
11.06.2026
TransForm: Studierende denken Bauen neu
Die Gewinner des Concrete Design Competition stehen fest
Der Gewinner des Concrete Design Competition „TransForm“ steht fest: Der erste Platz geht an Ghiath Mardini von der Technischen Universität Darmstadt mit dem Projekt „The Liquid-Stone Paradox“ (Foto: IZB).
Düsseldorf, Juni 2025. „TransForm“ lautet das Thema des Concrete Design Competition (CDC) im Studienjahr 2025/26. Studierende aus Architektur, Design und Ingenieurwesen zeigen, wie Beton, Bauprozesse und Gestaltung unter veränderten ökologischen und gesellschaftlichen Bedingungen neu gedacht werden. So befasst sich das Gewinner-Projekt mit einer hochaktuellen Fragestellung: Wie kann Wiederaufbau nach Zerstörung aussehen, ohne dabei die Identität eines Ortes zu verlieren? Ghiath Mardini von der Technischen Universität Darmstadt demonstriert, wie verlorene räumliche Situationen neu interpretiert und mittels 3D-Betondruck wieder sichtbar werden können. Hierfür erhält er ein Preisgeld, die Teilnahme an einem einwöchigen internationalen Workshop in Wien sowie einen Platz in der Jury des kommenden CDC.
Der vom InformationsZentrum Beton (IZB) ausgelobte Studierendenwettbewerb Concrete Design Competition ruft dazu auf, das Potenzial von Beton im Sinne dieses Wandels zu erforschen und neu zu entdecken. In diesem Jahr reichten Studierende ihre Projekte zum Thema „TransForm“ ein. Die Beiträge befassten sich mit ästhetischen, konstruktiven oder technologischen Fragestellungen ebenso wie ökologischen, wirtschaftlichen oder sozialen Aspekten.
Der erste Platz: Beton speichert Erinnerungen
Den ersten Platz belegt eine Arbeit zum Umgang mit bestehenden Strukturen – oder vielmehr mit der Frage, was passiert, wenn diese nicht mehr vorhanden sind. Ghiath Mardini von der Technischen Universität Darmstadt und seine Ausarbeitung „The Liquid-Stone Paradox“ heben die emotionale Verbindung zu unserer gebauten Umwelt hervor – und welche identitätsstiftende Bedeutung diese hat. Im Zentrum steht die Fragestellung: Wie kann Wiederaufbau nach Zerstörung aussehen, ohne dabei die Identität eines Ortes zu verlieren? Der Entwurf nähert sich dieser Fragestellung nicht über klassische Architektur, sondern über Erinnerung, Atmosphäre und kulturelle Kontinuität. Fotografien, Erzählungen und digitale Rekonstruktionen werden genutzt, um verlorene räumliche Situationen neu zu interpretieren und mittels 3D-Betondruck wieder sichtbar zu machen. „Gerade diese Verbindung aus emotionaler Erzählung und technologischer Präzision verleiht der Arbeit ihre besondere Qualität“, lobt Jury-Mitglied und IZB-Geschäftsführer Ulrich Nolting. „Beton wird nicht als bloßer Baustoff verstanden, sondern als Medium der Reparatur und des kollektiven Gedächtnisses.“
Ghiath Mardini zeigt mit seinem Projekt „The Liquid-Stone Paradox“ wie 3D-Betondruck beim Wiederaufbau nach Zerstörung helfen kann. (Foto: IZB/ Ghiath Mardini).
Die weiteren Preisträger
Betonbauteile mit Magneten verbinden: Diese Idee steckt hinter dem zweitplatzierten Projekt „Transforming Concrete Assembly“. Robin Karutz von der RWTH Aachen untersucht neue Möglichkeiten, Bauteile flexibel miteinander zu koppeln. Im Zentrum steht ein experimentelles magnetisches Verbindungssystem, das Themen wie Materialeffizienz, Rückbaubarkeit und modulare Systeme weiterdenkt.
Mit „Transforming Concrete Assembly“ erforsch Robin Karutz von der RWTH Aachen neue Möglichkeiten Betonbauteile miteinander zu verbinden. (Foto: IZB/ Robin Karutz).
Den dritten Platz vergab die Jury gleich doppelt: an „Construction 5.0“ von Leon Bischoff (TH Köln) sowie „WG-Haus Lichtenberg“ von Paula Dudziak und Justus Voigt (Universität der Künste Berlin). „Construction 5.0“ entwickelt ein Szenario für die konsequente Wiederverwendung des Baubestands. Ausgangspunkt ist die detaillierte Analyse eines Gebäudes, dessen Bauteile systematisch erfasst, bewertet und in ein Materialkataster aufgenommen werden. Im Projekt „WG-Haus Lichtenberg“ entwickelt das Team ein neues Wohnmodell ausgehend von einem Berliner Plattenbau. Die typischen Materialien und Strukturen des Bestands werden dabei neu kombiniert und erhalten eine ungewohnte ästhetische Präsenz.
„Construction 5.0“ von Leon Bischoff von der TH Köln befasst sich mit der Wiederverwendung des Gebäudebestands (Foto: IZB/ Leon Bischoff).
Interdisziplinäre Expertise entscheidet
Die eingereichten, anonymisierte Arbeiten beurteilt eine unabhängige, interdisziplinär besetzte Jury. Diese besteht aus: Ulrich Nolting (Geschäftsführer IZB), Max Dombrowski (schlaich bergermann partner), Prof. Lutz Dickmann (HFT Stuttgart), Sandra Hofmeister (freie Journalistin), Prof. Anca Timofticiuc (Peter Behrens School of Arts, Düsseldorf), Holger Techem (Fankfurt University of Applied Sciences), Julian Biermann (Projektleiter Nachhaltigkeit IZB) und den beiden Vorjahressiegerinnen Franziska Sorger und Öykü Tok (TU München). Gemeinsam bewerteten sie die Einreichung mit Blick auf die Umsetzung des Themas sowie den konzeptionellen Ansatz, Kreativität, Materialgerechtigkeit und Nachhaltigkeit.
Paula Dudziak und Justus Voigt von der Universität der Künste Berlin schaffen aus alten Plattenbauten ein neues Wohnkonzept (Foto: IZB/ Paula Dudziak/ Justus Voigt).
Im Herbst wird der Wettbewerb national für das kommende akademische Jahr 2026/267 erneut ausgeschrieben. Dann zum Thema „Solide“. Alle Informationen zum CDC stehen hier online zur Verfügung: www.concretedesigncompetition.de
Der Concrete Design Competition
In europaweiter Zusammenarbeit wird über den Concrete Design Competition innovatives Denken, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Internationalität bei der zukünftigen Architekten-, Designer- und Ingenieurgeneration gefördert. Inhaltlich steht die Entwicklung innovativer Entwurfsvorstellungen für die Verwendung des Materials Beton und seiner Verarbeitung im Vordergrund. Jeder Zyklus des Wettbewerbs ist wesentlich durch ein übergeordnetes Thema charakterisiert, das auf eine spezifische Eigenschaft des Materials Beton bezogen wird. Während das internationale Verfahren nur alle zwei Jahre durchgeführt wird, findet der Wettbewerb in Deutschland seit 2011 jährlich statt – jedes zweite Mal also mit einem eigenen, nur national ausgeschriebenen Thema.
Pressearbeit
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Lena Weigelt
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