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MAGAZIN / INTERVIEWS

13 Fragen an Marion Kuchenny

Marion Kuchenny hat eine der schönsten Radiostimmen Deutschlands, ist Moderatorin beim Hessischen Rundfunk und führt abwechselnd mit DSDS-Moderator Marco Schreyl durch die Primetime-Show "hr1 - Meridian". Wir haben sie gefragt, wie sie wohnt, wie sie der 11. September als Moderatorin geprägt hat und was ihr zuhause wichtig ist.

 

 

1. Frau Kuchenny, seit 2001 sind Sie Moderatorin, momentan sind Sie bei hr1 und moderieren abwechselnd mit Ihrem Kollegen Marco Schreyl “hr - Meridian”. Wie bereiten Sie sich auf einen Tag vor? Sind Sie mittlerweile routiniert, oder gibt es jeden Tag Überraschungen?

Jeder Tag ist anders. Mal läuft alles ziemlich ruhig und routiniert und dann wird’s plötzlich von einem auf den anderen Moment total hektisch, weil gerade eine Eilmeldung reingekommen ist. Und genau das ist das Tolle an meiner Sendung und am Radio machen überhaupt. Es wird nie langweilig, weil es immer neue Nachrichten gibt und immer neue Geschichten, die erzählt werden müssen. Und so gesehen beginnt hr1-Meridian morgens um 10.00 Uhr mit meiner ersten Redaktionskonferenz und endet um 18.00 mit meiner letzten Sendeminute. Um dann am nächsten Tag wieder neu zu beginnen….

 

2. Sie selbst sagten, dass die Berichterstattung über den 11. September 2001, bei Ihrer zweiten Sendung, Ihre “ganz persönliche Feuertaufe als Moderatorin” war. Inwiefern hat Sie dieses Ereignis als Moderatorin geprägt?

Es hat die Moderatorin Marion Kuchenny insofern geprägt, als dass ihr danach eigentlich nichts mehr passieren konnte, was sie irgendwie hätte aus der Kurve hauen können. Und es hat dem Menschen Marion Kuchenny gezeigt, wie es sich anfühlt, wenn man trotz innerer Erschütterung und Betroffenheit nach außen hin einigermaßen sachlich funktionieren muss. Eine schwierige Erfahrung. Aber auch eine sehr wertvolle.

 

3. Welche Sendung ist Ihnen ansonsten besonders in Erinnerung geblieben und warum?

Eigentlich keine einzelne Sendung, sondern einzelne Momente in vielen Sendungen. Der Moment z.B. als ich Peter Ustinov am Telefon hatte und vor lauter Ehrfurcht erst mal tief Luft holen musste, bevor ich meine erste Frage stellen konnte. Oder der Moment, als mir der Vater eines beim Amoklauf von Winnenden getöteten Mädchens erzählt hat, wie er versucht, mit der Trauer fertigzuwerden und ich einen dicken Kloß im Hals hatte, weil ich versucht hab, die Tränen runterzuschlucken. Oder der Moment, in dem mir ein ehemaliger Schüler der Odenwald-Schule sein Martyrium mit einem Lehrer schilderte, der ihn jahrelang missbraucht hat. Aber auch sehr skurrile Geschichten wie z.B. das Interview mit dem dienstältesten Hochseilartisten Deutschlands, dem ich zu seinem 95. Geburtstag gratuliert habe und der so schwerhörig war, dass er kaum was von unserem Gespräch mitbekam und ich immer lauter schreien musste und er mich schließlich völlig unvermittelt fragte, ob er jetzt was singen soll.

 

4. Sie sind in einer Reihenhaussiedlung aufgewachsen und haben als Kind viel Zeit im Freien verbracht. Heute wohnen Sie im Rhein-Main-Gebiet und verbringen beruflich viel Zeit im Radiostudio. Gelingt es da trotzdem in der Freizeit in die Natur hinauszuwandern?

Da ich in einem malerisch-gemütlichen Weinort mitten in einem landschaftlich sehr reizvollen Naherholungsgebiet an der Peripherie des ansonsten recht hektischen Rhein-Main-Gebiets wohne, ist das mit dem Naturerlebnis überhaupt kein Problem.

 

5. Wohnen Sie aus beruflichen Gründen im Rhein-Main-Gebiet, oder zieht es Sie einfach dorthin?

Ich lebe wie gesagt am äußeren Rand des Rhein-Main-Gebiets. Die Entscheidung, dort zu wohnen kam nach dem Studium und mit der Wahl des Arbeitsplatzes. Und ich habe sie bislang noch nicht bereut.

 

6. Wie wohnen Sie? Haben Sie eine Mietwohnung oder Eigentum? Haben Sie gebaut? Hatten Sie einen Bausparvertrag?

Ohne Bausparvertrag und mit einem – für unsere damaligen Verhältnisse – ziemlich üppigen Kredit ein viel zu großes Haus gekauft. Mit Garten. Mit ganz schön viel Garten….

 

7. Wie würden Sie Ihren Einrichtungsstil beschreiben?

Eine Mischung aus Hobbit-Höhle und Villa Kunterbunt.

 

8. Was ist Ihnen zu Hause wichtig? Auf welche Dinge haben Sie bei der Wahl Ihres Wohnortes besonders Wert gelegt?

Auf Familienfreundlichkeit und eine ordentliche Infrastruktur. Die Kita ist 200 m von unserem Haus entfernt. Und die Grundschule liegt dort gleich gegenüber. Es gibt Hausärzte, einen Zahnarzt, eine Apotheke, einen Lebensmittel-Markt, einen Schreibwaren-Laden, eine Postannahme-Stelle und ein reichhaltiges Angebot an gehobener Gastronomie. Außerdem viele Sportvereine und viele Gelegenheiten zum Feiern. Ist ja schließlich nicht umsonst ein Weinort…..

 

9. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach Design? Achten Sie selbst darauf, möglichst viele Designobjekte zu besitzen oder sammeln Sie sogar welche?

Das, was viele Menschen heute mit dem Begriff Design verbinden, halte ich für ziemlich übertrieben. Und mich nervt der ganze Kult, der darum veranstaltet wird. Von Leuten, die unbedingt dazugehören wollen, aber oft gar nicht wissen, wozu eigentlich genau. Wenn es allerdings um die eigentliche Bedeutung des Begriffs ‚Design‘ geht – nämlich im Sinne von ‚Formgebung‘ oder ‚Gestaltung‘ – dann halte ich Design für essentiell. In allen Lebensbereichen. Denn wir gestalten und formen schließlich in allem, was wir tun. So gesehen gehört Design zu den wichtigsten Grundlagen unserer Existenz.

 

10. Wir sind bekennende Betonliebhaber und als "Magazin der erfreulichen Dinge" berichten wir immer wieder über ungewöhnliche Objekte aus Beton, die zeigen, dass dieser Baustoff Gestaltungsmöglichkeiten keine Grenzen setzt - von Architektur und Design über Betonschmuck bis hin zum Motorrad aus Beton. Was würden Sie aus Beton gestalten?

Formschöne Behältnisse ohne Ecken und Kanten für meine vielen Pflanzen.

 

11. Wenn Sie über Architektur aus Beton berichten würden: Welche Bauwerke oder Dinge würden Sie erwähnen und warum?

Über das Opernhaus in Sydney, diesen gefrorenen riesigen Windjammer mit seinen geblähten Segeln, die eigentlich Apfelsinenschalen nachempfunden sind. Warum? Weil es eines der originellsten und optisch wohltuendsten Beton-Bauwerke ist, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat.

 

12. Wie lang haben Sie vor weiter zu moderieren? Haben Sie schonmal daran gedacht den Beruf der Moderatorin an den Nagel zu hängen und was anderes zu machen? War es schon immer ihr Wunsch ins Radio zu kommen? Oder hatten Sie als Kind einen ganz anderen Traum?

Als Kind wollte ich Bäckerin, Floristin, Prinzessin, Sängerin und Archäologin werden. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Die Vorstellung, mich in Richtung Journalismus zu orientieren überkam mich erst kurz vor meinem Abi. Aber als der Entschluss dann mal gefasst war, bin ich konsequent dabei geblieben. Und könnte mir inzwischen auch nichts mehr anderes vorstellen. Ich bin Radiofrau mit Leib und Seele. Aber vielleicht erfülle ich mir in meinem 3. Lebensabschnitt doch noch den Traum von einem netten, kleinen Landgasthof mit selbstgebackenem Kuchen….

 

13. Als Moderatorin: Welchen Ohrwurm haben Sie im Moment?

"Little Talks" von Of Monsters and Men. Eine bemerkenswerte Indie-Rock-Band aus Island.