06.07.2016

Freibad Waldkirch

Natur und Architektur im Einklang

Erkrath, Juli 2016. Die diesjährige Saison hat die Stadt Waldkirch mit einem runderneuerten Schwimmbad eröffnet. „’s Bad“ begeistert durch seine anspruchsvolle Architektur, moderne Ausstattung und eine Vielzahl von Attraktionen. Das Gesamtkonzept stammt von KTP Generalplaner GmbH. Die Architekten haben die maritime Freizeitanlage einfühlsam in die Landschaft entlang der Elz modelliert – in einem Materialmix aus Sichtbeton, Holz und Edelstahl, bei dem großzügige Grünflächen natürliche Akzente setzen.

Die Eröffnungsfeier am 30. April war schon mal ein voller Erfolg. Auch wenn
einige Badegäste mit Pudelmütze angeschwommen sind, denn trotz Sonnenschein war es empfindlich kalt. „Die Einwohner von Waldkirch haben „’s Bad“ sehr positiv aufgenommen“, freut sich Roman Götzmann. Nun hofft der Oberbürgermeister auf einen echten Sommer, damit die Menschen aus Waldkirch und Umgebung endlich wieder ein „schöner Schwimmen“ erleben. Die beiden Bäder in der Kernstadt und im Stadtteil Kollnau waren in die Jahre gekommen und stark sanierungsbedürftig. Vereinzelt vorgenommene Verschönerungs- und Reparaturarbeiten beeinträchtigen den Gesamteindruck der Bäder eher als ihn zu verbessern. Nach einem langen Entscheidungsprozess entschied der Gemeinderat von Waldkirch, in ein Gesamtbad am Standort Kollnau zu investieren.

Mit der Durchführung beauftragte man die KTP Generalplaner GmbH aus Stuttgart, die sich beim aufwändigen Vergabeverfahren von 2013 gegen vier Mitbewerber durchgesetzt hatten. „Den Ausschlag gab die langjährige Erfahrung der Architekten Kauffmann Theilig & Partner – kurz KTP, die hier als Generalplaner agierten, gepaart mit Kosteneffizienz und natürlich das attraktive Gesamtkonzept der Planer“, so Roman Götzmann. Bei der Eröffnungsfeier betonte Prof. Andreas Theilig – einer der Partner des Büros –
allerdings, dass rund 30 Gewerke an dem Großprojekt beteiligt waren und bedankte sich ausdrücklich bei allen Fachplanern wie etwa
Fach-, Tragwerks- und Landschaftsarchitekten sowie Projektsteuerern und Haustechnikern.

Umgestaltung eines Schwimmbads in eine maritime Freizeitlandschaft
Mit ihrem Entwurf ist KTP die Verwandlung eines ehemals eher gewöhnlichen Schwimmbads in eine moderne und natürliche Freizeitlandschaft gelungen: Hier dominiert kein Gebäude die natürliche Umgebung, alles bildet eine stimmige Einheit mit fließenden Übergängen von Innen- und Außenbereichen sowie Liegeflächen. Die puristischen hellgrauen Sichtbetonflächen am neuen Eingangsgebäude und im Innenbereich sowie der sandfarbene Betonstein von Badeplatte und Wegeführung harmonieren vortrefflich zur Möblierung in dunkler Holzoptik in den Umkleiden, im Loungegebäude sowie den weiteren Holzböden etwa an den Liegeplätzen. Genau diese Materialität begeistert Oberbürgermeister Roman Götzmann: „Alles wirkt sehr hochwertig und vermittelt den Gästen ein Gefühl von gehobenem Komfort. Den Sichtbetonflächen steht zudem viel Grün mit altem Baumbestand gegenüber. Damit entsteht eine interessante Spannung und gleichzeitig reizvolle Verbindung zwischen Architektur und Natur.“

Materialästhetik und Homogenität von Beton
Die besonderen Vorteile von Beton liegen aus Sicht von KTP in der Materialästhetik und Homogenität, auch seine Widerstandsfähigkeit, Langlebigkeit und plastische Formbarkeit sprechen für das Material. „Darüber hinaus lassen sich mit Beton organische Strukturen und Formen sowie schlanke und geschwungene Konstruktionen mit gleichmäßigen Oberflächen herstellen. Gebäude wirken dadurch eleganter und wie aus einem Guss“, erklärt Architekt Prof. Andreas Theilig. Genauso mutet das neue hügelartige Zugangsgebäude des Freibads an: Das aus Sichtbeton hergestellte Dach bzw. die Dachkante umrahmt den gesamten Gebäudekomplex anmutig wie ein Band und folgt dem Hügelverlauf. Zu den Seiten hin ufert es großzügig bis auf Bodenhöhe aus und vollführt dabei eine sanfte Wellenbewegung. Die Konstruktion des Dachs nimmt die Themen „Wasser und Schwimmen“ damit unterschwellig auf. Der hintere Bereich des Gebäudes wird von einer weitläufigen und begehbaren Grünfläche umschlossen und verschmilzt mit der Landschaft.

Betonverarbeitung
Um makellose Sichtbetonoberfläche des Dachbereiches zu erhalten, wurden die Stöße der Schaltafeln stellenweise mit Silikon geschlossen, teilweise musste nachgeglättet werden. Eine Herausforderung war laut Tragwerksplaner Frank Breinlinger von Breinlinger Ingenieure aus Tuttlingen, die Oberseite der Dachdecke herzustellen, die zu allen innenliegenden Entwässerungspunkten abfallen sollte. Dieses beabsichtigte Gefälle musste über viele einzelne Rechteck-, Trapez- und Dreiecksflächen modelliert werden, was die Planung, Bewehrungsverlegung und das Betonieren sehr komplizierte. Wegen des teilweise sehr großen Bewehrungsanteils und der durch die Gebäudegeometrie verursachten ungünstigen und mehrlagigen Bewehrungsstöße wurde die Korngröße für manche Betonierbereiche auf 0/16 und an ganz kritischen Stellen auf 0/8 reduziert. Eine Besonderheit war außerdem, dass die Wände zwischen dem Fundament bis Attika in großen Bereichen vorab hergestellt und die Decken nachträglich dazwischen betoniert wurden.

Neben dem Sichtbeton der Festigkeitsklasse C 35/45 für die Sichtbetonflächen wurde in anderen Bereichen Beton der Klasse C25/30 verbaut. Die Dachdecke, Fundamentplatte und Unterkellerung als Weiße Wanne wurden aus WU-Beton hergestellt. Die seitlichen Wangen der Sprungtürme bestehen aus Fertigteilen, die über eine Stahlbewehrung monolithisch mit dem tragenden inneren Kern verbunden sind. Auch die Sitzelemente auf dem Freibadgelände sowie der mit Zuschlagstoffen anthrazit eingefärbte Treppenblock zum 1m-Sprungbrett sind aus Betonfertigteilen, deren wetterunabhängige Vorproduktion Baukosten und -zeiten etwas verringert hatte.  

Badeplatte als Bindeglied zwischen den Becken
Die Badeplatte verbindet alle Beckenanlagen und -umgänge fließend und barrierefrei, feine Bänder aus Natursteinpflaster unterstreichen den hochwertigen Charakter. Sitzstufen und Absätze aus Beton fassen den Übergang der Badeplatte zu den Grünflächen ein. Die Besonderheit ist hier das formschöne Zusammenspiel der kleinteiligen Betonpflaster- und Plattenflächen mit den großzügigen, frei geschwungenen Ortbetonflächen. Die Herstellung dieser geschwungenen Flächen mit Besenstrichoberfläche erwies sich schwieriger als gedacht. Dafür wurde eine flexible Kunststoffschalung von Syflex eingesetzt. „Die hohe Qualität der Besenstrichoberfläche wurde nur dadurch erreicht, dass zwei bis drei Arbeiter dem Ausführenden assistierten und somit eine einwandfreie Linienführung ermöglichten“, erklärt Christian Böpple, Landschaftsarchitekt und Geschäftsführer von frei raum concept aus Stuttgart.

Lounge mit Lamellenfassade
Das Gebäude mit der Lounge entwickelt sich aus der Verlängerung des neuen Zugangsgebäudes. Es hat eine Fassade aus stehenden Lamellen, die den Blick auf das Freibad nach Nordwesten sowie auf die angrenzenden Sportflächen zulassen. Eine davor angeordnete hölzerne Tribüne ersetzt den bisherigen massiven Tri- bünenaufbau aus Beton. Über dem Zugangsgebäude bildet eine Überdachung aus Holz den markanten Abschluss der Badeflächen nach Süden und Westen hin. Diese leistet zudem den notwendigen Schallschutz zum anschließenden Wohngebiet und bietet im hinteren Bereich Lagerflächen und Vereinsräume. Vorgelagert ist eine hochwertige Holzterrasse.

Liegen im Grünen
Ein begrünter Damm als landschaftliche Erhöhung und Abgrenzung zum Fußweg entlang des Flusses fasst die unterschiedlich bearbeiteten Freiflächen des Bades ein und verbindet alle Teilbereiche in einer landschaftlichen Geste. In den Damm integriert sind ovale Holzdecks als ergänzende Liegeflächen, Aussichtsplattformen und die umfassende Zaunanlage. Zusätzlich gibt es im Vorbereich des Damms im Süden in der Nähe des Kinderbereichs ein ‚Spielschiff‘. Die Sportfläche ist als Sandplatz mit verstellbarem Netz in der Tasche zwischen Hauptzugang und Damm im Norden angeordnet in Ergänzung zum bestehenden, angrenzenden Sportbereich im Nordwesten. Der Baumbestand wurde weitgehend erhalten und ergänzt. Gräserteppiche durchziehen das gesamte Freibad bis auf die begrünten Dachflächen hinauf.

Energie und Technik
Die haus- und badetechnischen Einbauten sowie die Räume für die technischen Anlagen wurden komplett erneuert, ebenso die Versorgungsleitungen und Entsorgungskanäle. Die Grundbeheizung der Badebecken erfolgt durch eine Solar-Absorberanlage, in Schlechtwetterperioden werden die Becken über Wärmetauscher und das Heizungssystem zusätzlich beheizt. Die Umwälzkreisläufe der Schwimmer- und der Nichtschwimmerbecken sind jeweils getrennt, was eine unterschiedliche Temperierung ermöglicht. Die Umwälzmenge der Becken lässt sich bedarfsabhängig steuern, ein separater Rückspülbehälter dient als Wärmetauscher. Die Innenräume werden natürlich durchlüftet, nur die innenliegenden Nassräume und Umkleiden erhalten eine dezentrale Abluftanlage.

Bautafel

ProjektNeues Freibad Waldkirch-Kollnau
Schwimmbad-Allee 1, 79183 Waldkirch
BauherrStadt Waldkirch, Dezernat 4
Marktplatz 1-5, 79183 Waldkirch
PlanungKTP Generalplaner GmbH
ArchitekturKauffmann Theilig & Partner
Zeppelinstr. 10, 73760 Ostfildern
www.ktp-architekten.de
Leistungsphasen HOAI 1 - 5 (6 - 9)
BauleitungKTP mit Franz Stinner | s-oe Architekten
Aachgrund 14 | 78333 Stockach
www.s-oe-architekten.de
TragwerkBreinlinger Ingenieure
Hoch- und Tiefbau GmbH
Kanalstr. 1-4, 78532 Tuttlingen

www.breinlinger.de
Freianlagen frei raum concept
Sinz-Beerstecher + Böpple
freie Landschaftsarchitekten bdla
Niederwaldstraße 17, 70469 Stuttgart
www.freiraumconcept.com
Bauphysik W&W Bauphysik
Wiesentalstraße 65, 71397 Leutenbach
www.wwbauphysik.de
HLSE, Bädertechnik IGP - Ingenieurgesellschaft für Technische Ausrüstung mbH
Karlsruher Str. 34, 75179 Pforzheim 

www.igp-gmbh.de
Vermessung

ASAL+PFAFF GbR

Heimatstraße 12, 79249 Merzhausen
www.asalpfaff.de   

RohbauRitter‐Bau GmbH
Am Ziegelplatz 17, 77746 Schutterwald   
www.ritter-bau.de
Betonwerk ETB Elztal-Betonwerke
Industriestr. 1, 79215 Elzach
BetonfertigteileKAISER-konkret GmbH
Mindelstraße 60, 87775 Salgen-Bronne
www.kaiser-konkret.com
BetonsteinBirkenmeier Stein + Design
Industriestraße 1, 79206 Breisach-Niederrimsingen
www.birkenmeier.com
BetonSB 2, C 35/45 (, XC4, XF1, XA1, WF) und C 25/30
BGF Zugangsgebäude1.910 m2
BGF Loungebereich660 m2
Grundstücksfläche1.850 m2
Liegefläche7.500 m2
Wasserfläche1.850 m2
Sitz- u. Spielflächen  8.500 m2
Bauzeit09/2014-04/2016
Gesamtkosten10,5 Mio. Euro

Fotos in Druckqualität sowie eine digitale Fassung des Textes finden Sie im Internet unter www.beton.org/service/presse
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Ansprechpartner für die Medien:
Print:
Holger Kotzan
holger.kotzan@beton.org
Tel. 0211 28048-306
Online:
Michael Buchmann
michael.buchmann@beton.org

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