18.07.2019

Beton(t) grün

Seminarpavillon auf der BUGA Heilbronn 2019

Erkrath, Juli 2019. Von wegen nur Blumen: Die diesjährige Bundesgartenschau Heilbronn stellt erstmals auch ein grünes Stadtquartier aus – und erweitert damit das altbekannte Format um zukunftsfähige Bau- sowie Lebenskonzepte.

Im Ländle weht ein frischer Wind: Auf 40 Hektar innenstadtnaher Fläche und am Neckar präsentiert die BUGA Heilbronn eine Garten- und Stadtausstellung, die zum ersten Mal auch die nachhaltige Nutzung urbaner Räume berücksichtigt. Vor dem Hintergrund der wachsenden Flächenknappheit sind so Bauwerke entstanden, die auf effiziente Weise möglichst viel Grünflächen schaffen. Bestes Beispiel: der Seminarpavillon von Architekturbüro Joos Keller.

Basierend auf den Ausschreibungsvorgaben des Bauherrn verfügt das Gebäude über einen Seminarraum für 60 Personen, eine vorgelagerte Pergola und eine Dachterrasse, die über eine einläufige Treppe erschlossen werden kann. Hier entstand in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Heilbronn überdies ein urbaner Garten, der als Anbauort für gesunde Lebensmittel und Ort der Begegnung fungiert. Prof. Dr. Katja Lotz, Projektleiterin und Studiengangsleiterin im Studiengang BWL-Food Management erklärt die Idee dahinter: „Unser Garten ‚Himmelbetontgrün‘ ist ein Mini-Modell für die Städte der Zukunft, in denen Nahrungsmittelanbau und Stadtleben aus ökonomischen und ökologischen Gründen wieder stärker miteinander verwoben werden.“

Seminarpavillon to go

Selbstredend, dass auch in puncto Materialwahl des Bauwerks nichts dem Zufall überlassen werden sollte. Umweltschonend, platzsparend und mobil – das waren die anspruchsvollen Vorgaben, die den Entwürfen des Stuttgarter Architekturbüros zugrunde lagen. Entsprechend schnell fiel die Entscheidung der Verantwortlichen zugunsten einer Konstruktion aus Betonfertigteilen. Architekt Kyrill Keller erinnert sich an die Entwurfsphase: „Wir entwickelten ein System, das mit möglichst vielen gleichen Teilen eine hohe Effizienz in der Produktion und auf der Baustelle aufweist.“ Das Besondere: Der ganze Bau besteht aus modularen Betonplatten, die nach Ende der Bundesgartenschau vollständig abgebaut und an anderer Stelle wieder neu zusammengesteckt werden können. „Das wiederverwendbare Betongebäude ist in dieser Form einzigartig“, so Architektin Monika Joos. „Verankert sind die Betonteile über sogenannte Köcherfundamente, die es ermöglichen, sie sicher zu fixieren.“ Ausgesteift wird das Bauwerk wiederum über Deckenplatten, die mittels Schraubverbindungen zu einer statisch wirksamen Scheibe verbunden sind.

Umso größer die Sorgfalt, die man bei der Fertigung der auf Wiederverwendbarkeit ausgelegten Fügungen walten lassen musste, wie Architekt Keller erklärt. „Die Arbeit mit Sichtbetonfertigteilen ist in der Tat sehr komplex. In die Schalung müssen bereits sämtliche Elemente der Elektroinstallation, aber auch Befestigungselemente für Schraubverbindungen exakt eingelegt werden.“ Unnötig zu sagen, dass auch bei der Montage der zum Teil mehr als acht Tonnen schweren Einzelteile Vorsicht geboten war – schließlich lassen sich Beschädigungen in der Sichtbetonoptik nachträglich nur schwer kaschieren.

Mobil und nachhaltig

Beton ist der ideale Baustoff für nachhaltige Gebäude. Für die Projektverantwortlichen der BUGA Heilbronn 2019 liegen die Gründe auf der Hand. Entsprechend war von Anfang an klar, dass der klassische Garten in Hinblick auf die urbane Nachverdichtung kurzerhand in die Höhe wachsen müsste. Dabei stellt die Nutzung von Dachgärten sicherlich kein Novum dar – dass der Pavillon selbst als Temporärbau konzipiert wurde, ist indes eine kleine Sensation. So zeigt uns der Entwurf von Joos Keller, dass der sich wiederholende Lebenszyklus – vom Anbauen über die Kultivierung bis zur Ernte – sowohl in Hinblick auf den urbanen Garten als auch auf die mobile Nutzungsweise des Pavillons schier endlos weitergedacht werden kann.

Beton. Für große Ideen.

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