Carl Orff Museum, Dießen am Ammersee
Betontonnen
Architektur
meck architekten, München
Bauherr
Carl-Orff-Stiftung, Dießen am Ammersee
Projektbeteiligte
Ausschreibung und Bauleitung
meck ingenieure, München
Fachplanende
Tragwerksplanung: Reisch Ingenieure GmbH, Augsburg
Bauphysik/Akustik: Möhler & Partner, München
Haustechnik: Team für Technik, München
Brandschutz: CS Brandschutz Christian Steinlehner, München
Ausstellungsgestaltung: von wolffersdorff studio, Dießen am Ammersee
Landschaftsarchitektur: lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner, München
Jahr
2025
Ort
Dießen am Ammersee
Konstruktionsmerkmale
Vor Ort geschalter Beton kombiniert mit Fertigteilen
Besonderheiten
Hochwärmegedämmter Infraleichtbeton
Beschreibung
Es liest sich wie überschwängliche Reiseprosa: 30.000 Quadratmeter Park im Landschaftsschutzgebiet, gelegen an der Südspitze des Ammersees, Panoramablick über das Wasser zum Kloster Andechs oder wahlweise über das Murnauer Moos auf die Alpenkette. Da fällt die Entscheidung, wo man als erstes hinschaut, schon schwer. Der deutsche Komponist Carl Orff hatte knapp 30 Jahre die Gelegenheit, hier seine Blicke schweifen zu lassen. Wenn er nicht in seinem Arbeitshaus am Flügel saß, das zusammen mit dem Wohnhaus das kleine, 1954 erworbene, von Orff im Sinne der Nachkriegsmoderne umgebaute Ensemble bildet.
Bildete, muss man sagen. Denn seit 2025 hat die Gebäudegruppe eine wichtige Erweiterung erhalten: Das Carl Orff Museum öffnete im Herbst seine Pforten für das Publikum. Zuvor hatten meck architekten 2019 einen nichtoffenen Wettbewerb für die Sanierung der seit 2018 denkmalgeschützten Altbauten und einen ergänzenden Neubau gewonnen. Letzterer legt sich klammerartig um die alten Häuser herum, ohne sie dabei zu fest in den Griff zu nehmen. Dem Architektenteam war es im Gegenteil ein großes Anliegen, trotz des beabsichtigten optisch-ästhetischen Bruchs mit dem Bestand diesem in seiner Silhouette die Eigenständigkeit zu lassen.
Insgesamt ist auf 2.340 Quadratmetern ein Ausstellungsrundgang entstanden, der über ein Foyer und die neu eingerichtete Dauerausstellung im Neubau direkt in das historische Wohnhaus führt. Dort ist neben Büroräumen für die Stiftung auch das Museumscafé untergebracht. Es geht weiter über die alte Pergola zum original erhaltenen Arbeitszimmer Carl Orffs nebst Flügel. Den darf man allerdings nicht selbst nutzen. Das museumspädagogische Programm richtet sich aber ansonsten mit den überwiegend Hör- und Mitmachstationen an die Experimentierlust seines Publikums und hat dabei vor allem ein junges im Blick. Schließlich fand und findet die musikalische Früherziehung von Generationen von Kindern weltweit an Stücken und mit darauf abgestimmten Instrumenten von Orff statt. Sein prominentestes Werk, die „Carmina Burana“, spielt der Stiftung bis heute zuverlässig hohe Summen in die Kasse, so dass sich davon der Großteil der rund acht Millionen Euro umfassenden Baukosten bestreiten ließ.
Beton
Am markantesten im Ensemble sticht der große Veranstaltungssaal hervor, in dem bisher Konzerte und Vorträge stattfinden, der aber später auch für Wechselausstellungen gedacht ist. Zwei halbierte und vier vollständige Tonnen bilden sein Dach und geben dem Museum heute eine unübersehbare Adresse. Diese Tonnen – an den Innenseiten zart gerippt – wurden als Fertigteile auf die Baustelle geliefert. Ansonsten besteht der gesamte Erweiterungsbau aus vor Ort geschaltem Infraleichtbeton, der hochwärmegedämmt ist. Das lässt die monolithische, klimastabile Bauweise zu, und das wiederum reduziert die Haustechnik. Die Betonrippen an den Decken im Inneren zitieren die Holzbalkendecken des Bestands und ermöglichen stützenfreie Räume, die flexibel genutzt werden können. Einbauten aus Eiche und geschliffener Gussasphalt für die Böden ergänzen die Sichtbetonoptik – es entstehen ruhige, klare Raumfolgen mit einer Atmosphäre, die die Konzentration auf die Ausstellung unterstützen. Es sei denn, man lässt sich von den kontemplativen Blicken in den Landschaftspark ablenken, der durch die großen, wie Bilderrahmen wirkenden Fenster ins Innere geholt wird.
Noch einmal zu den Tonnen: Deren ruhiger Rhythmus lässt erahnen, was der Büropartner Axel Frühauf meint, wenn er vom Erweiterungsbau „als Spiegel von Carl Orffs Idee einer elementaren Musik“ spricht und von den Mitteln, die dafür zum Einsatz kamen: „Proportion, Licht, Material und Fügung.“ Reichlich Erfahrung mit diesen Komponenten darf man meck architekten nach zahlreichen atmosphärisch dichten Kirchenbauten unterstellen. Und so geht es hier um nachhaltiges Bauen auch im übergeordneten Sinn, nämlich um nicht weniger als „zeitlose, universelle Gültigkeit.“
Quelle
Bildnachweis: Florian Holzherr, Gauting
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