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MAGAZIN / REPORTAGEN

Grosse Freiheit

Die Hamburger Designerin Alexa Lixfeld ist ein wandelndes Yin und Yang. Jedes Projekt, das sie beginnt, ist ein Spiel sich gegenseitig beruhigender und zugleich Energie erzeugender Gegensätze. Die naturgemäß leicht poröse Oberfläche von Beton gießt sie nicht in grobe Schalbretter, sondern in hauchfeine Körper mit Wandstärken chinesischen Porzellans. Beim nächsten Projekt wiederum – einem von ihr kreierten Parfum – ist der Beton ein kubischer Kontrapunkt zum gläsernen Flakon.

 

Mit Design assoziiert man Geschmack und mit Geschmack häufig auch den vielgestaltigen Reiz, den Lebensmittel auf der Zunge verursachen. Niemand hat so gut wie der bekannte Gastrokritiker Jürgen Dollase beschrieben, was die Qualität guten Essens ausmacht. In seiner legendären Geschmacksschule lädt er dazu ein, die verschiedenen Sinne in die Bewertung einer Speise einzubeziehen. Er findet Worte für das Aufeinandertreffen von konträren Erlebnissen, die erst in ihrem Zusammenspiel Qualität ausmachen.

 

 

Alexa Lixfelds Designobjekte sind zwar vordergründig für die Augen konzipiert, spielen aber fast immer mit dem Prinzip der unvollständigen Wahrnehmung: Sie gibt eine Form und eine Textur vor und provoziert damit beim Betrachter unwillkürlich Assoziationen unter den Fingerkuppen, weil sie matte und glasierte Partien kombiniert. Ihr Schmuck aus gegossenem Beton etwa wirkt trotz seines Volumens federleicht, weil sie die Gussgrate in ihr Spiel einbezieht und Hohlkugeln vortäuscht.

 

Design ist für Alexa Lixfeld nicht nur Form – es ist auch Geste und Kontext, gewähltes Material und gleichzeitiger Widerspruch. Wobei der Gestaltungsprozess nicht mit der Lösung eines bereits tausendfach gelösten Problems beginnt, sondern mit der Formulierung einer Frage, die zuvor noch keiner gestellt hat. Und manchmal lautet die Frage auch ganz einfach: „Warum eigentlich nicht?”

 

Warum eigentlich nicht Puppen aus Zeichnungen von Kindern fertigen, statt die Fantasie von Kindern mit ebenso massenhaft wie maskenhaft produzierter Industrieware zu limitieren?

Qualität ist für Alexa Lixfeld, die an der Design Akademie Köln und der Design Academy Eindhoven studierte und deren Arbeiten mit vielen renommierten Preisen ausgezeichnet wurden, weit mehr als die Suche nach der „guten” Form. Es ist die Freiheit, Dinge anders zu machen, und dazu gehört auch die Mischform, mit der sie ihre Arbeiten produziert: Halb seriell, halb als Manufakturfertigung – immer mit dem Freiheitsgrad verbunden, sich nicht auf ein Erfolgsmodell festlegen zu müssen, das sie zwangsläufig in ein Fahrwasser von Konventionen pressen würde.

 

Deshalb ist es auch alles andere als ein Zufall, dass das Design bereits ihre zweite erfolgreiche Karriere ist. Die erste Karriere – als Model der New Yorker Agentur „elite” – führte sie rund um den Globus und auf viele Titelseiten. Heute führt sie Regie und entscheidet in ihrem Atelier selbst, welche Modelle sie auf den Laufsteg schickt. Das ist ein selbstbestimmteres, freieres Arbeiten. Und unabhängig von den vielen gestalterischen Möglichkeiten ist diese Freiheit auch eine Form von Lebensqualität, die sie jeden Tag neu formulieren kann.