19.03.2019

Podium „Betonwerkstein“

Auf den Ulmer BetonTagen 2019

Es ist seit Jahren ein fester Bestandsteil der Ulmer BetonTage: Das Podium „Betonwerkstein“ der Informationsgemeinschaft Betonwerkstein e.V. – kurz Info-b. Auch in diesem Jahr zeigte die halbtägige Vortragsveranstaltung eindrucksvoll, über welch enormes technisches, gestalterisches und vor allem innovatives Potential der Werkstoff Beton und speziell der Betonwerkstein verfügt.

„Innovation in Beton“ – unter diesem Motto fanden Ende Februar die diesjährigen Ulmer BetonTage statt. Exakt diese Thematik spiegelte sich auch beim Podium „Betonwerkstein“ wider, zu dem Martin Möllmann, Vorstandsmitglied der Info-b, zahlreiche Besucher im „Studio Stuttgart“ des Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Hauses willkommen hieß. Er konnte den Teilnehmern dabei ein breites Themenspektrum vorstellen, das von aktuellen und zugleich besonders spektakulären Betonwerkstein-Objekten in Darmstadt, Wiesbaden und München über die neue DIN 18500 „Betonwerkstein“ bis hin zur Meisterausbildung in Ulm reichte.

Aktuelle Premium-Architektur mit Betonwerkstein

Bei dem ersten der im Rahmen des Podiums präsentierten Objekte ist der Namen bereits Programm: das 2018 fertiggestellte „Merck Innovation Center“ in Darmstadt. Es besticht nicht nur mit seiner modernen Beton-Architektur, sondern dient gleichzeitig auch als Eingangsgebäude des gesamten Campus und als innovatives Forschungszentrum. Das von Henn Architekten in einer offenen Struktur mit geschwungenen Formen entworfene Gebäude sieht, wie der Fachplaner Dr.-Ing. Holger Alpermann von Bollinger + Grohmann Ingenieure aus Berlin erläuterte, eine räumliche Verknüpfung der weitgespannten Geschosse vor, um die Kommunikation und Zusammenarbeit der Mitarbeiter zu verstärken. Detailliert stellt der Referent den Prozess von den ersten Planungen und Berechnungen bis zur Ausführung vor und ging dabei speziell auf die Herausforderungen ein, die sich zum einen aus den schlanken Bauteilabmessungen bei gleichzeitig großen Spannweiten und zum andern aus den Sichtbetonanforderungen hinsichtlich der Rissbildung sowie der Lage der Arbeitsfugen ergaben.

Das zweite Projekt, das neue RheinMain CongressCenter (RMCC) in Wiesbaden, war bereits zum zweiten Mal Gegenstand des Ulmer Forums. Bereits im vergangenen Jahr präsentierte Dipl.-Ing. Ferdinand Heide vom gleichnamigen Architekturbüro aus Frankfurt am Main das Bauvorhaben, welches nicht nur in der hessischen Landeshauptstadt in vielerlei Hinsicht Maßstäbe setzt. Dies gilt auch für die Außenanlagen mit ihren Bodenbelägen, ihren Wasserbändern und Rasengevierten und zahlreichen Sonderteilen aus Betonwerkstein, die Landschaftsarchitekt Stefan Bitter von der Adler & Olesch (A&O) Mainz GmbH bei seinem Vortrag zu „Planung und Herstellung der Außenanlagen aus Betonwerkstein“ vorstellte. Unter anderem zeigte er, wie für das RMCC gemeinsam von A&O und der Fa. Rinn aus Heuchelheim eigens der „Wiesbadenstein“ entwickelt wurde - ein Stein, der mit seinen sechs Variationen farblich exakt mit der Fassade aus Muschelkalk und hellem Beton korrespondiert. Die Vorzone des Landesmuseums wurde mit dem gleichen Stein ausgeführt, so dass hier ein großzügiges Platzensemble entstanden ist.

Waren es in Wiesbaden die Außenanlagen, so stand beim dritten Beispiel aktueller Premium-Architektur, dem Einkaufzentrum „Forum Schwanthaler Höhe“ in München, die Betonfassade im Fokus, genauer: die „neue dünnen Fassaden in DUCON-Technologie“. Dr.-Ing. Stephan Hauser von der DUCON Europe GmbH & Co. KG in Darmstadt stellte dabei zunächst die DUCON-Technologie (DUctile CONcrete) vor, die einen ultra-hochfesten Beton mit einer räumlichen Mikroarmierung zu einem innovativen, duktilen und tragfähigen Hochleistungsbeton verbindet. Da die Materialeigenschaften je nach Anforderung einstellbar sind, findet er beispielsweise als Sicherheitsbeton sowie bei nachträglicher Bauwerksverstärkung Anwendung. Er kann aber auch - wie bei dem Münchner Projekt mit seinen dünnwandigen Fassadenelementen aus Weißbeton in Waschbetonoptik - als Architektur- und Designbeton eingesetzt werden, so Dr. Hauser. Perfekt ergänzt wurden seine Ausführungen von Harry Schwab, dem Inhaber der Schwab-Stein GmbH aus Horb. Ganz aus der Sicht des erfahrenen Praktikers berichtete er detailliert über die Herausforderungen und Besonderheiten bei der Herstellung der insgesamt 1.250 dünnwandigen, nur 30 mm starken Fassadenelemente mit einer Länge von 2,40 m und einer Breite bis zu 1,30 m. Sie reichten von der Entwicklung der Rezeptur, die Testproduktion und die Prozessoptimierung bei der Produktion über das Aushärten und Trocknen der Platten bis hin zum innerbetrieblichen Transport und der Lieferung auf die Baustelle.

Heute wichtiger denn je: Die Meisterausbildung

Dass all die anspruchsvollen Betonarbeiten auch stets die richtige fachgerechte Umsetzung brauchen – dies versteht sich eigentlich von selbst. Nicht selbstverständlich ist heute allerdings, dass man die notwendigen Fachkräfte überhaupt noch findet. Umso wichtiger ist daher das Thema Ausbildung. Zu den renommiertesten Institutionen, die seit über 75 Jahren für den passenden „meisterlichen Nachwuchs“ sorgen zählt die Meisterschule für Betonfertigteilbauer und Betonstein- und Terrazzohersteller in Ulm. Studiendirektor Steffen Klink, der die Meisterausbildung in Ulm leitet, machte deutlich, welch außerordentliche Zukunftsperspektiven sich aus einer Meisterausbildung, deren Inhalte stets an die neuesten Erkenntnisse angepasst werden, ergeben. Zahlreiche Anfragen nach Absolventen der Meisterschule zeigen, so der Referent, „den enormen Bedarf in der Branche und den aktuellen Mangel an praxisnahen Führungskräften“. Dabei, so Steffen Klink, „halten sich die Schulkosten dank der Ausbildung an einer staatlichen Fachschule sehr gering, insbesondere hinsichtlich der fundierten Ausbildung in kleinen Klassen und der hervorragenden technischen Ausstattung der Werkstätten“. Zudem sorgt der Förderverein der Bundesfachschule für Betonwerker dafür, dass die Meisterschüler kostenlos in den Genuss zahlreicher zusätzlicher Aktivitäten kommen – vom Besuch von Messen, Fachtagungen und Workshops über Werksbesichtigungen hin zu Unterstützung bei der Anfertigung des Meisterstücks.

Ein Blick auf die neue DIN 18500: Betonwerkstein

Last but not least bedürfen aber auch noch so meisterlich ausgeführte Betonwerksteinarbeit der entsprechenden (normen)rechtlichen Regelungen. Dipl.-Ing. Stefan Heeß von der Dyckerhoff GmbH aus Wiesbaden und Geschäftsführer der Info-b gab daher im Rahmen des Forums einen Überblick über den aktuellen Stand der neuen DIN 18500: Betonwerkstein. Selbst Mitglied im Normenausschuss beschäftigte er sich dabei insbesondere mit „Begriffe, Anforderungen, Prüfung und Überwachung“. Er stellte aber auch die grundsätzliche Frage, warum überhaupt eine neue DIN 18500 „Betonwerkstein“ benötigt wird. Als Gründe nannte Stefan Heeß unter anderem, dass in der neuen Norm die Oberflächenbearbeitungsarten geregelt werden, das Aussehen von Oberflächen hinsichtlich Rissbreiten und Abplatzungen definiert wird und Grenzabmaße und Ebenheitstoleranzen enger gefasst werden. Weiterhin ist es notwendig, in der Norm auch Terrazzo zu erfassen, der beispielsweise auch im Außenbereich eingesetzt wird und aktuell in der ATV DIN 18353 „Estricharbeiten“ nur unzureichend geregelt ist. Geplant ist, dass die neue DIN 18500 nach Veröffentlichung des Entwurfs und Behandlung der Einsprüche im Herbst 2019 erscheinen soll.

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