Kunstlager Leinfelden-Echterdingen
Harmonie durch Kontraste
Architektur
Gabriele Glöckler, Stuttgart
Bauherr
JW Froehlich Vermögensverwaltung GmbH
Projektbeteiligte
Planung und Realisierung:
Gabriele Glöckler Freie Architektin BDA
Gabriele Glöckler,Stuttgart
In Cooperation mit:
Egger und Kolb Freie Architekten Part Gmbh
Christoph Burkhardt, Stuttgart
Planung Dachschale, 3-D Modellierung:
Stefan Robanus. Fenja Kanstinger,Stuttgart
Fachplanungen:
Tragwerksplanung:
sbp se - schlaich bergermann partner, Stuttgart
Fassadenplanung:
B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, Frankfurt
Energiekonzept:
Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart
Technisch Gebäudeplanung:
Transplan Technik-Bauplanung GmbH, Stuttgart
Jahr
2024
Ort
70771 Leinfelden-Echterdingen, Kohlhammerstrasse 20
Beschreibung
Kunstwerke weltberühmter Künstler in Kisten verpackt, eingelagert, ohne öffentlichen Zugang in beengten Räumräumlichkeiten – eine unbefriedigende Situation für die Kunstsammlung Froehlich. Ein Erweiterungsbau des bisherigen Kunstdepots in Leinfelden-Echterdingen gibt allen Kunstwerken der Sammlung in einem offenen Depot einen würdigen Platz: In einer großen Halle hängen die Exponate neben und übereinander, ergänzt von Skulpturen auf der Freifläche, in zwei weiteren kleineren Räumen finden Zeichnungen und Neon-Arbeiten ein neues Zuhause. Um den Kunstwerken Raum zu geben, besticht der Erweiterungsbau durch eine reduzierte Formensprache: große Fensterflächen, Sichtbeton und hohe Decken.(Ergänzung als Überleitung zum Dach:) Die kubische Formensprache orientiert sich an der umgebenden Bebauung .(Zentraler Entwurfsgedanke für das Dach war die Idee einer schwebenden Wolke über dem Gebäude.)Zentraler Entwurfsgedanke für das freigeformte , auf der Glasfuge schwebende Dach war die Idee das Gebäude gestalterisch weiträumig mit der umgebenden Landschaft zu vernetzten.
Die rund 350 zeitgenössischen Meisterwerke international bedeutender Künstlerinnen und Künstler haben aufwändige konservatorische Ansprüche an Klima, Licht und Schutz.
Der Sammler möchte seine Bilder der Öffentlichkeit zugänglich machen und Raum bieten für Veranstaltungen. Der Neubau schließt daher direkt an das 2009 fertig gestellte Bestandsgebäude der Stiftung an.
Präsentiert werden sollen die Bilder in einer sogenannten St. Petersburger-Hängung. Die dafür benötigte Wandfläche und die vorgegebene Grundstücksgröße haben einen Entwurf provoziert: fensterlos, in Erd- und Untergeschoss, Sichtbeton.
Um den verschiedensten Anforderungen einer Depotpräsentation von Kunst gerecht zu werden, sind introvertierte, geschlossene Räume entstanden. Die kubische Formensprache orientiert sich an der umgebenden Bebauung. Die Verbindung zum bestehenden Stiftungsgebäude ist als verglaste Halle gestaltet. Von dort führt eine skulpturale Freitreppe aus Beton hinauf in einen rundum verglasten Baukörper, auf dem das frei geformte Dach, der Schirmling aufliegt. Im Gegensatz zu den Depoträumen haben die öffentlichen Räume hinter einem „Glasvorhang” rundum Außenbezug.
Beton
Der mehrgeschossige Massivbau weist ein Untergeschoss, mit Technikflächen für Gaslöschanlage und lufttechnischer Zentrale sowie zwei großzügigen Depoträumen auf. Das ca. 6 Meter tiefe Untergeschoss, das vollständig angestaut werden kann, wurde als Betonkonstruktion C35/45 WU mit Frischbetonverbundfolie („gelbe Wanne“) ausgeführt.
Die zusammenhängende L-förmige, 6 Meter hohe Halle im Erdgeschoss wird von einer Betonkassettendecke – 10 bzw. 12m Spannweite, 70cm Bauhöhe – überdeckt. Die umlaufenden, zweischaligen Betonwände, bestehend aus 20 Zentimetern tragender Wand, 14 Zentimetern Kerndämmung und 20 Zentimtern Beton-Vorsatzschale, umschließen die Fläche. Alle Bauteile sind in C35/45 ausgeführt.
Über der Erdgeschossdecke befindet eine vollverglaste Veranstaltungsfläche, die von einem frei geformten Holztragwerk mit GFK-Verkleidung („Schirmling“) überdeckt wird. Alle drei Geschosse werden von einer zusammenhängenden Treppenanlage in einem Luftraum des Foyers verbunden. Die Treppe entwickelt sich um eine freistehende 16 Meter hohe Wand – 0,3x4,2 Meter im Grundriss. Die Podeste an den Wandenden und die einzelnen Stufen sind lediglich in der vertikalen Wand eingespannt.
Mit dem Konzept, die Sammlung in drei Depoträumen aus Sichtbeton in St. Petersburger-Hängung zu beheimaten und dafür auch das UG zu nutzen, entstand ein maximal kompakter Baukörper mit einem A/V Verhältnis von 0,31 (Depot). Dadurch wird die versiegelte Fläche auf dem Grundstück minimiert. Die kompakte Kubatur und die hochgedämmte tragende Gebäudehülle sorgen für eine Minimierung der Wärmeverluste.
Durch den doppelschaligen Wandaufbau aus Beton sind hohe thermische Massen im Raum aktiv. Dies sorgt für konstante klimatische Bedingungen und damit für die Robustheit des Systems. Die Erhaltung der konservatorischen Klima- und Lichtbedingungen ist energieintensiv. Das Energieversorgungssystem des Gebäudes ist daher so ausgelegt, dass durch den Einsatz von Geothermie auf effiziente Weise ausreichend Wärme- und Kälte lokal emissionsfrei erzeugt wird. Der benötigte Strom wird regenerativ durch Photovoltaik erzeugt, so dass ein klimaneutraler Betrieb erwartet wird.
Bildnachweis: Fotos: Edmund Sumner/ Pläne: Gabriele Glöckler
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