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MAGAZIN / REPORTAGEN

Nachhaltigkeitsreport - Mobilität

Es ist wohl ein menschliches Urbedürfnis sich zu bewegen. Mobilität fühlt sich gut an. Nun ist es aber so, dass die meisten Menschen auf unserer Erde heute deutlich mobiler sind, als sie es aus eigener Kraft eigentlich sein könnten. Flugzeuge, Autos, Bahnen, Schiffe – wir haben Mittel und auch Wege ersonnen, unserer eigenen Begrenztheit zu entkommen. Nachhaltig ist das nicht immer, das wissen wir heute. Aber nachhaltiger geht es schon. An der großen Mobilitätsdrehscheibe Frankfurter Flughafen hat Nachhaltigkeit viele Bedeutungen.

 

 

„Der Flughafenbetrieb ist klimaneutral, die Airlines haben ihren CO2-Ausstoß halbiert, Schiene, Flugzeug und Elektromobilität bilden ein engmaschiges Netz“, diese Vision hat Jörg Kämer, Nachhaltigkeitsmanager der Fraport AG, wenn man ihn nach dem Flughafen 2100 fragt.

„Die Passagiere kommen dann in der Mehrheit nicht mehr mit dem Auto und wenn, dann vielleicht mit Elektromobilen. Und – ganz wichtig! – wir werden uns perfekt auf Seniorenreisegruppen eingestellt haben.“ Derzeit allerdings schreiben wir das Jahr 2012 und deshalb ist es noch nicht soweit.

Aber genau dafür gibt es ja Jörg Kämer. Er hat das Thema Nachhaltigkeit mit seinen schier unendlichen Facetten auf der Agenda. Da geht es um die Wärmedämmung der Gebäude, die Elektromobilität der Fahrzeugflotte, die stärkere Verbindung von Luftfracht und Schienenverkehr oder sogar um die Artenvielfalt auf dem Flughafengelände.

Das Verständnis von Nachhaltigkeit geht aber weit über Umwelt- und Klimaschutzthemen hinaus – auch wenn der Begriff im allgemeinen Verständnis oft dahingehend verkürzt wird. Gesundheitsmanagement, Frauen in Führungspositionen, demografischer Wandel und der Kunde der Zukunft stehen bei Fraport genauso auf dem Programm wie der CO2-Footprint, Lärm oder Sicherheit. Zugegeben, ein klein wenig muss man um die Ecke denken, um beispielsweise den Zusammenhang zwischen Frauen in Führungspositionen und nachhaltiger Mobilität zu verstehen. Aber die Erklärung folgt auf dem Fuße. „Nachhaltigkeit“, davon ist Jörg Kämer überzeugt, „hat immer etwas mit Wertzuwachs zu tun. Den gibt es auf verschiedenen Ebenen.Das reicht von ganz schlichten wirtschaftlichen Effekten beim Energiesparen über den Zuwachs an Kompetenzen und Qualifikationen in der Mitarbeiterschaft bis zum Imagegewinn.

Beschäftigt man sich heute nicht mit der Rolle von Frauen im Mobilitätsunternehmen Fraport, so fehlen in Zukunft Fachkräfte.“ Ach so! Vielleicht lohnt es sich, unter diesem Aspekt noch einmal die Bedeutung von Nachhaltigkeit zu betrachten. Im Kern geht es darum, kommenden Generationen ausreichende Ressourcen für eigene Gestaltungsspielräume zu hinterlassen. Damit sind auch, aber längst nicht nur, Umwelt und Rohstoffe gemeint. Ein nachhaltig handelndes Mobilitätsunternehmen wird versuchen, die Basis dafür zu schaffen, dass auch kommende Generationen noch mobil sein können. Nur vielleicht anders.

Ganz gut erklärt sich das am Beispiel demografischer Wandel und den eingangs schon erwähnten Seniorenreisegruppen.

Der Fluggast der Zukunft hat – öfter und öfter – einen Rollator dabei. Er möchte damit barrierefrei und reisefreudig ein Flugzeug besteigen, respektive berollen. Kann er das nicht, dann lässt er es lieber mit dem Fliegen, sondern fährt mit dem Niederflurbus nach Bad Wörrishofen. Und das wäre für das Unternehmen Flughafen nicht nachhaltig, oder?

 

 

 

 

 

 

 

Zwei Reporter, eine Reise


Unsere Redakteurin Dorothee Boensch und unser Fotograf Daniel Roos sind für diese Reportage einige Tausend Kilometer quer durch Deutschland gereist. Was lag da näher, als dafür Transportmittel zu wählen, die gemeinhin als „nachhaltig“ gelten. So ging es per Bus, Bahn, Fahrrad, Elektroauto und Pedes zu den Reisezielen. Wie die Erfahrungen damit waren, lesen Sie hier:

 

Reise zum Flughafen

Wer elektromobil unterwegs ist, muss heute noch auf die Reichweiten achten. Insofern erschien uns der Weg aus Wiesbaden zum Frankfurter Flughafen die perfekte Strecke, um mal ein Elektroauto zu testen. Das kann man ja heutzutage schon mieten und ab geht die Post. Leise ist es. Wow! Aber weil man elektrisch derzeit noch in der Kategorie Kleinwagen unterwegs ist, zieht man gerade rund ums Frankfurter Kreuz manchmal den Kopf ein. Ansonsten kamen wir gut, pünktlich und ohne Pannen an. Fazit: Eine gute Erfahrung wenngleich vielleicht auch ein bisschen Geschmackssache. Der Flughafen Frankfurt war auf jeden Fall das perfekte Ziel: Im Parkhaus P4 gibt es eine Stromtankstelle!

 

Reise zur Bahnstadt

Der Name legt es nahe: Zur Bahnstadt in Heidelberg reisten wir mit der Bahn an. Die fuhr pünktlich ab und kam beizeiten an. Vom Hauptbahnhof erreichten wir unseren Interviewpartner in nur wenigen Gehminuten. Fazit: Das Konzept „verkehrsgünstige Lage“ geht auf. Wir machten es uns im Zug gemütlich und genossen dann einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft. Das Auto kann zu Hause bleiben. Wunderbar! Und nachhaltig.

 

Reise zur Commerzbank

Frankfurt ist eine Großstadt und als solche mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln prächtig erschlossen. Wir starteten in mit dem Bus zum Wiesbadener Hauptbahnhof und von dort aus ging es weiter mit der S-Bahn bis zur Haltestelle Hauptwache. Der Rest geht prima zu Fuß. 89 Minuten dauerte der Spaß von Tür zu Tür. Zeitung konnten wir nur teilweise lesen, weil die S-Bahn doch ordentlich voll war zur Hauptverkehrszeit. Das war auf dem Rückweg zur Mittagszeit schon entspannter. Fazit: Nachhaltig? Ja. Schön? Naja. Zeitaufwändiger als mit dem Auto, dafür trotz allem noch stressfreier.

 

Reise zum IllerKraftwerk

Nun liegt Kempten vom Rhein-Main-Gebiet aus gesehen, nicht gerade um die Ecke und über eine nachhaltige Anreise muss man ein wenig nachdenken. Das taten wir und nicht zu knapp. Die nachhaltige Anfahrt wurde zur planerischen Herausforderung. Bahn und Fahrrad hätten wir gerne kombiniert. Denn das Illerkraftwerk liegt in Kempten gute 30 Fußminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Zu lang zum Laufen aber eine ideale Distanz zum Radeln. Doch drei Mal umsteigen bei vier Stunden Fahrzeit – da ist Fahrradmitnahme im Zug keine gute Idee. Dann vielleicht ein Fahrrad vor Ort ausleihen? Am Bahnhof selbst: Fehlanzeige. Es gibt aber einen eBike-Verleih auf den fiel die Wahl. Fazit: Wenn auch einfaches Fahrradfahren noch nachhaltiger wäre, so hat doch eBike fahren einen zusätzlichen Spaßfaktor – an der Iller entlang möchte man gar nicht mehr absteigen. Die Bahnfahrt ist durch die Umstiege etwas unkomfortabel – aber immerhin: Im Stau haben wir nicht gestanden.

 

Reise ins Zementwerk

Ins Zementwerk nach Beckum fuhren wir schließlich doch noch mit dem Auto, hatten aber die Fahrräder im Gepäck. Denn schließlich wollten wir uns umsehen in renaturierten und ungenutzten Steinbrüchen. Da ist das Fahrrad erste Wahl. In Beckum gibt es die 27 Kilometer lange Zementroute – ein toller Radweg, der Freizeitgefühl pur mit einem Eindruck der Münsterländer Industriekultur verbindet. Fazit: Auto und Fahrrad ist die ideale Kombination für individuelle Bewegungsfreiheit. Nachhaltiger geht es schon, aber manchmal lassen wir fünfe gerade sein und machen es uns nachhaltig einfach.