Standards

Gästehaus Mond auf Sri Lanka

Architekt

Atelier Abraha Achermann, Zürich

Bauherr

Gästehaus Mond, Hiriketiya

Projektbeteiligte

Nandor Zahnd (Mitarbeit Architekturbüro)

Jahr

2019

Ort

Sri Lanka, Dikwella, Hiriketiya Rd

Beschreibung

Holzläden statt Verglasungen, eine Dachterrasse mit Cafébar und ein Innenhof, in den der Monsunregen ungehindert einfallen kann: Das kleine Gästehaus Mond in Hiriketiya im Süden Sri Lankas ist in seiner Gestaltung ein Gegenentwurf zu den wetterfest eingepackten Wohnhäusern, in denen die meisten der Urlaubsgäste zu wohnen pflegen.

Der Entwurf für das archaisch anmutende Boutiquehotel stammt von dem Zürcher Büro Abraha Achermann, geplant wurde es für ein Schweizer Auswandererpaar nahe der Bucht von Hiriketiya. Nach Norden grenzt das Haus an ein Nachbargebäude, sodass sich der Bau in diese Richtung komplett geschlossen zeigt. Der Zugang erfolgt von Osten, wo auch eine schmale Straße verläuft. Beton und Holz sind die prägenden Materialien des kleinen Gästehauses.

Mondsüchtige willkommen
Ein charakteristisches Motiv ist der Kreis: Er findet sich im Grundriss als Nische und Aussparung und bestimmt in der Ansicht die Geometrie der kleineren Öffnungen. Das einfallende Licht zeichnet die Form auf den Oberflächen nach, was dem Namen des Gästehauses – zusammen mit den kreisrunden, zum Teil hinterleuchteten Spiegeln, die sich in verschiedenen Bereichen des Hauses finden – Nachdruck verleiht.

Durch den Monsun
Die gleichbleibend hohen Temperaturen auf der Insel erlauben die Verschränkung von Innen- und Außenräumen. Den Witterungseinflüssen – zu diesen gehört vor allem der Monsun, der im Süden Sri Lankas von Mai bis September große Regenmassen erwarten lässt – setzt das Haus kaum Barrieren entgegen. Stattdessen sorgen verschieden hohe Niveaus dafür, dass das Wasser wieder abfließen kann.

Stufen und Schwellen
Während die vier Gästezimmer etwas höher liegen, ist der Innenhof abgesenkt und mit einer seitlichen Rinne ausgestattet; die Duschen sind zur Veranda hin orientiert und nur durch Klappläden von dieser getrennt. Diese erlauben zusammen mit den drehbaren Holzlamellen vor dem Schlafbereich die komplette Öffnung der Hotelzimmer nach Süden.

Vom Foyer und vom Innenhof aus führen Außentreppen hinauf zur Dachterrasse, die als Cafébar genutzt wird und auch für Gäste offensteht, die nicht im Hotel nächtigen. Eine erhöhte Kanzel erlaubt über Eck die Aussicht auf Küste und Ozean.

Beton

Abenteuerlich einfach
Bauherrschaft und planendes Architekturbüro stammen aus der Schweiz – der dortige Sichtbeton genügt in der Regel höchsten Qualitätsansprüchen. In Sri Lanka hingegen hat diese Bauweise keine Tradition, Wissen und Erfahrung dazu waren bei den Bauarbeitern und Handwerkern dementsprechend kaum vorhanden.

Als „abenteuerlich“ bezeichnen Daniel Abraha und Stephan Achermann daher das Vorhaben, das Gästehaus in sichtbarem Beton auszuführen. Die Bauleitung übernahm der Dorfarchitekt von Hiriketiya, die kreisrunden Schalungen wurden aus gebogenen Stahlplatten vom Schlosser vor Ort gefertigt.

Zeugnis der Umstände
Das Haus entstand in vielen kleinen Betonierabschnitten in Ortbeton und zeigt deutlich die Spuren des Bauprozesses. Die sehr rohen und oft verfärbten Oberflächen wurden nicht kosmetisch behandelt, sie bilden eine archaisch anmutende monolithische Hülle, die mit dem rötlichen Holz der Klappläden und drehbaren Lamellen harmoniert.

Im Innenhof und im Bereich der vorgelagerten Veranda wurden Natursteinplatten im Polygonalverband verlegt; die meisten anderen Böden sowie die Treppen und Sitzbänke ließ das Planungsteam in Beton erstellen und abschließend bis aufs Korn schleifen. Für die gewünschte Anmutung der Oberfläche wurden beim Gießen einige besondere Steine per Hand eingestreut. -chi

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Rasmus Norlander, Zürich (Fotografien); Atelier Abraha Achermann, Zürich (Pläne)

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