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MAGAZIN / REPORTAGEN

Beton für die Fledermaus - Die UNTERwegs-Kellertour

Foto: Thoma, Untere Naturschutzbehörde

 

Hier unten ist es kühl und dunkel. Etwas Licht fällt vom Eingang des Kellers her in den hohen Raum, in dem wir stehen. Es riecht nach Erde und Wald, nach altem Gemäuer. Nur von den Fledermäusen riecht, hört und sieht man nichts. Das ist aber nicht weiter verwunderlich, dienen doch die Fledermaus-Keller im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen in Mittelfranken den Tieren in erster Linie als Winterquartier. Ich darf heute aber trotzdem einen Blick hineinwerfen. Katharina Peter, die mir beide Keller zeigt, hängt mit ganzem Herzen an dem Projekt und hat sich bereitwillig erklärt, mir ausführlich zu erklären, was es mit den Fledermaus-Quartieren auf sich hat. Die Keller liegen ein wenig verborgen und sind mit einem Gitter verschlossen. Das hat gute Gründe.

 

Foto: Cascade

 

Ein neues Zuhause für die fränkische Fledermaus
Der Ruf der Fledermaus hat sich zwar in den letzten Jahren zusehends gebessert – Batman ist inzwischen vermutlich einfach beliebter als Dracula -; Schutzmaßnahmen für die Tiere sind dennoch wichtig. Nicht wenige Arten sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Auch in Mittelfranken finden sich einige sehr seltene Arten, die sich auf diesen Lebensraum spezialisiert haben und besonderer Schutzmaßnahmen bedürfen. Dazu gehören beispielsweise das 'Große Mausohr', das 'Braune Langohr' sowie Wasser-, Fransen-, Bart- und Bechsteinfledermaus.

 

Fotos: LBV

 

„Grabungskeller“ und „Waldkeller“ wurden früher in erster Linie verwendet, um Bier zu lagern und Fleisch zu konservieren und sind seit erst einigen Jahren fledermaustauglich. Rund 15 Meter tief in den Hügel gebaut sind die Gewölbe, die jahrzehntelang einfach ungenutzt verfielen und durch die Einsturzgefährdung auch als Lagerräume nicht mehr geeignet waren.Die Fledermäuse hatten die Keller zwar schon länger als Winterquartiere wahrgenommen, aber durch den Druck, der vom Waldboden auf die alten Gemäuer ausgeübt wurde, liefen diese Gefahr, früher oder später die Heimat der nachtaktiven Insektenjäger unter sich zu begraben. Es musste also dringend eine Lösung her.

 

Foto: Cascade

 

Beton und Naturschutz passen gut zusammen
Der Landkreis reagierte und setzte sich dafür ein, dass die Keller instandgesetzt wurden, um den seltenen Säugetierarten weiterhin ein Zuhause zu bieten. Die notwendigen Mittel hierzu beliefen sich insgesamt auf rund 31.000 Euro, die zum Großteil vom bairischen Umweltministerium und der Europäischen Union übernommen wurden. Der Eingangsbereich des „Waldkellers“ war teilweise bereits eingestürzt und wurde durch eine Vorderfront aus Beton ersetzt, die die notwendige Stabilität gewährleistete.

 

Foto: Cascade

 

Auch im Inneren des Kellers wurden Betonstützen installiert, die das Gemäuer an Ort und Stelle halten. Man sieht, dass es schon einige Jahre hinter sich hat, dennoch ist beeindruckend, wie genau die Steine aufeinandergesetzt wurden, damit die ganze Konstruktion hält. Hier passt alles zusammen.

 

Foto: Thoma, Untere Naturschutzbehörde

 

In den winzigen Lücken zwischen den einzelnen Steinen finden die Fledermäuse in den Wintermonaten einen temperaturstabilen Unterschlupf. Regelmäßig finden Zählungen statt, die von den Fledermaus-Experten der Region durchgeführt werden, so Peter. Sie selbst ist oft dabei und immer beeindruckt, dass die Spezialisten anhand weniger Merkmale sofort zuordnen können, zu welcher Art die Tiere gehören. Viel sähe man ja von ihnen nicht, wenn sie sich in den Steinzwischenräumen einnisten, sagt sie lachend.

 

Foto: Thoma, Untere Naturschutzbehörde

 

Fledermäuse brauchen unsere Hilfe
Die Bestände der Fledermäuse in Deutschland sind in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg stark zurückgegangen und erholen sich, wenn überhaupt, nur sehr langsam. Die Fledermauskeller sind deshalb so wichtig, weil es kaum noch störungsfreie Rückzugsorte gibt, die den Ansprüchen der Tiere genügen. Auch Gebäudesanierungen und die Verwendung von chemischen Insekten- und Holzschutzmitteln tragen dazu bei, dass mittlerweile bereits 14 der in Bayern beheimateten Fledermausarten auf der Roten Liste stehen. Neben solchen konkreten praktischen Schutzmaßnahmen bestehen die langfristigen Ziele des Fledermausschutzes auch in der Aufklärung der Bevölkerung und mehr Rücksichtnahme, was beispielsweise Renovierungsarbeiten betrifft. Zunehmend problematisch wird allerdings, dass die Artenvielfalt der Region ebenfalls durch Massentierhaltung und Pestizide gefährdet wird. Durch die Reduzierung der Insektenbestände fallen immer mehr Futterquellen weg, die eigentlich sehr wichtig für die Artenvielfalt sind. Dieses Problem ist allerdings nicht auf Mittelfranken beschränkt, sondern weitet sich auf ganz Deutschland aus. Eine Lösung gibt es wohl vorerst nicht; dazu müssten mehr Bauern kleine Teile ihrer Flächen für den Artenschutz zur Verfügung stehen. Und mehr Geld für Naturschutzprogramme und -projekte wäre natürlich gut, meint Katharina Peter. Ich antworte, dass das eigentlich machbar klingt, aber sie schüttelt bedauernd den Kopf. Das mit der Bürokratie ist doch bisweilen etwas knifflig. Das ist schade; man kann sehen, wie sehr ihr Herz an diesen Projekten hängt, zu denen nicht nur die Fledermauskeller gehören, sondern zum Beispiel auch Naturparkförderung oder der Erhalt alter Obstsorten, die es sonst nirgends gibt. Die Region ist aber nicht nur Rückzugsort seltener Fledermausarten, sondern beheimatet auch einzigartige Schmetterlinge, Greifvögel und bisweilen einen Luchs. Dass sie beim Landratsamt in Weißenburg gelandet ist, war ein Zufall, aber sie ist hier sehr zufrieden und möchte auch nirgendwo anders hin. Sie hat einige Jahre in München gewohnt und gearbeitet, aber hier auf dem Land ist es einfach besser – und für ihre kleine Familie schöner als in der Stadt. Eigentlich hat sie Landschaftsarchitektur studiert, aber als dann die Stelle im Landratsamt frei wurde, zögerte sie nicht. Naturschutz ist für sie mehr als ein Beruf; auch in ihrer Freizeit verbringt sie viel Zeit mit ihren Herzensprojekten. Als ich sie frage, ob es abgesehen von der
Bürokratie Dinge gibt, die sie stören, denkt sie kurz nach und antwortet dann, dass es ab und zu Ärger mit übereifrigen Geocachern gebe. Geocaching ist moderne Schatzsuche, die immer beliebter wird. Die sogenannten Caches sind meist kleine, wasserdichte Behältnisse, die sehr gut versteckt werden. Als Verstecke bieten sich die Fledermauskeller natürlich an, allerdings wollen die Tiere ja auch ihre Ruhe. Besonders engagierte Geocacher brachen sogar in die Keller ein, aber die Metallgitter an den Eingängen verhindern größere Ruhestörungen.
Auch ich nehme das als Stichwort und bedanke mich bei Katharina Peter für das Gespräch und mache mich auf den Rückweg. Natürlich nicht, ohne mich noch einmal umzusehen. Vielleicht entdecke ich ja doch noch ein Großes Mausohr.

 

Foto: LBV

 

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