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MAGAZIN / REPORTAGEN

Der Bau und Industrietaucher

Er wäre die Idealbesetzung für’ s heitere Berufe raten. Denn er ist zugleich Schweißer, Maschinist, Maurer, Betontechniker, Projektkoordinator und manchmal sogar Bürokraft – ganz nach Bedarf und vor allem unter Wasser: Dirk Moscardini ist Berufstaucher. Einer von geschätzten rund 1.000 Vertretern eines exotischen Berufsstandes. Hier in Hamburg tummeln sich – landschaftlich und städtebaulich bedingt - einige von ihnen. Alleine die Instandhaltung und Erweiterung der Hafenbecken, macht Berufstaucher hier zu einer Zunft mit Zukunft.

 

 

Auch die gigantische Baustelle, an der wir Dirk Moscardini treffen, hat im weitesten Sinne mit Hafen zu tun. Hier wird die Hafen-City gebaut und ganz konkret geht es um einen U-Bahntunnel für die neue U4, die eines schönen Tages den Jungfernstieg mit der Hafen-City verbinden soll. Es riecht so typisch nach Baustelle und ein ganz klein wenig nach Wasser. Im Hintergrund ahnt man die Elbe und die Elbbrücken, auf der anderen Seite die Hamburger Speicherstadt.

Der Baugruben sind auf einer so großen Baustelle naturgemäß viele. Viele sind geflutet vom Grundwasser, und manchen fehlt auch noch die Beton-Dichtigkeitssohle. Da müssen dann die Taucher ran und die verstehen ihr Handwerk, erklärt Dirk Moscardini: „Die Verarbeitung von Beton unter Wasser gehört zur zweijährigen Ausbildung eines Berufstauchers.“ Ebenso übrigens wie das Schweißen und viele, viele Regeln zur Sicherheit im Beruf und auf der Baustelle. Fehler dürfen hier nicht passieren, die wären fatal und können sogar Menschenleben gefährden. Seit 13 Jahren ist er Berufstaucher. Aber damit ist er längst nicht der Dienstälteste. „Es gibt Leute, die machen das, von der Ausbildung bis zum Rentenalter und länger.“

Die größte Herausforderung ist für Dirk Moscardini unter erschwerten Bedingungen und sich ständig ändernden Aufgaben zu arbeiten - stets eine Lösung zu finden und das bei Wind, Wetter und auch im Winter. „Da wird es kalt im Wasser, man kühlt schnell aus und das raubt einem die Kräfte. Außerdem ist die Sicht in der Regel gleich Null und man verliert schnell die Orientierung.“ Trotzdem: Aufregen kann ihn so ein Einsatz nicht. Er strahlt Gelassenheit aus und man merkt, dass er es gewöhnt ist, nach seiner ungewöhnlichen Arbeit gefragt zu werden. Und auch die Reaktionen seines Gegenübers kennt er schon: Erstaunen, Ver- und auch Bewunderung. Ein wenig Abenteuer umrankt ja unwillkürlich einen solchen Beruf. Kann man damit abends auf einer Party den Helden geben? Dirk Moscardini grinst und das soll wohl heißen: Party? Von 365 Tagen ist man 300 Tage unterwegs, da ist die Familie wichtiger. Dann zieht er seinen Taucheranzug an. „Da unten“, er zeigt auf eine Baugrube voller Wasser, „gibt es noch was zu Schweißen.“