Fein aufgeraut

Bürgerdienste der Stadt Ulm

Architekt

Bez + Kock Architekten Generalplaner, Stuttgart

Bauherr

Stadt Ulm, Zentrales Gebäudemanagement

Projektbeteiligte

Ernst² Architekten, Ulm (Bauleitung); Drees & Sommer, Ulm (Projektsteuerung); wh-p Ingenieure, Stuttgart (Tragwerksplanung)

Jahr

2018

Ort

Ulm, Olgastraße 66

Beschreibung

Einen neuen Reisepass beantragen, den Wohnsitz ändern oder ein Gewerbe anmelden – bisher hatte die Bürgerschaft der Stadt Ulm für derartige Vorhaben in ihrer Stadt unterschiedliche Anlaufstellen. Mit den neuen Bürgerdiensten ist nahe dem Hauptbahnhof nach einem Entwurf des Stuttgarter Büros Bez + Kock Architekten ein Gebäude entstanden, in dem die entsprechenden kommunalen Dienstleistungen zentral gebündelt sind.

Die Bürgerdienste reihen sich ein in eine Folge prägnanter Bauten entlang der Olgastraße, die in ihrem Verlauf die mittelalterliche Stadtmauer nachzeichnet. Das Gebäude setzt sich zusammen aus einem zweigeschossigen flachen Volumen und einem fünf Stockwerke hohen Turm, der im Nordosten auf dem Flachbau sitzt und etwa die Hälfte von dessen Grundfläche einnimmt. Die Fassade lässt diese Aufteilung, die auch im Inneren spürbar ist, kaum erkennen. Vielmehr erscheinen die Obergeschosse durch die strenge Gliederung mit hochrechteckigen Öffnungen als Einheit, auch wenn die erste Etage höher ausgebildet ist, sodass dezent ein Piano nobile angedeutet wird.

Hallenartige Wirkung
Gemeinsam mit der benachbarten Handwerkskammer begrenzt der Neubau einen kleinen Platz, von dem aus der Zugang zum Gebäude erfolgt. Ein Foyer mit Informationsschalter bietet den Besuchenden einen zentralen Anlaufpunkt. Dahinter öffnet sich ein zweigeschossiger Luftraum, der Erdgeschoss und erstes Obergeschoss miteinander verbindet. Eine offene, leicht schräg in das Volumen gestellte Treppe und umlaufende Galerien lassen den Innenraum wie eine Halle erscheinen. In der Mitte des Raums sowie entlang der Brüstungen befinden sich die Wartebereiche. Die Beratungstresen sind rund um diese Zonen angeordnet. Weiß lackierte, vom Schreiner gefertigte Möbel und eine abgehängte Decke aus feinem Metallgewebe lassen die offenen Räume hell und einladend wirken. Der rote Filz der Sitzpolster und Akustikflächen bringt Farbe und Weichheit ins Spiel. Über transluzente Dachflächen gelangt Tageslicht in diesen hochfrequentierten Bereich des Bauwerks.

Lufträume als verbindendes Element
Im fünfgeschossigen Turm befinden sich die Abteilungen mit weniger Publikumsverkehr. Die einzelnen Stockwerke sind über Lufträume miteinander verbunden, wobei diese keinen durchgehenden Raum bilden, sondern nur in jedem zweiten Geschoss an derselben Stelle zu finden sind. Auf der obersten Etage wurde eine Dachterrasse mit Blick über die Ulmer Altstadt bis hin zum Münster realisiert. Während dort die Stadt, wie sie heute ist, ins Bewusstsein rückt, wird im Erdgeschoss die Vergangenheit des Ortes inszeniert: Teile der historischen Stadtmauer, die während der Bauvorbereitung geborgen werden konnten, sind dort einige Meter über ihrem Fundort ausgestellt.

Beton

Lokale Körnung und handwerkliche Bearbeitung
Die Außenwände sind zweischalig in Ortbeton ausgeführt, die äußere Schale wurde einhäuptig gegen die Glasschaumdämmung – beziehungsweise die davor platzierte Schalungsmatte – betoniert. Durch die Gitterstruktur konnte die Hülle ohne sichtbare Bewegungsfugen hergestellt werden. Die verschieblich auf unterirdischen Konsolen gelagerte Fassade ist selbsttragend und nur punktweise am Rohbau rückverankert.

Die äußere Schale misst 22 Zentimeter, insgesamt ist die Außenwand fast 60 Zentimeter dick. Es ergeben sich tiefe Laibungen, die sich nach innen leicht verjüngen. Dem als Sichtbeton ausgeführten Luftporenbeton wurde eine Gesteinskörnung aus Ulmer Weiß, einem hochreinen, leicht beigefarbenen Kalkstein, der in der Nähe von Ulm gewonnen wird, beigegeben. Nach dem Aushärten ließ das Planungsteam die Fassade von einem Steinmetz in handwerklicher Arbeit vollflächig stocken, die Kanten entlang der Fensteröffnungen wurden scharriert. Die Gebäudehülle erscheint dadurch aufgeraut, das Juragestein wird an der Oberfläche sichtbar. Abschließend wurde die helle Fassade mit einer Anti-Graffiti-Beschichtung versehen.

Den Innenraum gliedern zwei Betonkerne, die – wie die offene Treppe und die Brüstungen – ebenfalls mit gestockter Oberfläche ausgeführt wurden. Als Bodenbelag setzte man im Erdgeschoss einen geschliffenen Terrazzo ein, dem das Planungsteam wiederum örtlich gewonnenes Juragestein beimischen ließ. Der Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer und die Umrisse eines Pulverturms werden durch dunklere Bereiche im Terrazzoboden dezent markiert.

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Fotos: Brigida González, Stuttgart; Pläne: Bez+Kock Architekten, Stuttgart

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