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MAGAZIN / INTERVIEWS

Die Frau ist echt

„Madonna, so schreiben es die Journalisten seit vielen Jahren geradezu zwanghaft voneinander ab, erfindet sich ständig neu. Die Moderatorin Enie van de Meiklokjes ist seit inzwischen 18 Jahren sehr präsent, und ihre aktuelle Tätigkeit als Backexpertin ist eine weitere erfolgreiche Rolle für sie auf dem Bildschirm. Aber sie musste sich auch für „Sweet & Easy – Enie backt“ nicht neu erfinden. Enie van de Meiklokjes ist echt und hat nicht vor, ihr Image zu wandeln, sie tut einfach, was sie gerne mag und gut kann. „Ich bin zum Glück in der Lage, dass ich mir aussuchen kann, was ich gerne vor der Kamera machen möchte. Alle Dinge, die man versucht zu tun, obwohl man sie nicht beherrscht oder sogar nicht mag, wirken seltsam.“

 

Sie war VIVA und Bravo TV-Moderatorin, weil sie Musik liebt. Sie hat als gelernte Schauwerbegestalterin in „Wohnen nach Wunsch – Das Haus“ komplette Häuser und Wohnungen umgestaltet. Was ihr trotz Zeitdruck und Baustellenlärm sichtlich Spaß machte. Und nun kann sie auch noch backen? „Ich kann doch jetzt nicht plötzlich fürs Fernsehen backen“, lacht Enie van de Meiklokjes, „privat habe ich schon lange vorher Kuchen gebacken. Nur eben nicht vor der Kamera und nicht nach einem Rezept, sondern mit den Zutaten, die ich in meinem Vorratsschrank hatte.“ In Friedrichshain, ihrem Berliner Bezirk, ist schon lange kein Kuchen aus der Großbäckerei mehr zu sehen. Es ist die Hochburg der Selbermacher – vom Brot bis zum Modeschmuck. Deshalb versteht Enie van de Meiklokjes auch nicht wirklich, warum es so lange gedauert hat, bis das Fernsehen angesichts der offensichtlichen Nachfrage und der grassierenden Cupcake-Euphorie im Internet „komischerweise nicht besonders flink im Aufspüren von Trends ist“.

 

 

Das Sammeln von Inspirationen für ihre Sendung erlebt sie auch nicht als Anstrengung, eher als ein „mit offenen Augen durch die Straßen laufen“. In einer Stadt wie Berlin sei die Zahl dieser Augenreize fast überfordernd, aber auch zugleich immer noch Tag für Tag begeisternd. Wenn Enie van de Meiklokjes dann in „Sweet & Easy – Enie backt“ auf Sendung geht, ist ihr die Küche sehr vertraut, denn die Authentizität gehört auch beim Dreh dazu: Aufgezeichnet wird in einer zum Studio umfunktionierten Berliner Wohnung, und ein Teil der Requisiten stammt aus ihrem Privathaushalt. Allein die Küche selbst ist ein fernsehtaugliches Modell mit einer freistehenden Arbeitsfläche, vor der die Kameras postiert sind.

 

Die warme Amélie-Atmosphäre mit den pastelligen Farben ist deshalb mehr als eine von Requisiteuren komponierte Deko, sie ist ein sichtbarer Beleg dafür, dass während der Zeit der Aufnahmen eine andere Küche in Berlin gerade deutlich leerer ist. Aber neben diesen geborgten Requisiten lässt Enie van de Meiklokjes nur spärliche Einblicke in ihr Privatleben zu. Das ist ein Zeichen für die Qualität der Privatheit in einer Zeit, in der längst auch Nichtprominente sehr freizügig ihr Leben im Netz ausbreiten. Enie van de Meiklokjes sieht das Thema Prominenz wohltuend altmodisch: „Ich habe inzwischen oft das Gefühl, man muss ganz viel erzählen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Aber eigentlich geht es doch darum, was man macht und was man kann. Mir ist es lieber,für eine Leistung, die ich selbst erbracht habe,geschätzt zu werden als für mein Privatleben.“

Bereits aus dem Wenigen, was sie preisgebe, würden sich Menschen Projektionen basteln und seien dann überrascht, dass sie, begegne man ihr persönlich, ganz anders sei als ihre Fantasiegestalt.

 

Wer sich jedoch die Mühe mache, ihr öffentliches Bild mit ihrer realen Person abzugleichen, werde feststellen, wie kongruent die beiden Teile sind: Sie spielt nicht die Figur Enie van de Meiklokjes - die Neugier und der Spaß, mit denen sie Dinge angeht, ist keine Kraftanstrengung, sondern wirklich der Wunsch, etwas zu tun oder auszuprobieren.

 

Pläne für ein nächstes Fernsehformat schiedet sie momentan nicht: Erstens seien „noch längst nicht alle Kuchen dieser Welt gebacken!“ und zweitens habe  sich bisher fast alles sehr natürlich aus den Umständen ergeben. Die Liste ihrer Projekte ist lang: Sie ist als Sprecherin gefragt, präsentiert Galas und Veranstaltungen, hat in Filmen mitgespielt, ein Frauenmagazin auf Arte moderiert, und manchmal war es auch ein verrückter Zufall, der etwas vorantrieb. So wie das Buch „Enies Aquariengeschichten“, das sie für einen Fachbuchverlag schrieb, der von ihrer Begeisterung für Fische in einer Talkshow erfuhr. Dass sie selbst ein Aquarium besitzt und die Geschichten echt sind – das ist fast selbstverständlich.