Monolitischer Schwimmbadkörper aus Beton

Seebad in Kaltern/I

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DauerhaftigkeitOberflächeSchalungSelbstverdichtender BetonZement

Architekt

the next Enterprise, Wien/A

Bauherr

Comune di Caldaro - Marktgemeinde Kaltern, Südtirol, Italien

Projektbeteiligte

Bollinger + Grohmann, Frankfurt/Wien (Statisches Konzept); Bergmeister & Partner, Vahrn/I (Tragwerksplanung); Stephan Dellago, Bozen/I (Bauleitung); Christian Ploderer, Ploderer & Partner, Wien/A (Lichtplanung)

Jahr

2006

Ort

Kaltern am See, Südtirol, Italien

Konstruktionsmerkmale

Exakte Betonoberflächen erzeugen den optischen Eindruck monolithischer Flächen

Beschreibung

Das Areal des Seebads befindet sich am Westufer des Kalterer Sees. Bestimmend für die Positionierung des Bades waren – neben dem Einbeziehen des bestehenden Lidogebäudes – zwei Faktoren: das Grundstück sollte zu einem möglichst großen Teil unbebaut erhalten bleiben, und der Blick von der Seepromenade auf den See durfte nicht verstellt werden. Um diese Bedingungen zu erfüllen, wurde das Seebad auf zwei Ebenen angeordnet, dem so genannten „Sonnendeck“ und der darunter liegenden „Aquariumsebene“. Der Zugang erfolgt über das Sonnendeck, das am höchsten Punkt des Grundstücks niveaugleich an das bestehende Gelände anschließt und die umgebende Topographie wie eine künstliche Landschaft in Richtung Seeufer fortsetzt. Das Sonnendeck dient sowohl als Badebereich als auch als öffentlicher Freibereich. Hier sind die Räume angeordnet, die sowohl von innerhalb als auch von außerhalb der Badeanlage genutzt werden: eine Bar, ein kleines Geschäft, die Schwimmbadkasse und eine Tribüne für Veranstaltungen. Am Deck befinden sich auch die Schwimmbecken.

Die leichte Hanglage des Grundstücks ermöglicht es, das Niveau der Liegewiese unter das Sonnendeck fortzusetzen und einen Großteil des Raumprogramms wie Haustechnik, Umkleide- und Sanitäranlagen, sowie Personal- und Lagerräume, im so genannten "Aquarium", unterzubringen. Dieser überdachte Bereich der Aquariumsebene ist gleichzeitig Spiel-, Fitness- und Veranstaltungsfläche und ist umlaufend mit Tageslicht belichtet. Durch verglaste Öffnungen im Beckenboden des Mehrzweckbeckens und Glasbetonfelder im Sonnendeck dringt atmosphärisches Licht ins Aquarium. Bei sommerlichen Regengüssen ist diese Schwimmbadzone ein regengeschützter Unterstand, an sonnigen, heißen Tagen eine schattige Spielzone. Durch die Anordnung auf zwei Ebenen kann die versiegelte Fläche verringert und die Liegewiese im Vergleich zum Altbestand um mehr als ein Drittel vergrößert werden.

Das bestehende Lidogebäude ist als Erinnerungsrelikt in das Seebad integriert und dient als Restaurant mit Seeterrasse. An der Nordseite des Althauses wird als eigenständiger Baukörper die neue Küche hinzugefügt, die die bisher vernachlässigte Rückseite zu einem Platz fasst und eine großzügige Sichtschneise zwischen östlichem Seeufer und neuem Seebad herstellt.

Beton

Aus gestalterischen Gründen war vom Architekten eine leichte Oberflächenstrukturierung vorgesehen. Die Farbe des Betons sollte mittelgrau sein. Ferner war der Wunsch des Architekten, eine gleichmäßige Oberfläche zu erhalten, möglichst ohne Farb- oder Helligkeitsunterschiede, Wolkenbildung und Lunker. Um den optischen Eindruck monolithischer Flächen nicht zu stören, war eine weitere Planungsvorgabe, die gesamte Schalung ohne Schalungsanker auszuführen. Auch die Ausbildung von Arbeitsfugen, horizontale bzw. vertikale, war nicht erlaubt. Alle Stützkerne mussten deshalb in einem Betonierschritt ohne Unterbrechung bis zur Höhe der Badebenen betoniert werden. Die Betonierkanten verliefen an einigen Stützkernen in sehr spitzen Winkeln aus. Aus gestalterischen Gründen sollten sie dennoch nicht durch Leisten gebrochen werden. Verlangt war die exakte, lunkerfreie Ausbildung aller Kanten. Zahlreiche Flächen der Stützkerne waren geneigt und mussten mit Konterschalungen hergestellt werden. Aus diesen Planungsvorgaben kam für die Betonage letztlich nur selbstverdichtender Beton (SVB) in Frage.

Als Zement kam ein Spezialzement zum Einsatz, der eigens zur Herstellung von selbstverdichtendem Beton entwickelt wurde. Der Beton erhielt dadurch einen hellen und warmen Grauton. Zur Herstellung der gewünschten, leichten Struktur mit Holzmaserung, kamen Schaltafeln aus schwach saugenden Dreischichtholzplatten zum Einsatz. Durch die saugende Wirkung des Holzes wurde außerdem das Erzielen einer Betonoberfläche mit nur geringen farblichen Unterschieden und einer geringen Porigkeit begünstigt. Aufgrund der sehr komplizierten Geometrien aller Stützkerne und der Tatsache, dass jeder Kern ein Unikat war, kam jede Schaltafel nur einmal zum Einsatz. Durch die leicht versiegelte Brettchenstruktur der Tafeln wurde eine für Beton vergleichsweise „samtige, fast weiche“ Haptik erzielt.

Quelle

Baunetz Wissen Beton

Bildnachweis: Lukas Schaller, Wien/A

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