30.04.2019

Betonlogistik im XXL-Format

61.000 Kubikmeter Beton und 10.000 Tonnen Stahlbewehrung

Erkrath, März 2019. Entlang der East Side Gallery in unmittelbarer Nähe zur Spree steht der Mercedes. Mit einem Mix aus Kultur, Unterhaltung, Freizeit und Gewerbe wird das Areal zur neuen Attraktion mitten in Berlin. Während der Bauphase mussten zunächst 100.000 m³ Erdaushub vom Gelände wegtransportiert und 61.000 m³ Beton sowie 10.000 Tonnen Stahlbewehrung angeliefert werden. Außerdem sorgte die kalte Jahreszeit für den ein oder anderen Lieferengpass. Dennoch bekamen die Projektbeteiligten die Logistik und alle anderen Widrigkeiten in den Griff, so dass am Ende alles nach Plan verlaufen ist.

Investor und Betreiber des Mercedes Platzes ist die Anschutz Entertainment Group AEG, die das Areal für rund 200 Mill. Euro entwickelt. Als Generalübernehmer fungiert die HOCHTIEF Infrastructure GmbH Building Berlin, den Beton lieferte das Spenner Zementwerk Berlin. „Alles in allem war das Projekt schon eine logistische Herausforderung – auch im Hinblick auf den einzuhaltenden Zeitplan und Eröffnungstermin im Herbst 2018“, sagt Steffen Preuß, Bauleiter für die Arge Baugrube und zuständig für die Rohbauarbeiten. Zur Arge gehören die Firmen PRB und Keller Grundbau GmbH. Im Lauf der gesamten Bauzeit waren bis zu 800 Mitarbeiter und rund 100 Firmen in das Megaprojekt eingebunden.

Massive Erdbewegungen, komplexe Entwässerung und voluminöse Betonagen

Zunächst wurde eine etwa 21.000 m2 große Baugrube ausgehoben und dafür mussten rund 100.000 m³ Erde abtransportiert werden. Das Gelände sollte über eine Flächendrainage entwässert werden, doch im Bauteil A stieß man auf ein 1900 m2 großes Fundament, das sich exakt auf der Höhe des Grundwasserspiegels befand. Ein herkömmliches Verfahren schied somit aus. Um das Feld trotzdem von Grund- und Oberflächenwasser zu befreien, bohrte die Firma PRB 17 Kleinbrunnen um das Fundament herum.

Anschließend galt es im Rohbau, 61.000 m³ Beton und 10.000 Tonnen Bewehrungsstahl auf die Baustelle zu schaffen. „In Spitzenzeiten fuhren bis zu 70 LKW am Tag das etwa 163 m x 123 m große Grundstück an. Dieses ließ sich zwar von allen Seiten erreichen. Die Schwierigkeit lag darin, den Beton für die ca. 1,20 m starke Bodenplatte auch in die Mitte des Baufeldes zu transportieren und einzubringen. Das war vom Grubenrand aus unmöglich“, erklärt Steffen Preuss. Also kamen entsprechende Betonverteiler (Spinne) zum Einsatz.

„Bei den 880 m³ und 990 m³ großen Betonierabschnitten haben wir mit Betonpumpen bis 52 m Mastgröße gearbeitet. Das 1.200 m² große Baufeld wurde parallel mit einer 36 m und 52 m Mastpumpe betoniert“, sagt Vertriebsleiter Lutz Franke, Spenner Zementwerk Berlin und ergänzt: „Um zwei Pumpen gleichzeitig zu versorgen und die gewünschte Menge von 100 m³/h Beton zu gewährleisten, haben wir alle verfügbaren Vorräte aus unseren Werken in Lichtenberg, Marzahn und Spandau angeliefert“. Die Betonrezepturen (größtenteils C 35/45) wurden im Betonlabor von Spenner Zementwerk Berlin in Zusammenarbeit mit den Kollegen von HOCHTIEF erarbeitet. Auch die Experten von der Schal- und Bewehrungsplanung und der Vorstatik waren in die Prozesse einbezogen. Der eingesetzte Zement stammte ebenfalls vom Zementwerk Berlin. Die gute interne Kommunikation zwischen Zement- und Betonlabor zahlte sich hierbei positiv aus. Die einzelnen Betongüten für die verschiedenen Einsatzbereiche – Bodenplatte, Wände, Kellergeschosse, Obergeschosse – wurden in einem baustellenbezogenen Sortenverzeichnis festgehalten, so dass die Poliere den Beton dem Gewerk und der Jahreszeit entsprechend bestellen konnten.

Lieferengpässe bei den Zuschlägen

Während der kalten Jahreszeit kam es zu Lieferengpässen bei den Zuschlagstoffen und dadurch drohte das Timing zu kippen. Entweder waren Förderanlagen wegen der Kälte ausgefallen oder die Seen, aus denen die Zuschläge gefördert wurden, zugefroren. Somit waren die Depots leer und teilweise sagte man ganze Betongänge ab. „Ist die Betonlieferung einen Tag im Verzug, bedeutet das drei Tage Stillstand auf der Baustelle. Die Schalungen sind nicht frei, die Bewehrer kommen nicht weiter. Kommt der Beton dann letztendlich, sind die Krane gebunden und nicht frei, um die nächsten Abschnitte zu betonieren. Zudem waren durch die umfangreichen Bauaktivitäten weniger Mischfahrzeuge und Fahrer verfügbar und Lenkzeiten mussten ebenfalls berücksichtig werden“, beschreibt Steffen Preuss die damalige Situation. Damit der straffe Zeitplan doch noch eigehalten werde konnte, wurden die Stahlbauarbeiten für die Kinosäle und die Music Hall nachts durchgeführt. Somit waren tagsüber wieder Krankapazitäten für den Rohbau verfügbar, so dass unterm Strich doch noch alles glatt gegangen ist.

Fenster zur Spree fertig

Seit dem offiziellen Spatenstich am 6. Juni 2016 sind innerhalb von nur zwei Jahren vier Neubauten mit einer Gesamtbruttogeschossfläche von 70.000 m2 entstanden. Jeweils zwei Gebäudegruppen umrahmen nun westlich und östlich den öffentlichen Platz, der fast ein Drittel der gesamten Grundstücksfläche einnimmt. Auf einer Breite von 50 m zwischen der Arena Vorplatz bis zur Mühlenstraße bildet dieser das sogenannte Spreefenster. Den einzelnen Gebäudekomplexe sind unterschiedliche Fassadenelemente vorgehangen – Klinker, Metall, Alu-Glas und Faserzementplatten – so dass sich jeder Bereich individuell in seiner Funktion abhebt. Die Bodenbeläge der Außenflächen bestehen aus Granit, was den Gehwegen eine natürlich dezente Anmutung verleiht, die einen Kontrast zu den Fassadenflächen bildet.

Freizeit, Unterhaltung und Genuss

Das Quartier lockt nun mit einem vielfältigen Nutzungskonzept: die Verti Music Hall für bis zu 4.500 Besucher, ein UCI LUXE Premierenkino mit 15 Kinosälen, ein Lifestyle Bowling Konzept sowie diverse Cafés, Restaurants und Bars. Ergänzt wird das Ensemble durch das Indigo Design Hotel und Hotel Hampton by Hilton sowie ca. 9.000 m2 Büroflächen für etwa 600 Arbeitsplätze. Der Komplex verfügt außerdem über eine Tiefgarage mit 400 Stellplätzen. Mercedes-Benz wird mit dem Carsharing-Angebot Car2Co ebenfalls auf dem Platz vertreten sein. In dem neuen Quartier sollen Nutzer nicht nur flanieren und verweilen, auch Außenveranstaltungen werden Teile der weitläufigen Fläche bespielen. Die Bereiche der Dachflächen sollen öffentlich genutzt und somit belebt werden.

Bautafel

Projekt: Mercedes Platz, Berlin
Bauherr: AEG Anschutz Entertainment Group
Generalübernehmer: HOCHTIEF Infrastructure GmbH, Building Berlin
Arge Baugrube: PRB GmbH, Keller Grundbau
Architekt (Konzept, Entwurf): RTKL Associates, London
Architekt (Entwurf, Ausführung): AUKETT + HEESE GmbH, Berlin
Tragwerksplanung u. Haustechnik: Happold Ingenieurbüro GmbH, Berlin
Gesamtgrundstücksfläche: 20.500 m2, davon 6.500 m2 öffentlicher Platz
zwei 7.000 m2 große Baufelder
BGF: 70.000 m2 verteilt auf vier Gebäude
Rohbau: 61.000 m3 Beton und 9.900 t Bewehrungsstahl
Bauzeit: Juni 2016 bis Herbst 2018
Bau- u. Entwicklungskosten: 200 Mill. Euro

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