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MAGAZIN / INTERVIEWS

13 Fragen an Thomas Frickel - Interview

Thomas Frickel ist deutscher Regisseur und Filmproduzent. Wir haben mit ihm über seine neuste Dokumentation 'Mondverschwörung', Lieblingseissorten und die üblichen kleinen Nettigkeiten des Lebens gesprochen. Vielleicht fühlt er sich inspiriert und es folgt schon bald eine Dokumentation über Beton?! Wir sind gespannt.

 

1. Letztes Jahr haben Sie den Dokumentarfilm 'Mondverschwörung' produziert. Was ist Ihrer Meinung nach die unglaublichste aller Verschwörungstheorien, die in diesem Rahmen zur Sprache kamen? Etwa wie Hitler an den Nordpol kam?
Also - wenn meine Informationen stimmen, ist Hitler ja nicht zum Nordpol, sondern zum Südpol geflüchtet - da sollten wir schon bei der Wahrheit bleiben. Das ist aber nicht so unglaublich, wie die Theorie, dass er sich dort mit Hilfe der Raumübersprungtechnik als ca. 30-jähriger heute noch bester Gesundheit erfreut - und zwar deshalb, weil die Bewohner des Planeten Aldebaran den Reichs-Deutschen im Rahmen des intergalaktischen Technologietransfers ein bisschen unter die Arme gegriffen haben. Genügt das?

2. Wie auch in 'Deckname Denis' war Dennis Mascarenas die Leitfigur des Films. Was macht ihn zur perfekten Besetzung?

Dennis ist indianischer Abstammung - das verleiht ihm offenbar die Gabe, selbst in den absurdesten Situationen ohne erkennbare Gemütsregung zuzuhören. Als Amerikaner sind ihm verschwörungstheoretische Ideen ja sowieso nicht fremd, deshalb geht er mit einer Ernsthaftigkeit auf seine Gesprächspartner ein, die ein deutscher Journalist nur schwer aufbringen würde. Und es ist natürlich besonders pikant, dass die Leute das alles einem Amerikaner erzählen, weil die meisten Verschwörungstheoretiker Amerika ja als Quelle allen Unheils sehen.

3. Sind Sie von Vergleichen mit Michael Moore genervt? Was unterscheidet Ihre Art der Dokumentation von seinen?

Als wir 1995 den ersten Film 'Deckname Dennis' zusammen gemacht haben, kannte hier kaum jemand Michael Moore und Dennis ist ja auch ganz anders: Er stellt seinen Gesprächspartnern keine Fallen und er will sie nicht in die Enge treiben. Er lässt sie einfach reden, und das führt zu unglaublichen Resultaten.

4. Was macht den Reiz von Dokumentarfilmen im Gegensatz zu Spielfilmen aus Sicht eines Regisseurs aus?

Der Dokumentarfilm schafft die Möglichkeit, in unbekannten Welten einzutauchen - und solche Welten gibt es eben auch in unserer scheinbar so vertrauten unmittelbaren Umgebung. Dabei ist er immer offen für das Unvorhersehbare, für den Zufall, für die Überraschung. Er spiegelt halt das wirkliche Leben. Einen meiner früheren Filme habe ich mal mit dem Slogan "Nichts ist so grotesk wie die Wirklichkeit" überschrieben. Und ein Kritiker hat den Vorgänger-Film 'Deckname Dennis' eine "ethnografische Reise ins eigene Land" genannt. Das gefällt mit gut.

5. Wie sind Sie zur Filmbranche gekommen?
Mit 14 habe ich von meinem Konfirmations-Geld keine Zigaretten, sondern Super-8-Filme gekauft. Davon kann man also offenbar auch süchtig werden. Der Rest hat sich dann so ergeben...

6. Wenn sie nicht in der Filmbranche tätig wären, womit würden Sie ihr Geld verdienen? Vielleicht mit der Herstellung von Vollmond-Wasser?

Vielleicht wäre ich dann Bundeskanzlerin geworden. Möglicherweise auch ZDF-Intendant.
Nein - im Ernst: über Alternativen denke ich nach, wenn sie notwendig werden. Aber Vollmondwasser könnte ich nicht verkaufen. Ich glaube, die Wirklichkeit hat mich so versaut, dass ich ein ganz schlechter Märchenerzähler geworden bin.

7. Losgelöst von Konventionen und Realität: Wie und wo würden Sie am liebsten leben?
Frei von dem notorischen materiellen Notstand des Künstlerlebens und jenseits der zahllosen visuellen Beleidigungen unserer Städte in einer zumindest optisch intakten Umgebung. Das kann gerne irgendwo in Deutschland sein.

8. Beschreiben Sie uns das perfekte Sofa?
Sofas gehören verboten. Sie stiften zum Faulenzen an.

9. Ein Einrichtungsgegenstand, der in keiner Wohnung fehlen darf:

Das Bücherregal.

10. Welche ist Ihr Lieblingssorte Eis?
Stracciatella - halt: Banane! Ne, Stracciatella, Banane, Vanille, Nuss, Zitrone, Orange, Aprikose. Bloß kein Meloneneis mit ganzen Früchten.

11. Was war das spannendste Betonprodukt, das Sie je gesehen haben?

Die Startbahn West am Frankfurter Flughafen. Unglaublich, was die für Spannungen ausgelöst hat!

12. Stellen Sie sich vor eine Doku über Beton zu drehen. Wie würden Sie vorgehen und wie könnte die erste Szene aussehen?

Außen/Tag. Alte Opel-Rennbahn im Wald unweit meines Wohnorts Rüsselsheim. Vogelgezwitscher. Aus den Spalten des brüchig gewordenen Betons sind inzwischen starke Bäume gewachsen. Die Natur holt sich das Gelände zurück.

13. Die Frage aller Fragen zum Schluss: Rolling Stones oder Beatles?

Stones. Aber auch Leonard Cohen.

 

Foto: Kerstin Hehmann