Titanweiß pigmentierter Sichtbetonkubus

Ateliergebäude in Berlin-Moabit

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OberflächeBewehrungDämmungSchalungTitandioxydTransportbeton

Architekt

Augustin und Frank, Berlin

Bauherr

Katharina Grosse, Berlin

Projektbeteiligte

Pichler Ingenieure, Berlin (Tragwerksplanung); Studio Dinnebier, Berlin (Lichtplanung)

Jahr

2007

Ort

Berlin, Lehrter Straße 57

Konstruktionsmerkmale

Stahlbetonkonstruktion mit Sichtbetonwänden

Besonderheiten

Transportbeton mit titanweißer Pigmentierung

Beschreibung

Das Ateliergebäude der Künstlerin Katharina Grosse befindet sich auf einer ehemaligen Militärschneiderei in Berlin Moabit. Die Umgebung ist stark von preußischer Backsteinarchitektur geprägt, deren Bauten klar gegliedert und mit Sandsteinintarsien versehen sind. Den beständigen und präzise ausgeführten Bestandsgebäuden setzten die Architekten Augustin und Frank einen klaren Sichtbetonkubus entgegen. Für sie kam nur dieses Material in Frage, um einen Dialog mit dem Bestand einzugehen.

Exakt in die vorhandenen Grundstücksgrenzen eingepasst, entwickelt sich der quaderförmiger Block, der auf den Fundamenten des Vorgängerbaus gründet. Der nicht unterkellerte Bau ist mit einer denkmalgeschützten Bestandsmauer verzahnt, die gleichzeitig die Gebäudeflucht definiert. Seine Fassaden sind an bestimmten Stellen mit Glasflächen oder Lüftungsöffnungen versehen. Diese passen sich nicht an die umgebende Fassadengestaltung an sondern ergeben sich aus der jeweiligen Funktion. Lediglich die Farbgebung des Betons korrespondiert mit den gelben Sandsteinintarsien der Nachbargebäude.

Im Inneren des Gebäudes sind zwei 5,60 m hohe Raumvolumen übereinander angeordnet. Betrachtet man den Grundriss, betritt man das Gebäude im Erdgeschoss mittig durch eine schmucklose Metalltür und steht direkt im Lager. Ein Vordach gibt es nur, wenn die Klappe über der Tür zufällig geöffnet wird und sich nach außen stülpt. Links vom Lager gelegen befindet sich die Bibliothek, rechts davon das Büro und der Wohnbereich der Künstlerin. Zwei gradläufige Treppenanlagen, jeweils an den Stirnseiten des Gebäudes führen nach oben ins lichtdurchflutete Atelier. Die Treppen unterscheiden sich in Detail und Farbe, unterstreichen aber die sachliche Ausbildung des gesamten Komplexes. Zwischen Lager und Atelier befindet sich zu Anlieferzwecken eine hydraulisch angetriebene Bodenklappe.

Für ihre großformatigen Arbeiten benötigt die Künstlerin viel Tageslicht und viel Wandfläche. Da sie für ihre Bilder Farben über Wandflächen, Böden, Fensteröffnungen und Decke hinwegsprüht, sind die Wände im Atelierinneren aus Gipskarton hergestellt. Sie lassen sich bearbeiten, benageln und jederzeit erneuern. Die Atelierdecke besteht aus Stahlträgern auf die eine Profildecke aus Stahlblech aufgelagert ist. Zwölf Oberlichter sind gleichmäßig in das Deckenfeld eingeschnitten.

Obwohl das Gebäude symmetrisch aufgebaut zu sein scheint, setzen sich die Privaträume von den "öffentlichen" Räumen durch die jeweiligen Fensteröffnungen, Ein- und Ausblicke und durch Farben wie pink, orange und olivgrün voneinander ab. Für den Bau des Ateliergebäudes standen insgesamt 1.200 Euro brutto pro Quadratmeter zur Verfügung.

Beton

Als reine Stahlbetonkonstruktion konzipiert, sind die Außenwände als Sichtbetonwände mit Innendämmung hergestellt. Verwendet wurde Transportbeton der Klasse C 25/30 mit einer titanweißen Pigmentierung. Als Wandschalung wurde eine konventionelle Rahmenschalung verwendet, auf deren äußere Schalhaut sägeraue Bretter unterschiedlicher Breite in einem von den Planern vorgegebenen Rhythmus genagelt wurden. Die Bretter der Schalung verlaufen horizontal und sind in Längen von ca. 4 m bündig besäumt. Die Arbeitsfugen der Betonierabschnitte fügen sich sowohl in horizontalen wie in vertikalen Brettstößen liegend, in das Schalungsbild ein. Das Ergebnis ist eine fugenlose, monolithische Außenschale, die von leichten Farbunterschieden im Beton überlagert wird.

Insgesamt wurden in einer unregelmäßigen Folge sechs Betonierabschnitte unter Verwendung der gleichen Schalelemente ausgeführt. Die Schalungsbretter wurden vor dem ersten Einsatz geschlemmt, um die Saugfähigkeit zu verringern. Dennoch entstanden durch den Einsatz Spuren in der Schalhaut zum Beispiel durch Faserabrisse. Sie lassen eine unregelmäßige raue Oberfläche entstehen, die unterschiedliche Lichtreflexionen erzeugt.

Zur Gebäudeaussteifung und teilweise zur Lastabtragung sind die Geschossdecken mit den Außenwänden verbunden bzw. auf diesen aufgelagert. Diese Auflager bestehen aus Edelstahl-Bewehrungsanschlüssen, die als ausklappbare Bewehrungen auf der Baustelle als Eigenkonstruktion hergestellt wurden. Sie wurden nur partiell eingesetzt, da die restliche Lastabtragung der Decken über Unterzüge und Stützen bzw. Wandscheiben im Gebäudeinneren erfolgt.

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Y. Kavermann, Berlin (1,2), U. Schmidt, Berlin (3,4)

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