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MAGAZIN / REPORTAGEN

Der Maschinist

Irgendwie und irgendwo hat man sie doch aus dem Augenwinkel schon mal wahrgenommen: Laster, die eine fragil wirkende Klappkrankonstruktion huckepack tragen. Zusammengeklappt fast schon unscheinbar, auseinandergezogen ziemlich dürr, beeindruckend lang und statisch eher fragwürdig. Meist stehen sie auf einer Baustelle und tun da … ja was eigentlich? Fragen wir Michael Tamm, der ist nämlich Experte dafür. Als Maschinist bedient er diese – na endlich! – Auto-Beton-Pumpen. Er ist der Mann, der die Knöpfchen drückt und die Hebel umlegt. Und zwar den richtigen rechtzeitig – genau das ist die Kunst.

Es ist einer dieser schönen Tage mit Schäfchen-Wölkchen-Himmel und auf der Baustelle am Südrand von Hamburg ist es noch ruhig, fast idyllisch. Alles ringsum ist eine weite Fläche aus aufgeschütteter Erde – nur eine kleine Ecke ist schon bebaut. Eine Reihenhaussiedlung wird hier entstehen und im Hintergrund fließt die Elbe. Ganz hübsch kann das werden, wenn es fertig ist. Doch bis dahin ist noch ein gutes Stück Weg und den nächsten wichtigen Schritt darauf muss Michael Tamm gehen. Eine lässig fröhliche Art hat er und beim „Gutn-Tach-Sagen“ hört man den Original-Hamburger. Ansonsten ist er kein Mann der vielen Worte, warum auch – bei seiner Arbeit sind Taten gefragt. Die Fundament-Platten sollen hier heute gegossen werden und dazu braucht es jede Menge Beton. Der wird jetzt in großen Mischer-Autos erwartet. Und die müssen pünktlich anrollen, denn nur so kann die volle Leistung der Betonpumpe ausgenutzt werden. 7 Kubikmeter Beton passen in einen Transporter. 40 Kubikmeter bewegt die Pumpe in einer Stunde – die Logistik muss also perfekt funktionieren, damit die teure Pumpe wirtschaftlich arbeiten kann. Genau das tut sie jetzt und der Einsatz ist – wenigstens für Laien – beeindruckend. Die Arme entpuppen sich im ausgeklappten Zustand als überraschend ausladend. Sie verbiegen sich grazil und erreichen erstaunliche Distanzen.

Was ist für Michael Tamm die Herausforderung an seiner Aufgabe? Bei Wind und Wetter immer draußen sein, vor allem das. Außerdem ist er immer auf neuen Baustellen, manchmal täglich an wechselnden Orten – auch dafür muss man der Typ sein. „Man muss mit den Menschen vor Ort auskommen, das ist nicht immer einfach“, findet Tamm. Trotzdem mag er seinen Beruf. Das liegt vielleicht auch daran, dass er immer mitbaut, an der Welt, in der er lebt. Das höchste Gebäude, an dem er in seinen 28 Jahren als Maschinist an der Betonpumpe mitgearbeitet hat, war der HCC Tower in der Hamburger Speicherstadt mit immerhin 134 Metern. Aber für Tamm sind die Superlative gar nicht so entscheidend, das Leben hat schließlich noch ganz andere Seiten. Vielleicht zieht es ihn deshalb auch nicht auf eine der gigantischsten  Dauerbaustellen der Welt, nach Dubai. „Das Bier dort soll mies sein“, hat er sich sagen lassen. Das ist in Hamburg echt anders.