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28.08.2026

Gebäudehülle aus Leichtbeton

Das neue Bürgerhaus in Kippenheim

Das neue Bürgerhaus in Kippenheim verdeutlicht das Potenzial monolithischer Bauweise: Die Gebäudehülle aus Leichtbeton übernimmt zugleich tragende, wärmedämmende und gestalterische Funktionen. Entstanden ist ein langlebiges, multifunktionales Gebäude, das sich als zentraler Treffpunkt der Gemeinde etabliert hat.

Der eingeschossige Neubau bildet am nördlichen Ortseingang von Kippenheim einen stimmigen Übergang zwischen Ortsbebauung und den Schwarzwälder Vorbergen. Seine klare Formensprache verleiht ihm eine prägnante Präsenz und macht ihn zugleich zum neuen, identitätsbildenden Entrée der rund 5.500 Einwohner zählenden Gemeinde. „Wir haben das Gebäude bewusst quer zur Ortseinfahrt positioniert – als Auftakt, mit einer starken Breitseite“, erläutert Architekt Marc Lösch von K9 Architekten – Borgards.Lösch.Pichl.Piribauer aus Freiburg.

An gestiegenen Anforderungen orientiert

„Ausgangspunkt für das im Frühjahr 2023 feierlich eingeweihte Gebäude war der Zustand der bisherigen Festhalle“, erläutert Kai Melder, Bauamtsleiter der Gemeinde Kippenheim. Dieser im Ortskern gelegene Bau entsprach weder funktional noch technisch den heutigen Anforderungen und konnte längst nicht mehr den Platz bieten, der für Feierlichkeiten wie Weinfest oder Fastnacht benötigt wird. Gleichzeitig bot der neue Standort am Ortsrand der Gemeinde die Möglichkeit, den Nutzungsumfang zu erweitern und das Gebäude städtebaulich markant zu positionieren.

Das Bürgerhaus vereint heute unterschiedlichste Funktionen unter einem Dach. Mittelpunkt ist ein 360 Quadratmeter großer Festsaal für Konzerte, Theateraufführungen, Vereinsveranstaltungen und private Feiern. Ergänzt wird das Raumprogramm durch einen Seminarraum, die Gemeindebibliothek sowie Küche, Garderobe, Stuhllager und Sanitärbereiche. „Wir wollten ein Gebäude für möglichst viele Anlässe – für Kultur, Vereine, Sitzungen und Feste“, erklärt Kai Melder. Arkaden und der vorgelagerte Festplatz erweitern das Nutzungskonzept in den Außenraum und schaffen die Voraussetzungen für groß angelegte Feste, die innen wie außen stattfinden können, unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Die architektonische Gestaltung orientiert sich bewusst an der umgebenden Landschaft. Das begrünte Dach folgt der Topografie der Weinberge und Hügel, während die Arkaden den Baukörper optisch gliedern. „Fast wie ein Tempel“, beschreibt Marc Lösch die Grundidee – ein öffentlicher Bau mit Würde, Klarheit und Dauerhaftigkeit.

Prägende Außenhülle aus Leichtbeton

Konstruktiv und gestalterisch prägend ist die monolithische Außenhülle aus Liapor-Leichtbeton. „Massiv, robust und zugleich nutzensadäquat“, so Marc Lösch. Die Außenwände wurden 65 bis 68 Zentimeter stark ausgeführt. Insgesamt kamen rund 205 Kubikmeter Liapor-Leichtbeton der Festigkeitsklasse LC12/13 bei einer Rohdichte von 1.200 kg/m³ zum Einsatz. „Für uns war der Baustoff wegen seiner immanenten Konsequenz attraktiv“, sagt Architektin Martina Westhauser von K9 Architekten. „Beispielsweise ist die Wärmedämmebene integraler Bestandteil der Wand, zusätzliche Dämmstoffe oder komplexe Anschlusslösungen entfallen. Das vereinfacht die Detailplanung erheblich. Und mit einem Lambda-Wert von 0,45 W/(m·K) erreichen wir eine für dieses Gebäude völlig angemessene Dämmung.“ Putz- oder WDVS-Fassaden kamen für die Architekten nicht infrage, da diese nicht nur zu empfindlich für die intensive öffentliche Nutzung gewesen wären. Ziel war ein dauerhaftes, massives Gebäude mit möglichst einfachen konstruktiven Details. Die Rohbauarbeiten führte die Wackerbau GmbH & Co. KG aus Offenburg aus. Die Herstellung und Lieferung des Leichtbetons übernahm die Hermann Uhl KG aus Schutterwald.

Gestalterische Freiheiten

Der Baustoff Leichtbeton bot den Architekten auch gestalterische Möglichkeiten: Während die Außenflächen mit einer glatten Sichtbetonstruktur ausgeführt wurden, erhielten die Innenflächen eine sägeraue Schalung, die mit den Holzelementen des Gebäudes harmoniert. Um den Bezug zur löss- und sandgeprägten Landschaft der Region herzustellen, wurde der Leichtbeton dezent eingefärbt – ein Prozess, der hohe Anforderungen an die Ausführung stellte. Umfangreiche Bemusterungen mit unterschiedlichen Schalungen, Schalölen und Betonrezepturen waren erforderlich, um die gewünschte Oberflächenqualität zu erreichen. „Die Herausforderung lag neben der konstanten Farbgebung auch in der gleichmäßigen Verteilung der Liapor-Kugeln, der Verdichtung sowie der Ausbildung scharfer Kanten. Das Ergebnis überzeugt: Die Außenwände erfüllen die Anforderungen der Sichtbetonklasse SB3“, sagt Projektleiter Kevin Steiner von Wackerbau. Um die Langlebigkeit zusätzlich zu unterstützen, wurde die Fassade nach der Fertigstellung hydrophobiert und mit einem Graffitischutz versehen. Die energetische Qualität des Gebäudes unterstützt – in Kombination mit einer Photovoltaikanlage auf dem begrünten Dach – den Nachhaltigkeitsanspruch der Gemeinde.

Im Gemeindeleben etabliert

Seit seiner Eröffnung im Frühjahr 2023 wird das Bürgerhaus intensiv genutzt und hat sich als Mittelpunkt des Gemeindelebens etabliert. „Das Gebäude genießt bei unseren Bürgern eine hohe Akzeptanz. Die Leichtbetonfassade wird als zeitlos modern wahrgenommen“, fasst Kai Melder zusammen. Und nicht zuletzt unterstreicht die Auszeichnung mit dem Hugo-Häring-Preis 2023 die architektonische Qualität des Projekts.

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