12.03.2019

Beton Tätowierer

der Künstler Matthias Dämpfle

Matthias Dämpfle mit Skulptur. © BetonBild

Erkrath, März 2019. In dem ehemaligen Elektrizitätswerk in Freiburg wird schon lange kein Strom mehr erzeugt, vielmehr knistert dieser Ort nur so vor Kreativität. Wo damals riesige Turbinen standen, entsteht heute Kunst. Das Gebäude entspricht in seiner Architektur der um 1900 für die Industrie typischen Bauweise mit großen Rundbogen über kräftigen Pfeilern und Fensterfronten in Reihung. 1989 wurde das Gebäude zum Kulturhaus umgewidmet und seitdem nutzen Künstler die großräumige Fläche der Turbinenhalle mit verschiedenen Ateliers. In der sogenannten Bildhauerhalle hat auch der Künstler Matthias Dämpfle sein Atelier.

Dämpfle in der Turbinenhalle

Betonskulpturen in jeglichen Größen und Formen, Holzschalungen, Polystyrolblöcke und Werkzeuge – mittendrin Matthias Dämpfle, ein Bildhauer, wie man sich ihn bildlich vorstellt. Allein der Ausdruck seiner Hände zeigt permanenten Gestaltungswillen. Beeinflusst durch den Bruder hat er sich bereits als Kind für Kunst interessiert. Ziemlich schnell war der Berufswunsch des Bildhauers geweckt. Es folgte eine Lehre als Steinmetz und Bildhauer, danach ein Studium der Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste bei Prof. Wilhelm Loth. Seit den 90er Jahren arbeitet Dämpfle als freischaffender Bildhauer – anfangs noch viel mit Granit und Kalkstein, schnell entdecke er dann den Werkstoff Beton für sich. „Irgendwann habe ich bei der Arbeit festgestellt, dass eine spezielle Betonmischung in seiner Schleifbarkeit ähnliche Hell-Dunkel Kontraste bietet wie Kalkstein oder Granit. Die Arbeit mit Beton ist zudem spontaner – morgens habe ich die Idee, abends ist der Beton schon in seiner Form“,  sagt Dämpfle.

Das frühe Werk

Viele seiner ersten Betonskulpturen sind als Relief gearbeitet und zeigen einen Stuhl als Motiv. Der Stuhl präsentiert sich nur als Fläche und spielt mit der dritten Dimension.

Dreidimensionale Wirkung durch unterschiedliche Oberflächenbearbeitung. © Matthias Dämpfle

„Der Stuhl ist für mich ein Symbol, ein Statthalter für die Menschen. Wenn ich irgendwo hinkomme und die strenge Formation von Stuhlreihen sehe, spüre ich förmlich die Erwartung, die Spannung auf ein Ereignis.

Sind sie ungeordnet oder stehen sich paarweise gegenüber, entwickelt sich das Bild von Beziehungen. Die Konstellation von Stühlen sagt viel über zwischenmenschliche Interaktion aus. In Verbindung mit seiner simplen geometrischen Form erzeugt das weitere Spannung“, erläutert Dämpfle die Faszination für das Motiv.

Die dritte Dimension

Die erste figürliche, dreidimensionale Skulptur in Beton war auch die bisher größte und wohlmöglich auch schwerste: 1,5 Tonnen wiegt die Skulptur, die er unabhängig von einem Anlass schuf.

Dämpfle vor seiner bisher schwersten Skulptur. © BetonBild

Die Skulptur kann auch als Bühne performativ genutzt werden – dementsprechend hat der Künstler die Skulptur bemessen und bewehrt und hohl gegossen. Nachfolgend schuf Dämpfle immer häufiger figürliche Skulpturen und thematisierte damit erneut den Mensch und die zwischenmenschlichen Beziehungen.

Beton Tätowierung

Um den Skulpturen, neben der Dreidimensionalität, noch mehr Tiefe zu geben, bearbeitet der Künstler die Betonoberflächen mit unterschiedlichen Techniken wie Gravieren, Schleifen und Schraffieren.

Skulptur „Alfred“. © Piotr Iwicki

Die Oberfläche wirkt so fast wie eine Radierung, wie eine grobkörnige Fotografie. Je feiner der Bildhauer schleift, desto dunkler wirkt die Oberfläche. „Beton als Werkstoff gefällt mir so gut, weil es nicht diese kristalline Oberfläche hat wie Granit. Granit haftet auch häufig ein wenig der Duft von Grabsteinen oder Monumenten an. Meine Skulpturen wirken im ersten Eindruck fast schon metallisch, wahrscheinlich liegt das auch am Aluminat Zuschlag des Zements“, erläutert Dämpfle seine Arbeit. Durch die gekonnte Oberflächenbehandlung entwickeln die Objekte eine eigene Dynamik während der Betrachtung – je nach Standort verändert sich die Wahrnehmung, verändert sich die Wirkung. Die Skulpturen von Dämpfle zeigen die ständige Ambivalenz in der wir Leben – es ist nicht nur die eigentliche Form der Skulptur, die auf den Betrachter wirkt. Sondern auch die Wirkung der bearbeiteten Oberfläche. Dieses außergewöhnliche Zusammenspiel von Zwei- und Drei-Dimensionalität macht die Skulpturen von Dämpfle zu einem besonderen Kunsterlebnis.

Matthias Dämpfle in seinem Atelier. © BetonBild

Im vergangenen Februar war der Künstler auf der art Karlsruhe bei der Galerie Marek Kralewski zu sehen. Demnächst stellt er zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Malerin Elisabeth Bereznicki, in der Galerie HOLMSKI in Paris aus.

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