Die Landschaft fortschreiben

Besucherzentrum des Yorkshire Sculpture Park in West Bretton

Architekt

Feilden Fowles, London

Bauherr

Yorkshire Sculpture Park

Projektbeteiligte

Jonathan Cook Landscape Architects, London (Landschaftsarchitektur); Engineers HRW, London (Tragwerksplanung); William Birch and Sons, York (Bauunternehmen); Turner & Townsend, Leeds (Projektmanagement); Grey Matter Concrete, London (Betontechnologie, Nachbehandlung)

Jahr

2019

Ort

Yorkshire Sculture Park (YPS), West Bretton, Wakefield WF4 4LG

Beschreibung

Englische Landschaftsgärten sind schon an sich einen Besuch wert. Auf dem weitläufigen Areal um die Bretton Hall, einem ehemals herrschaftlichen Anwesen, bietet auf 200 Hektar der Yorkshire Sculpture Park einen zusätzlichen Anziehungspunkt. Auf der Fläche, die in etwa der des Tiergartens in Berlin entspricht, sind zahlreiche Skulpturen britischer und internationaler Kunstschaffender zu sehen. Zudem wurden in dem 1977 eröffneten Skulpturenpark – damals der erste im Vereinigten Königreich und heute noch einer der größten Europas – im Laufe der Jahrzehnte einige Galerien und weitere kleine Bauten geschaffen, die die Ausstellungsfläche ergänzen und den Besuchenden wettergeschützte Räume zur Rast anbieten.

Die letzte Ergänzung ist ein Besucherzentrum auf der Ostseite des Parks (aufgrund seines Hauptsponsors The Weston genannt). Das vom Londoner Büro Feilden Fowles geplante Gebäude sitzt auf der Fläche eines ehemaligen Steinbruchs und ist teilweise in die Landschaft eingegraben. Zur Eingangsseite hin, auf der auch die Zufahrtsstraße und der Parkplatz zu finden sind, zeigt sich der eingeschossige Bau weitgehend verschlossen und wirkt fast wie eine Begrenzungsmauer. Zum Skulpturenpark hin ist die Hülle des Gebäudes konkav gebogen, der Restaurantbereich ist als geschosshoch verglaste Holzkonstruktion ausgeführt. Der Blick reicht hier bis zu der auf der anderen Seite des Areals gelegenen Bretton Hall.

Hinter dem mittig gelegenen Eingang passieren die Besuchenden den Museumsshop und die Sanitäranlagen. Im nördlichen Teil des Gebäudes liegt ein Galerieraum, der als Halle mit Sheddach konzipiert wurde, das über das eingeschossige Volumen hinausragt. Im Südwesten findet sich das zweiseitig verglaste Restaurant mit Terrasse, das in hellen Farben gestaltet ist und dank der leichten Konstruktion an einen Wintergarten erinnert. Die Küche ist teilweise einsehbar und ebenso wie die Personalräume im massiven Teil des Gebäudes untergebracht.

Beton

Geschichtet, nicht gestampft
Die harmonische Einbindung in die umgebende Landschaft war für das Planungsteam die Grundlage für die Gestaltung des Besucherzentrums. Textur und Farbe des Betons, der für den Bau der geschlossenen Fassadenteile verwendet wurde, nehmen dabei Bezug auf den Stein, der an diesem Ort ehemals abgetragen wurde, sowie die in unmittelbarer Nähe sichtbaren Gesteins- und Erdschichten. Wären die Fugen zwischen den Stahlrahmenschalungen nicht ablesbar geblieben, könnte man aufgrund der Schichtung an Stampfbeton denken.

Um die gewünschte Anmutung zu erreichen, experimentierte das Planungsteam ausgiebig mit unterschiedlichen Rezepturen, bei denen die Zugabe an Pigmenten und die Gesteinskörnung variiert wurde. Als Körnung verwendete man dabei lokale Gesteine wie Kalkstein, Granit und Sandstein. Die Schalung wurde zudem mit einem Verzögerer behandelt, um während des Abbindeprozesses das Aushärten des Zementleims an der Oberfläche zu verhindern. Anschließend wurde der Beton in Schichten eingebracht. Nach dem Ausschalen ließ das Planungsteam die Oberfläche dann mit einem Hochdruckreiniger bis zu zwei Millimeter tief auswaschen, wodurch der Zementleim entfernt und die Gesteinskörnung freigelegt wurde.

Entstanden ist eine raue Oberfläche aus feingewaschenem Beton mit farblich abgestuften Schichten in leicht unterschiedlichen Brauntönen – eine Textur, die wirkt, als sei sie mit einem Messer aus der umgebenden Landschaft herausgeschnitten worden. Im Kontrast dazu steht der Galerieraum, der in hell pigmentiertem Beton verwirklicht wurde. Während die Wände glatte Oberflächen zeigen, die im unteren Teil für die Ausstellungen weiß bekleidet werden können, prägt die geschwungene Konstruktion des Sheddachs der Abdruck von dünnen, rau gesägten Holzbrettern.

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Peter Cook, London

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