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MAGAZIN / INTERVIEWS

13 Fragen an Matthias Frings

Matthias Frings wurde 1953 in Aachen geboren. Er ist Fernsehmoderator, Journalist und Autor - sein neuster Roman "Ein makelloser Abstieg" ist gerade erst erschienen. Wir haben 13 Fragen gestellt, die er anstandslos beantwortet hat. Nur eine Frage bleibt offen: Sollte es uns zu denken geben, dass er mindestens zwei mit einer Gegenfrage 'beantwortet' hat?

 

1. Von 1992 bis 1995 haben Sie die Sendung „Liebe Sünde“ moderiert. Glauben Sie es ist Ihnen gelungen den Zuschauer von bestehenden Klischees zu befreien?
Soviel kann eine Fernsehsendung nie erreichen. Trotzdem passiert es mir immer noch, dass Menschen auf der Straße sich bei mir bedanken. Manchmal geht es allgemein um das Wissen über Sexualität, ein anderes Mal ist es ein dummer Aberglaube, dem Leute verfallen waren oder es bedankt sich eine lesbische Frau für die Hilfe beim Coming Out. Besonders Transsexuelle haben mir oft erzählt, dass ihr Leben durch "Liebe Sünde" ein klein wenig leichter geworden ist - einfach weil sie dadurch sichtbarer wurden.

2. „Der letzte Kommunist: Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau“ wurde für die Leipziger Buchmesse nominiert und  hat neben der Biografie des Schriftstellers auch „romanhafte Züge“. Sie bringen sich aber auch selbst ins Spiel – wie viel Autobiografie steckt tatsächlich drin?
In einer Rezension habe ich gelesen: "Der letzte Kommunist" war eine Biografie mit romanhaften Zügen, "Ein makelloser Abstieg" ist ein Roman mit autobiografischen Zügen. Das trifft es, finde ich, ziemlich gut.

3. In Ihrem neusten Roman „Ein makelloser Abstieg“ , der gerade erschienen ist, scheitert der Protagonist Simon Minkoff am Druck der Öffentlichkeit. Glauben Sie ein Leben in der Öffentlichkeit lässt ein ausgewogenes Privatleben überhaupt zu?
Der Erfolg macht den Unterschied. Im heutigen Überangebot an Medien kann man durchaus öffentliche Person sein und trotzdem relativ privat bleiben. Hat man aber Erfolg beim großen Publikum, ist der Preis unweigerlich der Verlust von Privatheit. Und damit sich niemand täuscht: In Luxushotels zu verkehren, auf Privatinseln zu urlauben und den Feierabendchampagner in streng abgeschotteten Clubs zu nehmen ist golden, aber Käfig!

4. Sie werden ab und zu mit dem britischen Erfolgsautor Ian McEwan verglichen. Ist das Ihrer Meinung nach ein zutreffender Vergleich?
Das ist nicht nur unzutreffend, sondern geradezu blasphemisch. Ich verehre Ian McEwan sehr. Er ist ein großer Meister der Spannung, der Psychologie, des Kommentars zu Zeit. Gegen ihn bin ich ein Straßenköter.

5. Sie haben einmal gesagt:  In Berlin muss man zurückblaffen, wenn man angeblafft wird. Was macht dennoch den Reiz und die Lebensqualität der Hauptstadt für Sie aus?

So habe ich mir früher das Schlaraffenland vorgestellt. Alles, wirklich alles ist da: Spiel, Spaß, Spannung! Kultur, Kunst, Entertainment! Durchgeknallte Genies und geniale Durchgeknallte! Da nimmt man den rüden Ton eben als Eintrittsgeld.

6. Wenn es eines Tages nicht mehr Berlin ist: Eine andere deutsche Stadt, raus in die große weite Welt oder vielleicht zurück ins Rheinland?

Als Stadt geht nur die wirklich große Stadt, also Berlin. Ansonsten könnte ich mir bei nachlassendem Blutdruck auch einen hübschen Fleck auf dem Land vorstellen. Irgendwo an der Grenze zu Holland oder Belgien, meiner spirituellen Heimat.

7. Was ist für Sie die Definition von „Nach Hause kommen“?

Schuhe aus, alle Lampen an, laute Musik.

8. Wie sah Ihre erste Wohnung aus?
Es war eine Wohngemeinschaft, bei der aus ideologischen Gründen niemand ein privates Zimmer hatte. Funktionierte natürlich nicht. Ein paar Monate später hatte dann jeder sein eigenes Zimmer. Sogar das Meerschweinchen namens Eumel. Der kriegte die Küche!

9. 1974 waren Sie an der Gründung der lokalen Schwulengruppe ‘Aachener Printenschwestern‘ beteilig. Sind Sie heute noch aktiv im Kampf um vollständige Gleichberechtigung?
Nicht sonderlich aktiv, aber sehr interessiert. Doch wenn es darum geht, den Polen beizustehen, endlich ihre erste Schwulenparade durchführen zu können, dann fahre ich schon nach Warschau. Übrigens herzerweichend, wenn ausgerechnet Polen sich auf der abendlichen Feier für die deutsche Hilfe bedanken.

10. Haben Sie Alltagsrituale?
Haben Sie ein paar Tage Zeit?

11. Erzählen Sie uns von Ihrem Besten Schulerlebnis?
Ich war gar kein so schlechter Schüler, aber das beste Schulerlebnis war immer der Abend vor Ferien: Morgen keine Schule - gibt es für Kinder einen schöneren Satz?!?

12. Was fällt Ihnen zu Beton ein?
Hätte ich fast mit gearbeitet. Meine alternative Berufsstrategie war Architekt, Stadtplaner vielleicht. Kann ja noch werden. Krieg ich dann bei Ihnen Prozente?

13. Die Rock’n’Roll Abschlussfrage: Rolling Stones oder Beatles?
Beatles natürlich. Und wenn Sie es genau wissen wollen: Lieber Pop als Rock, Duschen als Baden, House als Hip Hop!

 

Foto: Milena Schlösser