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Betonwellen

Wohnhäuser Lion-Feuchtwanger-Straße, Berlin

Architektur

FAR frohn&rojas, Berlin, Santiago de Chile, Los Angeles

Bauherr

Euroboden GmbH, München

Projektbeteiligte

Tragwerksplanung: IB Pasche, Leipzig
Bauphysik: AHW Ingenieure, Münster
Haustechnik: Kando Ingenieure GmbH, Berlin
Landschaftsarchitektur: Topotek 1, Berlin

Jahr

2025

Ort

Berlin, Lion-Feuchtwanger-Straße

Konstruktionsmerkmale

Robuste Struktur, flexible Räume

Besonderheiten

Serielle Bauweise aus rund 1.700 Betonfertigteilen

Beschreibung

Mit der Grunewald-Villa, die der jüdische Schriftsteller Lion Feuchtwanger von 1925 bis zu einer Vortragsreise 1932, die zum Exil wurde, bewohnte, hat die Bebauung in der nach ihm benannten Straße im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf nichts gemein. Hier dominieren entweder Einfamilienhausteppiche – oder Plattenbauriegel aus den 1970er und 1980er Jahren. Diesem eher monotonen Einerlei haben FAR frohn&rojas zwei weitere Zeilen hinzugesellt. Sie beziehen ästhetisch wie (stadt-)raumplanerisch eine neue Position und greifen gleichzeitig das serielle Bauen in der Nachbarschaft auf.

Die Generalprobe hatte das Team um Marc Frohn bereits 2019 mit dem „Wohnregal“ in Berlin-Moabit überzeugend abgeliefert: In wesentlich kleinerem Maßstab ist dort ein Wohngebäude entstanden, ebenfalls aus vorgefertigten Betonelementen, wie man sie üblicherweise im Industriebau einsetzt. Dieses Experiment setzt sich nun in aufgeweiteter Form fort und sorgt auf einer zuvor überbreiten Schneise für eine Nachverdichtung der Großwohnsiedlung Kaulsdorf-Nord. Zwischen den beiden einander gegenüberliegenden Zeilen bleibt ein länglicher Hof frei, der als Fortsetzung der grünen Achse zwischen Clara-Zetkin-Platz und Stadion Wuhletal lesbar ist. Mit der Breite eines der berlintypischen Gründerzeitstraßenzüge schafft er zusammen mit den Häuserzwillingen außerdem eine städtebauliche Korrektur.

Der Raum zwischen den Gebäuden ist geschickt organisiert: Das eigentliche Erdgeschoss bildet den gemeinsamen Sockel für beide Baukörper und ist halb ins Gelände eingegraben. Es beherbergt Stellplätze für Autos und Fahrräder. Durch runde Öffnungen fällt Licht nach unten, wachsen Bäume nach oben und verlaufen Treppen zu dem Plateau darüber. Diese halböffentliche Fläche wurde von Topotek 1 mit einem Bodenbelag und Möbeln in Tennisplatzrot als Spiel- und Begegnungsort gestaltet. Offene Treppen an den Kopfenden der Zeilenbauten führen zu Laubengängen, die wiederum die Wohnungen erschließen. Die abgerundeten Ausbuchtungen der Laubengänge sind als eine Art individuelle Balkone gedacht – ihre Form nimmt die Wellenbewegung der Pflanzbeete auf dem Plateau auf und bringt Schwung in die Fassaden. Vor dem Abstürzen bewahren filigrane Stahlnetze, die auch zu Rankhilfen werden können. Ganz anders hingegen zeigen sich die Häuser nach außen. Hier wechseln sich schachbrettartig Felder mit raumhoher Verglasung und Aluminiumelementen ab – ein ruhiges Gegenüber also für die benachbarte Bebauung.

Die 124, von zwei Seiten belichteten Mietwohnungen bieten derzeit 30 unterschiedliche Grundrissmöglichkeiten. Dieses Repertoire kann aber nach Bedarf mit wenig Aufwand erweitert werden, denn die Raumteilung erfolgte in Trockenbauweise. Es gibt zweigeschossige Maisonetten in den unteren beiden Etagen und eingeschossige Wohnungen unterschiedlicher Größe auf den vier Stockwerken darüber.

Beton

Das eigentlich Raffinierte des Ensembles ist die Einfachheit der baulichen Struktur: Rund 1.700 seriell produzierte Betonfertigteile wurden auf einem strengen Raster von 1,25 Metern zusammengesetzt. Das robuste Skelett sorgt für die große Raumflexibilität in den Wohnungen. „Eine solche Struktur kann zukünftig angepasst werden, ohne, dass ins Tragwerk eingegriffen werden muss. Diese Idee lässt sich mit Betonfertigteilen sehr gut umsetzen“, erläutert Marc Frohn. Und: „Viele der Elemente können zerstörungsarm voneinander getrennt und wiederverwendet werden“, beschreibt er einen weiteren Vorteil dieser Bauweise. Nicht zuletzt führte aber auch das Interesse am Nebeneinander des im Wohnungsbau noch recht ungewöhnlichen seriellen Betonbaus mit dem Vorgefundenen zu dieser Entscheidung. Marc Frohn sieht in dem Grundgedanken des Entwurfs eine Art Fortschreibung „der architektonischen Vorfahren, der Plattenbauten, von denen sich unser Skelettbau bei genauerer Betrachtung schon deutlich abgenabelt hat.“ 

Quelle

Christina Gräwe für EINSATEAM

Bildnachweis: Fotos: David Hiepler / Pläne: FAR frohn&rojas

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