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Haus 4080, Karlsruhe

Skulptural, nachhaltig: Vertikales Wohnen auf engstem Raum

Architektur

LINKING ARCHITECTURE (Ulrike Fischer), Karlsruhe

Bauherr

Ulrike Fischer, Alexander Scheidel, Karlsruhe

Projektbeteiligte

Fachplanende
Tragwerksplanung: Pfeifer Interplan, Cottbus
Rohbau: C: Dupré Bau, Speyer
Beton-Stockarbeiten: Steinmetzbetrieb Miedl, Fürstenstein
Zimmer- und Dachdeckerarbeiten: Matthias Schwerdtfeger, Karlsruhe
Blechnerarbeiten: Blaublechnerei Trunk, Karlsruhe
Fensterbauer: Georg Schmiedle, Bruchsal
Gipser Tockenbau: Gebr. Schorpp, Durmersheim
Heizung/Lüftung/Sanitär: SANIMO, Karlsbad
Elektroarbeiten: Elektro Röckel, Karlsruhe
Gerüstbau: Kammerer, Stutensee
Schlosserarbeiten: Peter und Mann Metallbau, Karlsruhe
Sichtestrich: Sommerfeld, Limeshain
Schreiner Innenausbau: Schreinerei Ganninger, Ubstadt-Weiher
Schreiner Innenausbau Treppen: Schreinerei Vogel, Schaidt

Jahr

2023

Ort

Karlsruhe

Konstruktionsmerkmale

Wechselspiel von rauen und glatten Sichtbetonflächen

Besonderheiten

Nachverdichtung auf einem schwierigen Restgrundstück

Auszeichnungen

Badischer Architektur Preis BADAP 2024

Beschreibung

Wohnraum zu schaffen ist und bleibt ein bestimmendes Thema im Bauwesen. Die Antworten sind vielfältig. Manche davon verharren als Vision oder klingen doch seltsam hohl, wie großmaßstäbliche Projekte von Ländern und Kommunen, die vollmundig angekündigt werden – und dann zu Beginn der Realisierung bereits merklich geschrumpft sind. Andernorts wiederum überzeugen ganze neue Stadtquartiere. Im kleineren Maßstab sind es Aufstockungen von Flachdachsupermärkten oder Bürohäusern, die – oft verbunden mit einer klugen Bauweise und eigenen Ästhetik – als best-practise-Beispiele noch weit mehr die Aufmerksamkeit der Bauschaffenden und -verwaltenden finden sollten. Und dann gibt es da noch die mit dem scharfen Auge für kleine Restgrundstücke und dem Gespür dafür, wie man auch auf den ersten Blick unbebaubar erscheinenden Parzellen hohen Aufenthalts- und baukulturellen Wert abtrotzen kann.

So geschehen in Karlsruhe. Hier haben Ulrike Fischer (LINKING ARCHITECTURE) und Alexander Scheidel am Ende einer historischen Häuserzeile eine kleine Brachfläche als Baugrundstück für ihr eigenes Wohnhaus identifiziert. Dass gleich daneben das Gewerbegebiet anschließt und die Fläche lediglich 80 Quadratmeter umfasst, machte die Ausgangslage nicht einfacher. Aber zugleich spannender „für eine nachhaltige und zukunftsfähige Alternative zum Einfamilienhaus auf der grünen Wiese“, ist Ulrike Fischer überzeugt. Das Ergebnis gibt ihr Recht. Sie reduzierte die Grundfläche auf 40 Quadratmeter, denn wie viel versiegelte Fläche, Platzbedarf und Materialverbrauch für eine insgesamt dreiköpfige Familie angemessen sind, waren maßgebliche Aspekte für den Entwurf. Und so stapeln sich vier Etagen auf kleinem Raum übereinander. Wer sich nun enge und kleinteilige Räume vorstellt, irrt. Im Inneren entfaltet sich ein vertikales Wohnkontinuum mit fließenden Übergängen und dem spannungsvollen Wechsel zwischen niedrigen und hohen Räumen. Im Erdgeschoss öffnet sich mit kleinem Split-Level-Sprung der Küchen-Ess-Bereich. Über eine einläufige Treppe geht es weiter in die Beletage, in den eigentlichen Wohnraum. Der erhält (wie auch die anderen Etagen) nicht nur Licht von drei Seiten, sondern durch einen Luftraum zusätzliche Großzügigkeit. Es folgt ein flacheres Zwischengeschoss mit dem Elternschlafzimmer. Ganz oben im Dach ist das Kinderzimmer untergebracht.

Die eigenwillige Geometrie des fünfeckigen Grundrisses ist den Gegebenheiten des Orts geschuldet: Die Straßenverläufe und die angrenzende Bebauung beeinflussten die Baulinien, Fensterpositionen und die unterschiedlich geneigte Dachform des neuen Hauses. Es ist ein wohlwollender Nachbar geworden, der die bestehende Häuserzeile markant abschließt, die Proportionen wahrt und dennoch einen eigenständigen Charakter hat. Gelungene Stadtreparatur eben.

 

Beton

Um Nachhaltigkeit und Ästhetik zusammenzubringen, entschied sich die Architektin für knapp dimensionierte Außenwände aus Sichtbeton mit einer Innendämmung aus zu 60 Prozent wiederverwertetem Altglas. Den Baukörper hat sie skulptural behandelt: Raue und glatte Flächen wechseln sich ab. Erstere sind in einer handwerklichen Bearbeitung entstanden, nämlich durch das Stocken des Betons. Die Fenstereinfassungen und der Sockel hingegen bleiben glatt und erscheinen heller; das Motiv wiederholt sich an der Giebelseite mit dem Bullaugenfenster und bindet die Etagen zusammen. Durch diese unterschiedliche Bearbeitung des Betons entstehen wechselvolle Flächen, insgesamt aber ein unaufgeregtes Bild. Das lässt die weiteren Elemente gut zur Geltung kommen: kleine Vorsprünge an den Traufen und ein etwas weiter auskragendes Vordach. Es markiert an der Stelle, wo der glatte Betonsockel sich weiter nach oben zieht, den Hauseingang. 

Im Inneren setzt sich das Spiel fort: Hier treffen Sichtbetonwände auf präzise eingesetzte Holzstufen, weiß gestrichene Wandflächen und lichtgrauen Estrichboden. Über dem Haus sitzt schützend wie eine Mütze ein leuchtend rotes Bieberschwanzdach. Und Ulrike Fischers Zusammenfassung bringt es noch einmal auf den Punkt: „Skulptural, nachhaltig: vertikales Wohnen auf kleinstem Raum.“

Quelle

Christina Gräwe für EINSATEAM

Bildnachweis: Ulrike Fischer, Alexander Scheidel, Karlsruhe

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