07.05.2020

Bauen am Tacheles Areal

Basis für weitere Entwicklung

Rund um das ehemalige Kunsthaus Tacheles entsteht in Berlin-Mitte auf Grundlage der historischen Struktur ein hochwertiges Stadtquartier. Inzwischen wurden auf der zweieinhalb Hektar großen Freifläche der komplexe Unterbau, der Keller und die Tiefgarage realisiert.

Lange hat das Areal rund um das Kunsthaus Tacheles mitsamt seinen Ausstellungsflächen unter freiem Himmel brachgelegen. Nun zielt ein städtebauliches Konzept darauf ab, eine der letzten großen Lücken in Berlin Mitte zu schließen und dabei den Genius Loci dieses besonderen Ortes zu wahren. Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron erarbeiteten einen Masterplan, der bis 2023 mit rund 85.000 Quadratmetern Gesamtnutzfläche einen außergewöhnlichen Ort für Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kunst und Kultur mitten in der Hauptstadt entstehen lassen soll. Die denkmalgeschützte Ruine des ehemaligen Kunsthauses mit der historischen Fassade, die als Zeugin der sprunghaften Geschichte überlebt hat, wird behutsam saniert in das Gesamtensemble integriert. Natürlich ist wieder kulturelle Nutzung geplant. Dies ist nicht nur Vorgabe des Bezirks, sondern entspricht auch den Vorstellungen des Architekturbüros Herzog & de Meuron und des Projektentwicklers pwr development.

Nach langem Vorlauf wird die Bebauung der zweieinhalb Hektar großen Freifläche zwischen Oranienburger und Johannisstraße nun mit Spannung erwartet. Fußläufig zur Friedrichstraße und dem bekannten Friedrichstadtpalast wird es „keine Rekonstruktion oder Simulation, sondern eine Interpretation des historischen Fußabdrucks“ geben, wie Architekt Pierre de Meuron es formulierte. Dabei wird die historische Stadtstruktur mit ihren Blockrändern aufgegriffen. In Anlehnung an die noch vor der Wende abgerissene Bebauung rund um die ehemalige Friedrichstraßenpassage entsteht folglich ein Stadtquartier, das mit offener Durchwegung und drei begrünten Plätzen ins Blockinnere einlädt.

Basis für neues Stadtquartier

Um die Tiefe der Geschichte des Orts wieder erlebbar zu machen und sie gleichzeitig weiterentwickeln zu können, musste zunächst der komplexe Baugrund vorbereitet werden. Im Frühjahr 2020 sind alle Rohbauarbeiten in den Untergeschossen des gesamten Stadtquartiers abgeschlossen. Bereits 2017 war mit dem Aushub begonnen worden, der 280.000 Kubikmeter umfasste; anschließend wurde die Grube mit Spundwänden gesichert. Allein der Bau bis Oberkante Bordstein, der von der Köster GmbH ausgeführt wird, ist auf dieser Baustelle in innerstädtischer Lage eine logistische Meisterleistung. Als tragende Basis des Stadtquartiers dient eine in Teilen bis zu drei Meter dicke Bodenplatte. Bis zu drei Kellergeschosse und die Tiefgarage, die Stellplätze für das gesamte Quartier ebenso wie Platz für Fahrräder und Lastenräder bietet, sind als weiße Wanne ausgebildet. Heidelberger Beton produzierte für das ausführende Bauunternehmen Köster diverse Betone unterschiedlichster Güten, vor allem im Betonwerk Neukölln. Bei hohem Bedarf konnte auch auf die nahe gelegenen Werke Lindenberg, Rudow und Staaken zurückgegriffen werden. Der Beton wurde in den benötigten Güten C50/60; C40/50; C35/45; C30/37; C20/25 produziert, bis auf letztere sind alle für wasserundurchlässige WU-Betone geeignet. Überwiegend kamen bis zur Fertigstellung der Untergeschosse die Güten C30/37 und C35/45 zum Einsatz, die Betone höherer Festigkeitsklassen C50/60 und C40/50 wurden in tragenden Bauteilen und Stützen benötigt. Damit der Beton über Betonpumpen und weite Strecken an den jeweiligen Einbauort geleitet werden konnte, wurde er mit 16er Korn produziert. Insgesamt sind bis April 2020 im Untergrund des Tacheles-Areals 50.000 Kubikmeter Beton in Liefergemeinschaft mit Berger Beton verbaut worden. Der gesamte Zement für die Baumaßnahme unter Bordsteinkante kam aus dem Zementwerk von HeidelbergCement in Königswusterhausen und umfasste insgesamt 17.000 Tonnen.

Abgestimmter Bauablauf

Aufgrund der erforderlichen Mengen an Baumaterial, der beengten Innenstadtlage sowie den jeweiligen Verkehrsbedingungen war eine genau abgestimmte Ablaufplanung unabdingbar. „Köster bestellt in der Regel eine Woche im Voraus, das Lieferwerk entscheidet ad hoc, je nach Verkehrslage, ob dem frisch gemischten Beton Verzögerer beigefügt werden muss oder nicht“, beschreibt Hans Peter Scheffold von Heidelberger Beton den Ablauf. Laut Norm muss der Beton 90 Minuten nach Wassereingabe verbaut werden, bei einer Fahrtzeit von 40 bis 60 Minuten bleibt den Bauarbeitern nicht viel Spielraum. „Bei einem erforderlichen Lieferfluss von 48 Kubikmetern pro Stunde kommen die Betonmischer an manchen Tagen mit acht Kubikmetern befüllt, fast im Minutentakt zur Baustelle“, meint der Betonfachmann. Da ist es auch absolut erforderlich, dass der angelieferte Transportbeton sofort über die entsprechenden Betonpumpen bis zu seinem Einbauort geleitet wird.

Betonpumpen im Einsatz

So stehen grüne Pumpen mit unterschiedlichen Reichweiten, abhängig vom Bauablauf, tage- oder wochenweise vor Ort. „Bei der Betonage Anfang Oktober 2019 pumpte eine unserer Autopumpen, die M 24, den Beton vom Straßenniveau aus 20 Meter tief in den Baugrund. Von dort geht es über Rohrleitungen weiter zur nächsten Betonage oder, wenn nötig, bis zum mobilen Betonverteiler“, schildert Andreas Keiser von Heidelberger Betonpumpen Region Nord-Ost diesen Ablauf. Der mit vier Auslegern bestückte Verteiler lenkt den Beton nochmals weiter in verschiedene Richtungen. Der hydraulische Betonverteiler BDH 16 Z4 stammt vom dänischen HeidelbergCement-Unternehmen Pumps and Trucks. Dieses große Spezialgerät ist eine Leihgabe des dänischen Unternehmens der HeidelbergCement AG, Pumps and Trucks. Im Zuge der internationalen Kooperation wird bei Bedarf neben Know-how hin und wieder auch schweres Gerät über Monate zur Verfügung gestellt. „Insgesamt können wir mit Unterstützung der Pumpen den Beton über eine Strecke von 150 Metern führen“, so Andreas Keiser.

Die komplexen Arbeiten im Untergrund haben die Basis für ein rund um die Uhr öffentlich zugängliches Quartier geschaffen. Sieben verschiedene, sehr individuell gestaltete Wohnhäuser und drei Bürogebäude entstehen, belebt von Restaurants, Cafés und Einzelhandel. Gegenüber bisherigen Planungen hat der Projektentwickler den Wohnanteil deutlich auf zirka 35% der Gesamtfläche erhöht. Ziel ist, an diesem Standort einen lebendigen Stadtraum zu schaffen, der – wie es die Architekten Herzog & de Meuron formulierten – „sowohl der Gemeinschaft, als auch dem Individuum dient.“

Objektsteckbrief

Projekt: Stadtquartier AM TACHELES, Bau von Keller und Tiefgaragen bis 2020
Projektentwickler: pwr development GmbH, Berlin
Architekten Untergeschoss: RKW Architektur +, Düsseldorf
Städtebau: Herzog & de Meuron, Basel
Architektur: Herzog & de Meuron, Basel mit Aukett & Heese, Berlin; Grüntuch Ernst Architekten BDA, Berlin; Brandlhuber + Muck Petzet Architekten, Berlin
Bauunternehmen UG: Köster GmbH, Osnabrück
Betonproduzenten UG: Heidelberger Beton in Liefergemeinschaft mit BERGER HOLDING SE, Passau
Produkt: insgesamt 17.000 t Zement, Lieferwerk Königswusterhausen, Beton von Heidelberger Beton GmbH, Transportbetonwerk Neukölln in den Güten C50/60; C40/50; C35/45; C30/37; C20/25 Körnung 0,16
Fertigstellung UG: 2020

Quelle: HeidelbergCement in Deutschland
Fotos: Björn-Arne Eisermann/HeidelbergCement AG

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